INTERVIEW MIT REASE

Get the Flash Player to see this player.

Die Zentralschweizer Band Rease hat im Frühling 2010 ihr Debut-Album "Every Right Turn" veröffentlicht. Wir haben - fast ein Jahr später - mit Frontmann Andy Iten über das vergangene Jahr gesprochen.

hitparade.ch: Wie ist die Band Rease entstanden?
Andy: Ich hatte schon lange den Wunsch, meine eigene Band zusammenzustellen. Ich habe es auch schon mit diversen Leuten versucht, was nicht immer so einfach war. Als Gitarrist habe ich mich viele Jahre auf mein Spiel konzentriert, doch ich versuchte, einige Lieder selber zu schreiben. Für den Sound den passenden Sänger zu finden, war jedoch, wie die Nadel im Heuhaufen zu finden. Es fehlten immer die richtigen Zutaten. Eines Tages traf ich einen alten Bekannten, der eine Gesangs-Schule hatte. Nachdem wir erzählt und über Gesangslektionen gewitzelt hatten, habe ich mich spontan entschlossen, die Gesangslektionen doch noch anzutreten. Das kann ja nicht schaden, dachte ich und fing an, mich für die Rolle des Sängers zu interessieren. Mit etwas Nachschub von meinem Gesangslehrer habe ich auch angefangen, meine Songs selber zu singen und zu performen. Das war ein gutes Gefühl! Ich konnte die Lieder selber schreiben und komponieren, Lyrics selber schreiben und noch dazu singen. Darauf habe ich ein Demo aufgenommen und meine erste Band zusammengestellt. Das war der Anfang von Rease. Daraufhin haben wir eine EP gemacht und es ging auf die Bühne - das war cool! Nach etwa drei Jahren stand das erste Album an - zumindest für mich. Doch da gingen unsere Interessen auseinander und ich spielte das Album zusammen mit einem Produzenten ein. Auf einmal war es da - mein erstes Solo-Album "Every Right Turn". Mit diesem Album gründete ich die zweite Besetzung von Rease.

hitparade.ch: Wieso habt ihr nach eurer EP eine Pause gemacht?
Andy: Das Album war der Grund, wieso es eine Pause gab. Das war die Zeit, die ich im Studio verbrachte.

hitparade.ch: Ursprünglich bist du aus Neuseeland. Was hat dich in die Schweiz geführt?
Andy: Ich bin in Wellington geboren und bin mit 8 Jahren in die Heimat meines Vaters, die Schweiz, umgezogen. Schule, Studium und meine ganze Musik habe ich hier in der Schweiz gemacht. Manchmal scheint es eine lange Zeit zu sein, doch wenn die Zeit so schnell vergeht, passiert auch etwas. Zwischendurch gehe ich nach Neuseeland zurück und entdecke immer wieder etwas Neues, Aufregendes, Schönes. Ich nenne es Song-Treibstoff. Dort liegen meine Wurzeln. In meinen Liedern sind ein paar Sachen von früher drin und auch von anderen Ländern, die mich inspirieren.

hitparade.ch: Wie und wann hast du mit Musik angefangen?
Andy: Musik mache ich seit der Schulzeit. Wir gründeten in der Sekundarschule eine Heavy-Metal-Band und waren überzeugt, dass wir den Durchbruch schaffen würden (lacht). Unsere Sängerin damals war Caroline Chevin, und an den Drums war Kusi Bösch von den "Ewigi Liäbi"-Liedermachern Mash. Diese Zeit hat uns alle geprägt und die meisten machen heute noch Musik. Wenn ich zurückdenke, was wir damals alles gebastelt haben - frage mich nicht, wieso - aber das waren super coole Zeiten, die ich nie vergessen werde. Über die Jahre hat sich aber Vieles geändert. Der Stil, die Songs, und auch den Sinn für Details. Heute achte ich auf ganz andere Sachen. Mir stehen Text, Melodie und Gesang mehr im Vordergrund, und nicht mehr geile Gitarren-Riffs und Soli.

hitparade.ch: Du warst früher Automechaniker, oder?
Andy: Ja, richtig. Ich habe eine Lehre als Autoelektriker absolviert. Autos faszinieren mich. Als kleiner Junge habe ich mich schon mit Autos beschäftigt. Nach der Lehre wollte ich etwas anderes machen und habe meinen Job gewechselt. Ich wollte ins Büro und drückte deshalb noch einmal die Schulbank. Musik war für mich immer eine Leidenschaft, doch damit Geld verdienen wollte ich nie.

