INTERVIEW MIT THOMAS D. UND AND.YPSILON VON "DIE FANTASTISCHEN VIER"

Get the Flash Player to see this player.

Auf der Bühne ist, wie sie selbst sagen "Ausdauersport angesagt". Kurz vor Tourneestart in Zürich hat hitparade.ch Thomas D. und And.Ypsilon von "Die Fantastischen Vier" bei den letzten Trainingszügen getroffen.

hitparade.ch: Heute Abend startet Eure neue Tournee "Für Dich Immer Noch Fanta Sie - Tour 2010" in Zürich. Seid Ihr trotz zwanzig jähriger Bühnenerfahrung noch nervös so kurz vor Start?
Thomas D: Ja, endlich geht es los! Es ist eine grosse Vorfreude vorhanden und ich denke, die Nervosität kommt noch, bei mir ist sie derzeit noch nicht vorhanden.
And.Ypsilon: Ja, die kommt fünf Minuten vorher.
Thomas D: Als wir gestern bei der Generalprobe hinter dem Vorhang standen und ich mir das Ganze so vorstellte, wurde ich schon kurz nervös, muss ich gestehen. Aber die Nervosität ist bei uns ja selten geworden, die muss man sich gut einteilen (lacht).

hitparade.ch: Warum habt Ihr euch für den Tourneestart für die Schweiz entschieden?
And.Ypsilon: Es ist uns eigentlich eher unrecht, dass wir als Premierenkonzert gleich Zürich haben. Das entspannt uns jetzt nicht zusätzlich.
Thomas D: Nein, es wäre sicher entspannter gewesen in einer Kleinstadt in Deutschland zu proben und dann schon etwas vorbereiteter nach Zürich zu kommen. Aber das Routing ist halt so eine Sache, man kriegt die Hallen nicht jeden Tag und so ergibt sich dann halt die Tourneeroute. Aber hey! Wir schätzen ja Herausforderungen.

hitparade.ch: Aber wir Schweizer sind ja da sehr gemütlich…
Thomas D: …ja aber auch nicht so schnell zu beeindrucken, das muss man schon sagen. Daher: Wir werden alles geben heute Abend und falls es Kleinigkeiten gibt, die schief laufen, hoffe ich mal, dass ihr es nicht weiter sagt nach Deutschland.

hitparade.ch: Neu spielt Ihr auf einer Rundbühne, die Zuschauer können Euch aus allen Winkeln beobachten, eine neue Herausforderung?
Thomas D: Das ist das erste Mal in unserer Laufbahn, dass wir auf einer Rundbühne auftreten. Wir haben schon öfters darüber diskutiert, ob wir es tun sollen. Natürlich sind wir nicht die Erfinder der Rundbühne, aber alle Bands spielen ja zuerst auf Frontbühnen und jede stellt sich dann irgendwann die Frage: Wollen wir nicht in die Mitte gehen? Es ist eine grosse Herausforderung - technisch wie auch von der Performance her. Man spielt nicht in eine Richtung, sondern in alle. Wir haben uns andere Rundbühnenkonzerte angeguckt und mussten feststellen; meistens fehlt es an ein paar Frontmännern. Die haben wir zu bieten. Das ist schon mal ganz gut, wir können gleichzeitig in drei bis vier Richtungen strahlen. Das ist echt ein Vorteil. Und warum nicht? Wenn, dann jetzt! Die letzte Tour war die Fornika-Tour. Wir versuchen uns ja ständig zu verbessern, etwas Neues zu erfinden. Die Fornika-Tour war echt der Wahnsinn: riesige Bullaugen, die gleichzeitig Monitore waren und über der Bühne schwebten. Das war eine Dimension, wo wir sagten: Wie willst du das noch toppen? (Pause). Wir haben was gefunden. Es hat aber lange gedauert, bis wir das gefunden haben. Aber wir sind stolz, dass gerade wegen des wahnsinnig hohen Aufwandes, den wir hier betreiben, das Ganze dementsprechend eine geile Show wird!

