INTERVIEW MIT BLIGG

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Nach seinem überragenden Erfolg mit dem Album 0816 hat Bligg monatelang an seinem neuen Album gearbeitet. Ab sofort steht es in den Läden: BART ABER HERZLICH! Eine erste Kostprobe daraus konnten sich seine Fans bereits anhören und Bligg wurde für "Legändä&Heldä" mit dem 1. Platz belohnt. Das Album hat aber noch Einiges mehr zu bieten: Musikalische Einflüsse aus allen möglichen Stilrichtungen sind vertreten und machen das Album zu einem Leckerbissen für alle Generationen. Gesellschaftskritisch, aber auch lustig oder melancholisch rappt sich Bligg auch jetzt wieder in die Herzen seiner Fans. Erfolgreiche Showcases deuten darauf hin, dass auch dieses Album ein Überflieger werden könnte. Bligg sprach einen Tag vor dem Release mit uns über seinen Erfolg, das neue Album, Alkohol am Steuer und seine Operation an den Stimmbändern, die ihn beinahe die Karriere gekostet hätte.

hitparade.ch: 91 Wochen in den Charts, Rang 13 in der ewigen Bestenliste der Schweizer Hitparade, Vierfach-Platin… eine gewaltige Vorgabe des Vorgänger-Albums 0816. Was war anders als früher, als du dieses Mal mit der Arbeit für das neue Album begonnen hast.
Bligg: Das Neue war eigentlich die Tatsache, dass das ganze Projekt auf einem neuen Plateau stattfand, was die Dimensionen betrifft. Man überlegt sich dann vielleicht zweimal, was genau man bei den Lyrics schreibt. Dies ist sicher etwas, was das Ganze schwieriger macht. Andererseits ist es auch einfacher geworden, da alle Mechanismen wieder so funktionieren wie früher: Mein eingespieltes Team ist wieder dabei. Man geht gemeinsam an den Start dieses Rennens und ist sehr gut ausgerüstet. Dadurch heben sich die beiden Dinge irgendwie wieder auf. Dazu kommt, dass ich meine Kunst nicht durch Zahlen dirigieren lasse. Ich hatte zwar grossen Erfolg und es ist schön, so etwas erleben zu können, aber ich muss sagen, dass ich nicht auf eine andere Art Musik mache, nur weil sich die Ausgangslage verändert hat. Ich mache meine Musik genauso wie zuvor: Ich schreibe meine Texte und achte dabei auf eine gewisse Themenvielfalt. Ganz zu Beginn der Produktion, als wir uns alle gemeinsam hingesetzt haben, und uns gefragt haben, in welche Richtung es nach 0816 gehen soll, da habe ich aber schon einen Druck verspürt. Die Erwartungshaltungen waren hoch und es hing alles von mir ab. Aber bereits am zweiten Tag habe ich zu Fred gesagt: "Lass es gut sein. Lass uns aus dem Bauch heraus Musik machen". So kommt es am besten raus, denn so haben wir es immer gemacht. Das hat früher auch so funktioniert.

hitparade.ch: Die erste Single-Auskoppelung "Legendä & Heldä" hat es direkt an die Spitze der Single-Charts geschafft, relativ selten für einen Schweizer Künstler. Wie sehr hat dich das erleichtert?
Bligg: Ich muss erst noch was korrigieren. Der Song ist ein Vorbote des Albums, aber nicht die erste offizielle Single. Es ist eine gemischte Situation. Es ist natürlich toll von der Null direkt auf Platz 1 zu wandern. Erst wollte ich gar keine Single vor dem Album veröffentlichen. Ich wollte nicht, dass die Leute aufgrund eines Songs sagen: So klingt also das neue Album von Bligg. Es ist ein erstes Signal nach dieser wichtigen Abstinenz. Wir waren nicht in den Medien in dieser Zeit, sondern haben uns zurückgezogen. Ich wollte einfach nicht, dass die Leute dieses Signal hören und denken, dass dies das Album und den neuen Sound repräsentiert. Wenn wir ehrlich sind, dann passt "Legändä&Heldä" genauso gut auch auf das Album "0816".