hitparade.ch: Auf deiner Webseite und in den Songtexten beziehst du dich oft auf Autos. Sind Autos ein Hauptbestandteil deines Lebens?
Andy: Ja, das wird manchmal in den Songs erwähnt. Es hat auch oft etwas mit Autos, Autofahren zu tun. Auch der Titel des Albums "Every Right Turn" ist aus dieser Idee heraus entstanden. Jede richtige Abzweigung oder Entscheidung hat mich hierher gebracht, wo ich nun stehe. Dieser Weg war für mich die richtige Entscheidung.

hitparade.ch: Was ist dein Lieblings-Auto? Wem gehört das schöne Auto auf deinem CD-Cover?
Andy: Das ist eine gute Frage. Ja, das ist mein Baby - ein 68er Camaro. Ich habe einige Lieblings-Autos - meistens amerikanische aus den 60ern. Denn damals wurden richtig schöne Autos gebaut - einfach Klasse. Das Auto-Schrauben ist meine zweite Leidenschaft.

hitparade.ch: Die meisten Infos auf der Webseite von Rease sind auf Deutsch. Planst du auch Infos auf Englisch hinzuzufügen, zumal du auf Englisch singst?
Andy: Hmm. Die Seite ist teilweise auf Deutsch. Ich hatte die Seite zuerst auf Englisch gemacht, weil es halt meine Muttersprache ist und ich doch auf Englisch singe. Doch es war schwierig, weil wir uns auch im deutschsprachigen Raum bekanntmachen mussten. Konzert-Hinweise, Biografie, schlussendlich musst du alles auf Deutsch übersetzen. Die Luxus-Lösung - eine auf Deutsch und die andere auf Englisch - habe ich noch nicht hinbekommen - vielleicht ein Ziel für 2011. Es ist sehr zeitaufwändig. Und da ich daneben 100% arbeite, ist es nicht immer so einfach, alles unter einen Hut zu bringen.

hitparade.ch: Du hast gesagt, dass jeder, der Nickelback und Daughtry gerne hat, wird auch Rease gerne haben. Habt ihr euch hauptsächlich von ihnen beeinflussen lassen oder sind es nur stilistisch ähnliche Bands?
Andy: Das sind sicherlich Bands, die mich inspiriert haben. Ich habe auch schon beide Bands live gesehen. Wir wollten die Produktion bewusst rockig und fett machen. Und das ist dabei herausgekommen. Dazu ist es auch noch schwierig zu erklären, welchen Stil wir spielen, wenn uns jemand fragt. In vielen Fällen müssen wir auch für Musik-Plattformen und Download-Seiten eine Stil-Kategorie oder ein Musik-Sample angeben. Da haben wir etwas Ähnliches genommen.

hitparade.ch: Manche eurer Songs klingen ein bisschen nach Country. War das beabsichtigt, und hast du jemals darüber nachgedacht, ins Country Genre zu wechseln?
Andy: Ich bin schon dabei, das nächste Album zu schreiben. Es wird sicher mehr Country-Einflüsse haben. Country ist ein Teil meiner Wurzeln. Mit Country bin ich aufgewachsen. Meine Eltern haben Country gehört und als Kind nimmt man das halt so auf. Als ich in die Schweiz kam, gab es das nicht. Für mich hat es also nichts Besseres gegeben, als das Nächstbessere oder die am nächsten verwandte Musikrichtung zu wählen, und das war für mich Rock. Ich habe mehr Rock gehört, aber die Texte der Country-Musik finde ich beeindruckend. Die sprechen direkt aus dem Herz.

hitparade.ch: Wer ist dein Lieblings-Country-Sänger?
Andy: Wen ich recht gut finde ist Keith Urban, Rascal Flatts oder Lonestar… aber auch klassische wie Alan Jackson, oder die Dixie Chicks, die höre ich auch ganz gerne.

hitparade.ch: Wie hast du die Arbeit zwischen Gölä und den Bellamy Brothers empfunden?
Andy: Ich kann es gar nicht sagen. Ich konnte noch gar nicht richtig hineinhören. Ich finde es gut, was er macht. Er hat irgendeinen verwandten Ton. Ich kann es nicht richtig sagen, weil ich seine Musik noch nie richtig gehört habe.

hitparade.ch: Wenn du mit irgendeinem Country Sänger zusammenarbeiten dürftest, wer wäre es am liebsten?
Andy: Ja, Keith Urban ist auch Neuseeländer, komischerweise. Er ist in Australien aufgewachsen und ich habe auch schon einmal in Australien gelebt. Ich denke, wenn ich mit jemandem zusammenarbeiten dürfte, dann mit ihm. Ich würde mich aber auch gerne die Nashville Szene anschauen. Das wird sicher eines meiner nächsten Reiseziele sein. Das steht sicher irgendwo ganz oben auf der Liste. Es ist schwierig, sich da festzulegen, denn es gibt so viele gute Musiker und Songwriter. Man wünscht es sich, aber vielleicht ist es nicht immer die beste Entscheidung.

