INTERVIEW MIT PEE WIRZ

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Mit seinem Gespür für Songs und Sounds hat der Frontmann Pee Wirz grosse Hits für seine Band "Dada Ante Portas" aus der Feder gezaubert. Sein erstes Soloalbum "Oh, Traveller" steigt diese Woche in die Charts ein. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Pee, dein erstes Album ist nun im Kasten. Vermisst du deine Bandmitglieder noch nicht?
Pee: Nein, ich bin noch immer happy. Wir sind gute Freunde, wir sehen uns ja noch immer viel.

hitparade.ch: Musst du dir eine neue Fangemeinde erarbeiten oder sprichst du auch Dada-Fans an?
Pee: Das ist eine gute Frage, darüber habe ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht. Ich werde ja dann bei den Konzerten sehen, wer im Publikum ist. Natürlich will ich aber auch neue Leute ansprechen.

hitparade.ch: Mir gefällt dein Album sehr gut, obwohl ich weder was mit Dada Ante Portas am Hut habe noch ein grosser Fan von Singer/Songwriter-Musik bin. Warum, denkst du, kannst du Leute wie mich mit deiner Musik abholen?
Pee: Schwierig zu sagen. Da ist kein Plan dahinter. Ich spiele, was mir gefällt. Ich habe halt viel Persönliches in mein erstes Soloalbum gesteckt und es trifft meinen persönlichen Musikgeschmack sehr gut. Wenn es dann auch Anderen gefällt - wie dir - dann ist das für mich wie Weihnachten.

hitparade.ch: Warum wolltest du nun einen Sololauf machen?
Pee: Dada Ante Portas funktioniert sehr demokratisch. Wir haben als Schülerband angefangen, das prägt. Da kann nicht einfach Einer bestimmen, was nun auf das Album kommt. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel erlebt, vor allem mit der Geburt meiner Kinder, und das wollte ich unbedingt musikalisch verarbeiten. Darum ist 2011 ein Pee-Jahr.

hitparade.ch: Hast du nun gezielt Musiker ausgesucht für die Aufnahmen? Zum Beispiel einen Schlagzeuger, der ja nicht wie der Dada-Schlagzeuger klingt?
Pee: Genau. Ich wollte bewusst einen anderen Sound. Das war das Schöne meines Soloprojekts: Ich konnte diverse Kontakte angehen, die ich in den Jahren mit Dada Ante Portas geknüpft habe...

hitparade.ch:...hattest du dein Wunschteam denn schnell zusammen?
Pee: Ja, das hat wirklich gut funktioniert. Es haben Alle zugesagt.

hitparade.ch: Welche Instrumente sind denn dabei?
Pee: Natürlich die Klassiker: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Akustikgitarre. Dann auch Akkordeon, Orgel, Hammond, Piano, Mandoline, Geige, Cello - sogar Blockflöte...

hitparade.ch:...und du kennst zu jedem Instrument einen Musiker, der es spielt?
Pee: Jaja. Der Akkordeonspieler spielt zum Beispiel auch zugleich Blockflöte. Einen Kinderchor haben wir auch dabei. Das wollte ich immer machen, aber die Band war dagegen. Da hab ich mir gesagt: "Sobald du ein Soloalbum aufnimmst, kommt der Kinderchor 'rein".

hitparade.ch: Wie finden eigentlich Text und Melodie zusammen? Deine Single heisst "And Then You Came", sie handelt von deinem Sohn Jonathan. Könntest du diesen Text auch zu einer anderen Melodie singen, zum Beispiel zu Track 8 deines Albums?
Pee: Wenn ich einen Song schreibe, beginne ich meist mit einer Melodie. Und dann fallen mir Wortfetzen oder kleine Textpassagen ein. Also meistens habe ich die Melodie zuerst, und dann schreibe ich den Text dazu. Text und Melodie zu "And Then You Came" sind mittlerweile untrennbar. Ich bin kein Songkonstrukteur, der sagt: "Jetzt muss D-Moll 'rein". Manchmal sagt man mir: "Du, dieser Akkord in diesem Song, das geht eigentlich gar nicht." - "Ist doch egal, es klingt gut, oder nicht?"

hitparade.ch: Wie wichtig ist dir denn der Text?
Pee: Der ist sehr wichtig. Gute Musik mit gutem Text - das gibt Hühnerhaut.

hitparade.ch: Aber ein Song kann doch auch trotz belanglosem Text mit einer guten Melodie Gefühle oder gar Texte vermitteln?
Pee: Ja, das kann gut sein, da funktioniert wohl Jeder anders. Ich bin aber dennoch ein kleiner Lyrics-Freak.