hitparade.ch: Nun ist BART ABER HERZLICH da. Das Cover erinnert an einen murrigen Senn, der doch irgendwo ein weiches Herz hat - wie der Alp Öhi. Interpretieren wir das richtig?
Bligg: BART ABER HERZLICH - wie der Titel schon sagt: Kratzig aber auch sanft. Das sind die beiden Seiten von mir: Ich habe eine ziemlich taffe Seite an mir, aber genauso auch eine herzliche. Wenn "0816" eine Hommage an die Schweiz gewesen ist, so ist BART ABER HERZLICH eher fokussiert auf den Künstler Bligg. Ich sage es auch im Intro des Albums - da ist ein Exklusivinterview drauf - was dazu: Sie fragen mich: "Bligg, wieso BART ABER HERZLICH? Und ich antworte: So bin ich. Fertig.

hitparade.ch: Wirst Du den künstlichen Bart des CD-Covers auch mal auf der Bühne tragen?
Bligg: Das ist bisher nicht geplant (lacht). Wir haben aber bei unserer Showcase-Tour alle den Bart wachsen lassen. Wir hatten fünf Showcases in fünf verschiedenen Städten und haben uns nie rasiert. Sogar Slädu mit der Glatze trug einen Bart. Der letzte der fünf Auftritte sah einfach geil aus (lacht). Ich muss aber dazu noch sagen, dass einige Stimmen meinten, dass das Cover mit dem Bart nicht so toll aussähe. Ich finds nicht, ich finde das Bild auf dem Tourplakat fast noch cooler, da trage ich eine Sonnenbrille dazu.

hitparade.ch: Zum Album gibt es auch ein Songbuch. Was findet man in diesem Buch?
Bligg: Damals bei "0816" hatten wir uns erst nach einem Jahr dazu entschlossen ein Songbuch zu machen, da sehr viele Anfragen reinkamen. Auf einmal meldeten sich Schulen, Eltern, Lehrer und Kinder, die die Noten zu meinen Songs suchten um sie beispielsweise in der Schule zu singen. Wir hatten diese Noten aber nicht. Und alleine schon um die Flut dieser E-Mails zu dämpfen, haben wir damals das Songbuch zu 0816 gemacht. Es gibt nur wenige Schweizer Künstler, die das zuvor gemacht haben und es ist auch wirtschaftlich gesehen völlig crazy. Es ist ein unglaublicher Aufwand dieses Buch zu machen und der Ertrag am Ende des Tages ist nicht wirklich lukrativ. Es soll einfach ein Liebhaber-Teil sein und es ist auch für uns als Band sehr cool, ein solches Zeitdokument in Form eines Buches zu haben, das Fotos von uns zeigt und auch Notationen. Es ist ja eigentlich ein Song/Fan-Buch. Alle, die nicht Gitarre oder Piano spielen können, können beispielsweise mit der beiliegenden CD meine Songs Karaoke singen. Von allen Songs ist da ein Playback drauf. Und es hat auch viel "Behind The Scenes" Fotos und Berichterstattungen drin. Es ist ein richtiges Fan-Buch, in dem man mehr über unsere Arbeit erfährt, wie es im Studio läuft und so weiter. Beim neuen Album haben wir uns entschieden, ein solches Buch direkt am Anfang zu machen.

hitparade.ch: Auf Deinem neuen Album sind viele Stile zu erkennen: Hip Hop, teilweise wieder traditionell angehaucht mit Akkordeon und Hackbrett, aber auch Rock, Ska, Funk und ein bisschen Soul ist dabei. Gibt es einen Stil, der Dir persönlich überhaupt nicht liegen würde?
Bligg: Es gibt viele Stile, die ich nicht machen würde. Ich bin aber sozusagen der Jamie Oliver der Musik. Ich nehme, was gerade im Kühlschrank liegt und versuche das Beste daraus zu machen. Ich mag ja nicht nur Tomatensauce oder nur Fleisch, ich mag bunte Gerichte. Und ich selber bin ja auch Konsument und Fan. Ich liebe Musik von "The Black Keys", "Mando Diao", mag aktuellen Pop aus den Charts und habe auch das neue Phil Collins Album gekauft. Ich höre auch Independent Sachen von jungen Bands. Ich sauge solche Musik in mich auf, das habe ich schon als Kind getan. Ich mache immer Rap mit vielerlei Einflüssen, das habe ich auch vor dem Album 0816 gemacht. Viele Leute sagten Anfangs, jetzt wird Bligg kommerziell und wird poppig. Es ist aber einfach Bligg-Musik, anders kann man es nicht definieren.

