INTERVIEW MIT BABY GENIUS



Der 23-jährige Luzerner Ivo Amarilli aka Baby Genius legt nach seinem vielgelobten Debut-Album mit seinem Zweitling "Razzmatazz" nach. War Baby Genius Debut gekennzeichnet durch jugendlichen Sturm und Drang, überzeugt sein Zweitling durch anspruchsvollere Songs mit mehr Tiefgang. Die markante Brit-Pop-Orientierung erhält mit der neuen Platte eine ruhigere, nachdenklichere und experimentellere Note. Wir haben ihm einige Fragen gestellt.

hitparade.ch: Vor knapp drei Jahren wurdest du durch diverse Blogs und Medien ziemlich rasch an die Oberfläche der breiten Bevölkerung gespühlt und wurdest weitherum gelobt und gehyped. Wie war das für dich?
Baby Genius: Unerwartet. Mein einziges Ziel war es, eine eigene Platte aufzunehmen ohne jegliche Erwartungen, was danach mit ihr passiert. Als ich gemerkt habe, dass meine Musik vielen Leuten gefällt, sind bei mir auch die Ansprüche gestiegen. Für mich war das nicht ganz einfach, und ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht wo ich genau stehe. Der "Hype" geschah noch, bevor mein Debüt überhaupt erschienen war und ich keinerlei Erfahrung hatte.

hitparade.ch: Bei einem Hype ist natürlich auch stets schnell eine Gegenbewegung am Start, die alles sehr süffisant niederschreibt, wie war dieses Erlebnis für dich und wie bist du damit umgegangen?
Baby Genius: Anfänglich habe ich das sehr persönlich genommen, habe aber schnell gelernt, zwischen Kritik und Neid zu unterscheiden.

hitparade.ch: Wenn es um Kunst, Kultur und sogenannte Indie-Musik geht, wird man sehr schnell sehr weit herumgereicht. Was waren so deine Höhepunkte, die der Release deines Debuts mitgebracht §hat?
Baby Genius: Da gab es viele. Es war alles neu für mich. Ein Highlight war sicherlich, als wir in Berlin an der Popkomm, der grössten europäischen Musikmesse, auftreten durften. Zusammen mit The Young Gods, Sophie Hunger und Heidi Happy. Das war mir eine grosse Ehre.

hitparade.ch: Wieviel Gewicht misst du diesem Indie/Mainstream selber bei? Ist es dir wichtig, wo du stattfindest oder geht es dir darum, dass du stattfinden kannst?
Baby Genius: Solche Gedanken mache ich mir nicht. Ich schreibe meine Songs, ohne mir zu überlegen, ob es Indie oder Mainstream ist. Ich freue mich aber, wenn ich möglichst viele Leute mit meiner Musik begeistern kann. Indie und Mainstream sind wohl meine beiden Hasswörter des Jahres um es auf den Punkt zu bringen (lacht).

hitparade.ch: Du hast dir nun ein profeessionelles Umfeld zugelegt mit der Firma Gadget, welche ja auch für das Wohle von Acts wie Baschi oder den Lovebugs zuständig ist. Wie kam das zustande und was hat dich zu diesem Schritt bewegt?
Baby Genius: Dieses Umfeld habe ich mir nicht zugelegt. Ich habe mein fertiges Album an Gadget geschickt, denen hat es gefallen, und dann ist es zu dieser erfreulichen Zusammenarbeit gekommen. Ich habe auf der Solotour von Adrian Sieber (Lovebugs), der auch bei Gadget unter Vertrag ist, bei vier Konzerten im Vorprogramm gespielt. Da habe ich gesehen, wie professionell und doch familiär die Zusammenarbeit mit dem Label funktioniert und habe mir gesagt: das möchte ich auch. Ich bin wohl ein Glückspilz.

hitparade.ch: Nun steht RAZZMATAZZ in den Regalen, fast drei Jahre danach. Was hat sich verändert für dich im Gegensatz zur ersten Platte?
Baby Genius: Ich habe gelernt wie man ein Konzert spielt. Ich habe gelernt wie man Songs schreibt. Ich habe gelernt wie man Songs produziert. Und ich habe ein bisschen gelernt wie das Musikbusiness funktioniert.

hitparade.ch: Du warst damals gerade 20, heute zwar immer noch jung, aber doch etwas Erfahrung in den Knochen, wie hat sich das ausgewirkt?
Baby Genius: Ich habe mir für mein zweites Album viel Zeit genommen, und die drei Jahre an Erfahrung sind der Platte anzuhören.

hitparade.ch: Von was handeln deine Songs und wovon lässt du dich inspirieren?
Baby Genius: Ich habe gemerkt, dass ich ein schlechter Geschichtenerfinder bin. Also lasse ich mich von meinem Alltag inspirieren. Das geht von den völlig unwichtigen Dingen wie Zug fahren bis hin zu den wichtigsten Dingen der Welt: die Liebe. Jedenfalls erzähle ich in jedem Song von einem persönlichen Erlebnis.

hitparade.ch: Musikalisch bewegst du dich auf dem neuen Album im Umfeld von The Clash. Sind das Helden von dir oder beeinflussen dich ganz andere Bands?
Baby Genius: Ganz ehrlich: Ich könnte dir keinen Song von The Clash vorsingen. Ich kann keine Band nennen, die mich für dieses Album hauptsächlich inspiriert hat. Es sind wohl die Beatles und alle Bands, die von ihnen beeinflusst sind.

hitparade.ch: Diverse Live-Daten stehen auf deiner Webseite. Was darf man da musikalisch alles erwarten, wenn man bei dir im Publikum steht?
Baby Genius: Das einzige, was ich beim letzten Album wirklich bereue ist, dass wir das mit dem Proben nicht sehr ernst genommen haben. Und genau das machen wir beim neuen Album anders. Ich freue mich unglaublich auf die anstehenden Konzerte, und wir sind so bereit, wie wir es noch nie waren. Man darf sich auf viel Freude, Schweiss, Rock'n'Roll und neue Instrumente wie Piano und Kontrabass auf der Bühne freuen.

hitparade.ch: Was kommt noch von Baby Genius, was noch nicht auf deiner Website steht?
Baby Genius: Hoffentlich noch viele Konzerte. Ich hatte vor zwei Wochen mein erstes Konzert seit zwei Jahren, und das hat Lust auf mehr gemacht. Zudem kann ich noch verraten, dass an unserer Plattentaufe am 10. Dezember in der Schüür in Luzern vier Konfettikanonen auf der Bühne stehen werden. Darauf freue ich mich.

hitparade.ch: Du bist dank neuen Medien in die breitere Öffentlichkeit gerutscht und konntest ohne teure Marketingkampagnen und Major Label deinen Bekanntheitsgrad erreichen. Denkst du, dass es in Zukunft mehr solcher Acts geben wird, die über solche Kanäle bekannt werden, oder ist es sogar die Zukunft?
Baby Genius: Grundsätzlich bin ich kein Freund vom Internet in Bezug auf Musik, denn es hat die Musik zur Verbrauchsware gemacht. Trotzdem muss man sich den Veränderungen anpassen, und die Musikindustrie ist im Wandel. Allerdings werden das auch irgendwann die Majors merken und dieselben Kanäle verwenden. Trotzdem glaube ich nicht, dass sich in ein paar Jahren jeder mit seinem Internetanschluss zum Rockstar machen kann. Aber die neuen Medien sind wohl oder übel die Zukunft.


Linktipps:
Höre ins neue Album Razzmatazz rein
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