hitparade.ch: War die Tour dieses Jahr so wie du sie erwartet hast, oder wie hat sie sich für dich entwickelt?
Andy: Es war ein bisschen träge. Ich hätte noch viel mehr machen können. Es sind jedoch unerwartete Dinge aufgetaucht, die Zeit in Anspruch genommen haben. Zwei meiner Mitmusiker haben Nachwuchs bekommen, was ich super schön finde. Ich wollte sie mit Proben und Konzerten nicht stressen. Da haben wir das Ganze etwas lockerer genommen und ich war vermehrt alleine mit meiner Klampfe unterwegs. Das hat uns dann auch später motiviert, das Album nun zur Weihnachtszeit unplugged einzuspielen - und das macht eben so viel Spass wie mit der Strom-Gitarre. Nebenbei lief die Platte nicht so gut, wie ich zuerst dachte. Auf einem Markt, auf dem sich alle um Ruhm und Geld reissen, haben Künstler, die wunderschöne Sachen machen und sich wirklich den Arsch aufreissen, keinen Platz. Auch das Konsumverhalten der Leute ist anders geworden. Die Musikbranche hat sich in den letzten Jahren extrem verändert. Es ist schwierig, sich irgendwie bemerkbar zu machen. Doch bei uns geht es nicht darum, bekannt zu werden oder mit der Musik Geld zu verdienen, sondern lediglich die Chance zu bekommen, unsere Musik an den Mann zu bringen. Da wären unsere lokalen Radios gefragt… aber eben, das ist eine andere Geschichte. Für mich ist das Vermarkten der CD und der Band eine sehr mühsame Arbeit, wo du ständig daranbleiben musst. Es ist nicht nur Musik machen, sondern das ganze Drum und Dran. Ich weiss nicht, an was es liegt, aber wenn die CD nicht gut genug ist, dann heisst das für mich, dass ich härter arbeiten muss, darum bin ich an einem zweiten Album.

hitparade.ch: Bleiben die Rease-Bandmitglieder dabei?
Andy: Wenn sie das wollen, schon. Ich würde sie gerne dabeihaben. Es sind wirklich sehr gute Freunde und Musiker. Wir haben Vieles gemeinsam. Es funktioniert einfach, wenn wir zusammen spielen, wenn wir auf der Bühne sind, aber auch wenn wir zusammen ein Bierchen trinken gehen (lacht). Dieses Jahr will ich die Jungs noch mehr in meine Musik integrieren und freue mich jetzt schon darauf.

hitparade.ch: Du bist jetzt bei einer kleinen Platten-Firma, oder?
Andy: Ja. Ich habe mit Yann Rouiller, damals Drummer von Core22, das Album eingespielt. Er ist sehr musikalisch und weiss, was er macht - ein super Typ. Ich konnte sehr viel von ihm lernen und war froh, jemanden wie ihn als Produzenten zu haben.

hitparade.ch: Hast du schon versucht, zu einem grossen Label zu kommen?
Andy: Ich bin ständig daran. In Amerika versuche ich ein bisschen heranzukommen. Doch je grösser das Land, desto schwieriger ist es. In nächster Zeit ist ein Rease Song auf einer Compilation-CD geplant und wird an die Plattenfirmen und Studios geschickt. Ich versuche immer wieder, Kontakte zu knüpfen und meine Songs gut zu platzieren. Immer dranbleiben!

hitparade.ch: Was meinst du zur Top 10 der Schweizer Hitparade?
Andy: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin nicht so ein Hitparade-Hörer. Ich höre alles und beschränke mich nicht auf einen Musik-Stil. Ich mag eigentlich alles. Tja, ich lese einmal durch… Von den Künstlern finde ich … James Blunt finde ich cool. Es inspiriert mich, auch gerade dieser Jack Johnson-Stil. Ich mag die akustische Gitarre sehr. Usher ist eher nicht so mein Ding… Was gibt es noch? Eminem, finde ich sehr cool. Er ist einer der Rap Künstler, die ich sehr gut finde - ganz coole Lyrics. Er hat einfach seinen eigenen Stil und macht es sehr gut. P!nk ist auch ganz frech. Bligg und Adrian Stern sind auch sehr geil - ich würde sagen, die Schweizer Highlights momentan. Katy Perry hat mich sogar beim Songschreiben etwas inspiriert. Sie hat sehr gute Songs. Jamiroquai habe ich früher gehört, bin doch noch nicht dazu gekommen, in das neue Zeug hineinzuhören.


Linktipps:
Höre ins Debut-Album "Every Right Turn" rein - 2 signierte Alben zu gewinnen!
Offizielle Seite

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?