Hitparade.ch: Die Einflüsse können also von überall herkommen, wenn Du sie verarbeiten kannst...
Bligg: Ein geiler Song ist ein geiler Song! Ein geiles Instrument ist ein geiles Instrument. Das ist einfach so. Wenn ein Akkordeon gut klingt, wieso soll man es dann nur in der Volksmusik einsetzen? Nur weil man es daher kennt? Eine Gitarre nimmt man auch nicht nur für Blues oder Country. Es wird Metal, Rock und Pop damit gemacht. Es ist ein Instrument, damit kann man machen was man will.

hitparade.ch: Xavier Naidoo hat unter anderem auf der neuen Platte mitgewirkt. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit ihm?
Bligg: Ich bin ein grosser Fan von Xavier Naidoo und es ist mir eine Ehre, dass er auf meinem Album mitwirkt. Zum Weg, wie Xavier dazugekommen ist. Wir haben diesen Song "Spiegel" im Studio aufgenommen und er war eigentlich schon fast fertig. Ich habe einen eigenen Refrain dazu gemacht, den habe ich auf Deutsch gesungen. Ab einem gewissen Stadium dieses Songs habe ich immer mehr gespürt, wie melancholisch der Song ist. Er ist auch sehr gesellschaftskritisch, die Raps waren alle schon gemacht. Und ich habe dann gemerkt, dass Xavier Naidoo extrem gut zu diesem Song passen würde. Dies ist der Grund, weshalb ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, mit ihm zu arbeiten. Es ging nicht darum, einen grossen Künstler mit auf mein Album zu nehmen, im Sinne von: "Wen könnten wir nehmen? Vielleicht verkaufen wir so noch mehr CDs." Im Ernst, ich werde in Deutschland keine CD deswegen verkaufen und auch in der Schweiz wird diese Zusammenarbeit mit Sicherheit keine Auswirkung auf die Verkäufe haben. Dies war eine rein musikalische Entscheidung. Etwa einen Monat, bevor Xavier Naidoo hier in der Schweiz aufgetreten ist, hatte ich diese Idee. Also haben sich unsere Managements kurzgeschlossen und ein Treffen arrangiert. Ich habe ihn in Zürich getroffen und ihm von meiner Idee erzählt und ihm auch den Song vorgespielt. Er war von der ersten Sekunde an begeistert. Er sagte: "Alter, das ist so ein geiler Track: Ich bin dabei." Er musste dann zurück nach Mannheim, hat seinen Part dort aufgenommen und mir zurückgeschickt.

hitparade.ch: Du hast auch weitere Gäste auf Deinem Album...
Bligg: Ich habe drei Gäste auf dem Album. Ich hätte mir durchaus drei grosse Acts erlauben können zur Zusammenarbeit. Mir war es aber wichtig, neben dem grossen Xavier Naidoo auch unbekanntere Acts reinzunehmen. Einfach talentierte Musiker, die meines Erachtens noch viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten haben. Samurai beispielsweise ist ein toller Rapper, hat ein cooles Album und lustige Texte. Und auch Jessy Howe, die ebenfalls auf dem Album ist, ist Sängerin einer Band, die meiner Meinung nach unglaublich guten Sound macht: "The Raveners".

hitparade.ch: Ende März musstest Du Dich einer Operation an den Stimmbändern unterziehen - ein Polyp war in Deinem Kehlkopf. Was ging Dir durch den Kopf, als die Angst aufkam, Deine Karriere könnte vorbei sein?
Bligg: Ich bin ja kein Hypochonder. Aber wenn man mitten in den Vorbereitungen für ein neues Album steckt und sich enorm drauf freut, gerade nach einem Erfolg wie mit 0816, und auf einmal passiert ein solcher Schicksalsschlag und man weiss nicht, ob man weitermachen kann... Das hat mich psychisch extrem belastet. Ich durfte nach der Operation ganze drei Wochen lang keinen Ton sprechen und dann weitere zwei Wochen nur so wenig wie möglich. Alles in Allem waren es also rund fünf Wochen ohne richtig zu sprechen. Und das mitten im Prozess des Song-Erstellens. Ich musste einen Break machen mit dem Bewusstsein, dass meine Stimme nach dem Heilprozess vielleicht nie wieder so klingt, wie sie jetzt klingt.