hitparade.ch: 11 ist deine Lieblingszahl. Musstest du auf 11 Songs aufstocken oder reduzieren?
Pee: Ich musste deutlich reduzieren, ich hatte 30 Demos. Ich habe sie mit meinem Produzenten ausgewählt, damit bei der Auswahl dann ein roter Faden drin ist. Dann waren wir bei 12, mit einem Ersatzsong. Vielleicht kackt ja einer bei den Aufnahmen ab. Aber es waren alle gut. Ich musste dann wirklich einen 'rauskicken. Vielleicht stelle ich ihn mal gratis ins Netz, als Goodie für meine Fans.

hitparade.ch: Was passiert mit den anderen Demos?
Pee: Gute Frage. Ich hoffe, dass ich irgendwann ein zweites Soloalbum mache, dann greife ich vielleicht darauf zurück. Aber die Erfahrung zeigt, dass Songs, die es nicht auf ein Album schaffen, dann auch nicht mehr aufgegriffen werden. Du überlegst dir, ob du nun eine alte Idee wieder aufnehmen willst und denkst dann: "Ach komm, lass mal gut sein, machen wir was Neues!" Vielleicht gibt es ja mal "Lost Sessions". Wenn du richtig berühmt bist, kannst du ja dann mal alle alten Demos 'rausbringen.

hitparade.ch: Hast du einen Ordner auf deinem PC mit allen uralten Demos?
Pee: Genau, es ist total interessant, mal wieder alte Demos zu hören. "War das 'ne geile Idee!" Oder aber: "Was soll denn bitte dieser Song?"

hitparade.ch: Aber ein Album mit alten Demo-Songs, das ist sicher ein Highlight für die Fans. Meine Lieblingsband hat mal eines 'rausgebracht, die Euphorie bei uns Fans war riesig.
Pee: Würde mir bei meiner Lieblingsband genauso gehen.

hitparade.ch: Der Grundtenor in den bisherigen Interviews ist der, dass du nun ein Solojahr machst und ihr danach als Band weitermacht. Aber der Journalist der Aargauer Zeitung war etwas skeptischer...
Pee: ..."Optimismus klingt anders", hat er geschrieben, oder? Natürlich müssen wir uns im neuen Jahr zusammensetzen und uns hinterfragen, über die Bücher gehen und überlegen, wo wir hinwollen. Wir werden sehen.

hitparade.ch: Was ist denn wohl das Geheimrezept der Bands, die es seit 50 Jahren gibt? Muss Einer die Richtung vorgeben? Oder sollen Bandmitglieder, die andere Ideen haben, auch Raum und Zeit für Soloalben kriegen, damit sie nachher wieder 100% für die Band geben können?
Pee: Das war schon sehr wichtig, dass ich dieses Pee-Jahr machen konnte. Ein solches Projekt tut gut. Vielleicht haben wir 2012 wieder richtig Bock, zusammen gute alte Dada-Musik zu machen.

hitparade.ch: Beim Titelsong "Oh, Traveller" dankst du deinen Eltern, dass sie sich auf deinem Weg unterstützt haben.
Pee: Genau. Ich wollte Musiker werden, und dann habe ich meinen Eltern mal mitgeteilt, dass ich nur noch 50% arbeite und 50% meiner Zeit der Musik widmen will. Dann kam ich plötzlich nach Hause und sagte ihnen, dass ich meinen Job aufgebe und nur noch Musik mache. Natürlich waren sie zuerst skeptisch. "Was meinst du mit Musik machen?" Aber sie haben mich unterstützt und sehen nun, das ich glücklich bin bei dem, was ich mache.

hitparade.ch: Viele Musiker sagen: "Mein Sohn wird sicher nicht Musiker!" Wie würdest du es bei deinen Kindern sehen?
Pee: Ich versuche das gleich zu handhaben wie damals meine Eltern. Wenn sie das wollen, dann versuche ich, sie zu unterstützen.

hitparade.ch: Was sagst du dazu, was sich momentan bei deinem Lieblingsklub FC Luzern abspielt?
Pee: Ich finde es schade, dass Fringer entlassen wurde. Ich weiss zwar nicht, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat, aber ich fand ihn einen guten Trainer - auch menschlich. Nun gut, man wollte wohl Yakin auch über seine Fussballkarriere hinaus an den Verein binden und musste sich zwischen ihm und Fringer entscheiden. Schauen wir mal...

hitparade.ch: Danke für das Interview und viel Spass auf deiner Tournee!
Interviewed by: Nicolas Kesper
Redaktion: Nicolas Kesper


Linktipps:
Ins Album "Oh, Traveller" reinhören
Künstlerportal von Pee Wirz - Konzerttermine
Offizielle Website

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