hitparade.ch: Ihr tretet seit zwanzig Jahren zusammen auf. Geht man sich da auch ab und zu auf die Nerven?
Thomas D: Nein, das ist sehr entspannt. Es ist auch mit den Jahren entspannter geworden. Nicht, dass wir uns jemals gehasst hätten, aber…
And.Ypsilon: ….nein, aber man ist eben nicht immer gleichermassen "sozial". Es gibt Zeiten, da kann man das weniger gut. Aber jetzt sind wir in einem sehr schönen Kollektiv-Fahrwasser, dass uns sehr gut tut als Band.
Thomas D: Gerade, wenn man nicht mehr so aufeinander hängt, wir haben ja mittlerweile alle Familie. Da kommt man sogar wieder sehr gerne zurück. Man ist hier doch in einem sehr vertrauten Kreis. Man steigt in den Tourbus ein: Wo ist mein Bett? Alles klar! Das kennt man alles. Macht einem nicht mehr nervös, sondern das ist auch ein Zuhause, das wir jährlich haben. Fühlt sich gut an. Denn wer will nicht jeden Tag zwei Mal warm bekocht werden? Ohne abräumen, nicht abspülen….es ist alles so wahnsinnig entspannend!
And.Ypsilon: ….ja, das Catering ist eines der wichtigsten Stationen der Tournee…
Thomas D: … das ist so. Durch das kann man sich voll konzentrieren auf das, für was man das ist, nämlich die zwei Stunden da oben jeden Abend und da dann alles geben.

hitparade.ch: Das letzte Album, gleichnamig wie die Tournee, hat viele rückblickende Textinhalte drauf. Seid ihr am Bilanz ziehen?
Thomas D: Das Bilanz ziehen kommt immer wieder. Als wir zwanzig waren und das erste Album gemacht haben, da hatten wir nichts worauf wir zurückblicken konnten, da war alles noch vor uns. Seit 1993 haben wir immer wieder gedacht: Das ist jetzt die letzte Platte, die wir machen. Das geht nicht mehr weiter. Aber immer wieder erlebst du Neues, dass dich wieder dazu veranlasst, darüber zu schreiben und es zu verarbeiten. Gleichzeitig hast du auch immer mehr, worauf du zurückschauen kannst. Deshalb ist es auch klar, dass es vermehrt auch in die Retrospektive geht. Aber es ist nicht im eigentlichen Sinne ein Resümee ziehen um etwas zu beenden. Es ist eine offensichtliche Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass mit jedem Album die Wahrscheinlichkeit grösser wird, dass es das Letzte sein kann. Das muss man akzeptieren. Natürlich fragen wir uns: Wohin geht es, wie lange geht es noch und wann endet es? Wir wollen es beenden und nicht die Leute, die nicht mehr an unsere Konzerte kommen. Aber weil wir sehr selbstkritisch sind und uns immer wieder diese Fragen stellen, haben wir in unserer Karriere immer wieder etwas geschaffen, dass wir bisher noch nicht hatten: von der 3D Weltpremiere über das zwanzigjährige Jubiläum mit 60'000 Leuten und so weiter und so weiter. Wir dachten jedes Mal: Was soll jetzt noch kommen? Und immer wieder ist etwas passiert. Und solange dass der Fall ist, haben wir auch Grund, nach vorne und zurück zu schauen.