hitparade.ch: Du warst also 5 Wochen lang im Ungewissen?
Bligg: Ja, bis zum Heilprozess wusste ich nicht, wie alles enden wird. Und als ich dann nach fünf Wochen den ersten Ton sagte, klang ich wie Lil Wayne (lacht). Ich klang wie Autotune, als würden zwei Stimmen übereinander liegen. Wenn man die Stimmbänder fünf Wochen lang nicht benutzt, schlaffen die irgendwie ab. Das ist wie nach einer Sportverletzung: Die Muskeln gehen ein und man muss sie rehabilitieren. Und diese Rehabilitierung dauerte bei mir dann auch nochmals etwa zwei Wochen... Alles in allem habe ich sieben Wochen verloren. Wir waren ja im März bereits mitten in der Arbeit. Das hat mir ein ganz schönes Loch in die Produktion gerissen. Dadurch hat sich alles ein wenig nach hinten verschoben. Leider hat es dadurch auch das Duett mit Stefan Eicher - der auch als Gast auf dem Album geplant gewesen wäre - nicht auf's Album geschafft. Aber der Song ist nicht weg, nur eingefroren.

hitparade.ch: Beim Song "Annie-May" hat auch der Energy-Moderator Jontsch mitgewirkt. Inhaltlich ist der Song eher traurig. Habt ihr eine persönliche Geschichte zu diesem Song?
Bligg: Nein, gar nicht. Ich war bei Jontsch zu Besuch und wir haben über geschäftliche Dinge gesprochen. Dann haben wir eine Flasche Wein getrunken oder zwei (lacht). Und wie das nach zwei Flaschen Wein dann halt so ist, hatten wir einen lustigen Abend. Jontsch hat sich dann irgendwann ans Piano gesetzt und hat angefangen Rosalie und so zu spielen und wir haben gejammt. Dann hat er auf einmal diese Chords gemacht und ich hatte dann sofort die Idee zum Refrain zu Annie-May. Der Refrain, so wie er jetzt auf der CD ist, ist mir dort spontan eingefallen. Wir haben das dann auf's iPhone aufgenommen. Eigentlich hätte dies nur ein Witz sein sollen für uns, immerhin waren wir halb betrunken. Aber genau dadurch, dass wir so alkoholisiert gewesen sind, wurde mir klar, dass ich diesen Song mit diesem Thema in Verbindung bringen möchte. Das Thema selbst kam dann daher erst später. Es ist etwas, das mich persönlich beschäftigt: Alkohol am Steuer. Ich selbst habe den Ausweis ja auch schon einmal abgeben müssen und bin gesetzlich in Schwierigkeiten geraten. Aufgrund dessen habe ich mir dann natürlich überlegt, was hätte passieren können. Vielleicht wäre mir etwas passiert oder ich hätte andere Menschen verletzt. Es ist ein Thema, das in dieses Zeitalter, in dem wir leben, sehr gut passt. Die Leute sind jung, gehen in den Ausgang, trinken was, werden müde, sind mit dem Auto da, wollen kein Taxi nehmen und fahren selber.

hitparade.ch: Der Song "Chef" ist inhaltlich bekannt, da diese Geschichte früher oft als Joke per e-Mail verschickt worden ist. Wie kamst Du auf die zündende Idee, daraus einen Song zu machen?
Bligg: Eigentlich genau so! Ich habe dieses Gedicht so entdeckt und fand es super. Auch von der Länge her eignet es sich perfekt, um daraus einen Song zu machen. Wir haben dann herausgefunden, von wem dieses Gedicht ursprünglich stammt. Es ist ein Deutscher Comedian - jetzt nicht auf dem Level von Mario Barth oder so - und wir haben uns mit ihm in Verbindung gesetzt und gesagt, dass wir einen Song daraus machen möchten.

hitparade.ch: Entstehen Deine Textideen durch Freestyle-Rappen oder hast Du einen ganz bestimmten Ort, an den Du Dich zurückziehst, um Inspirationen zu sammeln?
Bligg: Etwa im Verhältnis 80:20. 80% ziehe ich mich zurück. Ich mache mir allgemein viele Notizen, ich durchforste das Internet, lese Bücher und Zeitung, schaue Fern und adaptiere irgendwelche Inputs... das machen wohl alle Rapper so. Schon früher war das Verhältnis etwa 80:20. Es kommt auf den Song an. Es gibt auch Freestyle-Sachen, die im Studio spontan entstehen und dann direkt passen. Wie auch der Refrain von Annie May ein Freestyle war. Wenn's cool ist, dann lassen wir es. Wenn nicht, dann sag ich Fred, dass ich zwei Stunden für mich brauche und dann schreibe ich die Lyrics, bis ich sie gut finde. Ich finde aber dass diese 20 Prozent Freestyle mindestens dabei sein müssen! Es geschieht zwar alles meist irgendwie spontan, aber so richtig spontan im Moment, das ist mir wichtig. Das ist auch bei unseren Live-Shows so: Die Shows sind zwar geplant und konzipiert, aber es braucht einen gewissen Spielraum, um auch einmal spontan auf Jemanden im Publikum eingehen zu können beispielsweise.

hitparade.ch: Du hast bereits einige Showcases hinter Dir. Was hast Du für ein Gefühl, wie die Musik bei Deinen Fans eingeschlagen hat?
Bligg: Soweit ich es beurteilen kann, war das Feedback sehr gut. Die Leute hatten die Möglichkeit gratis diese Songs live zu erleben, noch bevor die CD auf dem Markt ist. Es sollte eine Listening-Session für die Leute sein. Den Leuten scheint es gefallen zu haben, zumindest laut Facebook (lacht). Ich habe sehr viele tolle Comments bekommen. Gerade bei mir ist sowas schwierig, da es viel um die Texte geht. Und an einem Konzertabend, an dem man die Songs zum ersten Mal hört, versteht man nicht alle Texte auf Anhieb - gerade bei den schnelleren Songs. Die Urteilsfähigkeit ist daher natürlich nicht die gleiche, wie wenn Du zuhause auf dem Sofa sitzst und Dir in Ruhe die CD mehrfach anhören kannst, bis Du beurteilen kannst, welche Songs Du magst und welche nicht. Bei diesem Showcase wurde jeder Song einmal durchgespielt. Aber die Stimmung war besser, als ich erwartet hatte. Wir haben zwar meist gute Stimmung an den Konzerten, aber wir hatten Respekt davor, neue Songs vor Publikum zu spielen. Normalerweise bei meinen Liveshows ist es ein fester Bestandteil, dass die Leute auch mal einen Refrain mitsingen. Man kann auch mal nur die Leute singen lassen und selbst aufhören, oder das Publikum anderweitig in die Musik involvieren. Dies war hier natürlich nicht möglich. Es war daher was völlig anderes als eine reguläre Show. Und deswegen ist es jetzt auch schwierig, auf diese Feedbacks einzugehen.

hitparade.ch: Dein Showcase im Bierhübeli in Bern fand genau an dem Tag statt, wo die traurige Nachricht von Steve Lee in den Medien verbreitet wurde. Wie lief dieser Tag für dich ab?
Bligg: Es war ein extrem schwerer Tag. Es war das letzte dieser fünf Showcases und ich hatte mich riesig darauf gefreut. Und etwa um halb elf Uhr, als ich gerade dabei war meine Sachen zu packen für die Show, erreichte mich diese Nachricht per Newspost auf meinem iPhone. Dies war für mich genauso ein Schock wie für alle anderen, ich konnte es nicht fassen. Ich machte mich auf den Weg nach Bern, wo meine Bandkollegen bereits alles vorbereiteten. Ich hatte dann noch ein Radiointerview bei Capital FM. Die Idee wäre eigentlich gewesen, dass ich eine Viertelstunde lang über mein neues Album spreche. Schliesslich war es so, dass wir zwei Minuten über das Album gesprochen haben, und die restliche Zeit über Steve Lee. Das war auch völlig okay so! Ich war aber nicht darauf vorbereitet und war genauso geschockt wie alle anderen. Dann wurde ich mit Fragen konfrontiert wie: "Soll Gotthard noch weiter machen, was meinst Du Bligg?". Und das an dem Tag, an dem Steve Lee gestorben ist, das war heavy. Diese ganzen Stories hatten mich durch den Tag begleitet, das Telefon bei der Plattenfirma klingelte im Minutentakt. Und ich war mitten in meinem Showcase-Film. Diese Sache ist mir sehr nahe gegangen. Es ist nicht so, dass Steve ein guter Freund von mir gewesen ist, aber ich habe ihn gekannt. Der Tag war daher sehr schwierig, und am Abend sollte ich eine Show machen, wo doch die ganze Schweiz irgendwie bedrückt gewesen ist. Es hat jeden irgendwie für einen Moment in die Realität zurückgeworfen. Wir haben dann während des Konzerts eine Schweigeminute gemacht. Ich habe gesagt, dass ich die nächste Minute Steve Lee widme aus Respekt vor ihm als Person und auch als Musiker. Ich habe das Feuerzeug in die Luft gehalten und all die Menschen im Publikum ebenfalls. Es waren mehrere hundert Menschen, aber es war so leise im Saal, dass man das leise Brummen der Boxen über die Gitarrenverstärker hören konnte. Das war ein extremer Moment.