hitparade.ch: Ein Thema, dass in Euren Liedern immer wieder vorkommt ist Kampf, Krieger, Gladiatoren. Ist das Musikbusiness derart hart geworden?
Thomas D: Für uns nicht, insgesamt sicher schon. Der Markt ist viel kleiner geworden, man verkauft viel weniger Platten. Wir haben eine gute Position: Wir sind schon oberhalb der Oberfläche und müssen uns nicht mehr durch die ganzen Internet-Medien kämpfen, um irgendwo Gehör zu finden. Die Leute wissen, es gibt uns. Beim Lied "Gladiatoren" geht es um die wunderschöne Vorstellung, dass wir als Gladiatoren die Manege betreten und dann um unser Abendbrot kämpfen. Was für ein Einmarsch! Wir kommen auf die Bühne und es kennt uns niemand, kannst jeden Moment von den Löwen gefressen werden. Aber du hast dich behauptet! Und dieses Gefühlt hatten wir am Anfang auch an unseren Konzerten. Da fragten sich schon einige: Was machen die denn da? Aber dann war es klar: Das sind die Fantas! Diesen Thron haben wir uns erkämpft.
And.Ypsilon: Das Bild der Gladiatoren hängt insofern, als dass wir ja nicht miteinander kämpfen, sondern ein Team sind. Aber es geht um diese Herausforderung, das Bestehen von Gefahren, dafür ist das Bild wirklich gut. Das haben wir schon alle durchlebt. Da finde ich mich auch wieder im Text.
Thomas D: Und wenn man weiterdenkt: Was macht der Gladiator, der nicht getötet wird? Er kriegt irgendwann von Cäsar sein Stück Land als sein Altersruhesitz. Von daher ist der Vers auch ganz schön: "Denn irgendwann fällt der Vorhang - und wir geben dem Privatleben Vorrang." Also: was machen Sie denn so? Ich bin Privatier - ich gebe dem Privatleben Vorrang. Hat also auch ein schmunzelnder Gedanken drin, ist nicht so ernst zu nehmen. Witzig daran: Der Text war gar nicht so ernst gedacht, aber zusammen mit der Musik erzielt er diese Wirkung. Wow! Arena!

hitparade.ch: Ist es Euch wichtig, dass die Texte immer eine Message herüberbringen oder darf es auch einmal einfach nur fröhlich sein?
Thomas D: Das darf es, aber am liebsten doch verschachtelt. Schön ist es, wenn es beides ist. Wenn du lachst und währenddessen denkst, "verdammt, er hat Recht!" Die Art von Humor mag ich sehr. Reine Wortspiele gibt es schon auch. Es ist immer eine Mischung.
And.Ypsilon: Es gibt Stücke mit mehr oder weniger Anliegen. Die mit weniger Anliegen sind aber deshalb nicht "dümmer". Intelligenter Witz kann sehr leicht sein. Kein einziger Fanta-Text - und ich schreibe ja keine Texte, darum darf ich das sagen - ist dumm oder billig.
Thomas D: Und dass einem der Text herunterzieht ist auch nicht der Fall. Man kann darüber nachdenken.
And.Ypsilon: Es bringt einem weiter.

hitparade.ch: Welcher Eurer Texte hat eine besondere Bedeutung für Euch?
Thomas D: Eigentlich jeder. Wir sind sehr stolz darauf, wenn wir ein Lied gut hingekriegt haben. Wir sind sehr kritisch dabei, nicht jeder Song schafft es auf eine Platte. Gerade bei der letzten haben wir einige wieder verworfen. Ein Song legt so einen Weg zurück. Sie wachsen einem ans Herz und einige davon behalten ihre Strahlkraft. So beispielsweise "Krieger" ist so ein Text, auf den ich immer stolz sein werde. Woran ich monatelang geschrieben habe bis alles klar war. Jedes Wort hat genau seinen Platz. Könnte ich heute vielleicht nicht mehr schreiben. Es ist wie eine Geburt. Es gibt übrigens eine ganze Reihe von Songs, die sich um das Thema "Erwachen und Erkennen" drehen. Aber "Krieger" war die Initialzündung. Und: Songs wie "Tag am Meer". Oder auch "Populär" ist ein grandioser Song, der von Smudo so auf den Punkt gebracht wurde, bis hin zu: "Was geht?".
And.Ypsilon: "Was geht?" kam ja auch aus einer bestimmten kollektiven Energie in Mitten der Plattenproduktion raus. Die Idee war, allen unseren Kritikern eine Antwort zu stellen. Das haben wir in zwei Tagen mal eben kurz reingerockt. Das war ein sehr dichtes Arbeiten.


Linktipps:
"Für dich immer noch Fanta Sie" anhören und downloaden
Künstlerportal "Die Fantastischen Vier"
Offizielle Website

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?