hitparade.ch: Bald beginnt die grosse Tour. Worauf kann man sich freuen? Sind die Bläser ebenfalls auf der Live-Bühne dabei?
Bligg: Auf jeden Fall! Früher waren wir neun Personen auf der Bühne, nun werden es zwölf sein. Die Bläser werden ein fester Bestandteil sein, denn mir ist wichtig, dass wir das, was wir auf der CD gemacht haben, auch live auf der Bühne machen kann. Meine Show war bisher ziemlich okay, ich denke, wer schonmal bei einem Bligg-Konzert gewesen ist weiss, dass es da ziemlich abgeht. Nichtsdestotrotz habe ich den Anspruch an mich selbst und auch an mein Team, diese Show nochmals auf ein nächstes Level zu bringen. Wir wollen etwas generieren, das es so bisher in der Schweiz noch nicht gegeben hat. Es ist nicht so, dass ich mit dem Helikopter direkt auf der Bühne landen möchte, aber mit den wenigen kleinen Mitteln die wir in unserem kleinen Land zur Verfügung haben, versuche ich etwas zu machen, das die Leute mit dem Gedanken nach Hause gehen lässt: "Geil, das muss man gesehen haben. Einer von uns hat eine Show hingelegt, als wäre es ein internationaler Act." Ich möchte den Leuten etwas geben. Das ist mein Approach. Das ist auch bei CDs so, wir arbeiten sehr viel dafür. Mir geht es bei all diesen Sachen weder um wirtschaftlichen Kram noch um Geld, sondern um die Musik und um's Bewegen der Leute. Ich möchte, dass die Leute sich auf eine Bligg-CD und eine Bligg-Show freuen. Deswegen gebe ich alles dafür.

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der aktuellen Schweizer Hitparade. Kannst du sie kommentieren?

10. Hurts - Wonderful Life
Bligg: Der Song erinnert mich an einen anderen Song, dessen Name mir nicht einfällt. Ist nicht so mein Ding

9. Usher feat. Pitbull - DJ Got Us Falling In Love
Bligg: Beide Artists sind sehr cool, den Song kenne ich aber zuwenig.

8. Rihanna - Only Girl
Bligg: Ich bin ein grosser Fan von Rihanna und finde sie zudem sehr sexy (lacht). Zu ihrem letzten Album habe ich oft abgefeiert.

7. Shakira feat. Freshlyground - Waka Waka
Bligg: Nein Danke! Ich mag Shakira nicht. Ich mag ihre Stimme nicht und ich mag sie auch als Künstlerin nicht.

6. Yolanda Be Cool & DCup - We No Speak Americano
Bligg: Ich glaube das Original ist sehr geil, diese Version finde ich so naja. Wem's gefällt.

5. Taio Cruz - Dynamite
Bligg: Kenne ich zuwenig.

4. Gotthard - One Life One Soul
Bligg: Aus aktuellem Anlass sicher berechtigt auf dieser Position. Sehr schönes Lied.

3. Eminem feat. Rihanna - Love The Way You Lie
Bligg: Das ist ein Über-Über Song. Und doch finde ich den Song einer der schlechtesten auf dem neuen Album. Ich finde ihn cool, kommerziell gesehen. Aber für meinen Geschmack sind auf dem Album noch viel geilere Songs.

2. Shakira feat. El Cata - Loca
Bligg: Siehe Nummer sieben (lacht).

1. Gotthard - Heaven
Bligg: Hopefully he's in heaven.


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