INTERVIEW MIT ANNA ROSSINELLI

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Kaum aus Düsseldorf zurück, ist Anna Rossinelli mit Band auch schon wieder in der Schweiz unterwegs auf Interview-Tour und hat auch bei uns einen Halt gemacht.

hitparade.ch: Was überwiegt im Nachhinein mehr: Die Freude darüber, die Schweiz wieder einmal ins Finale geführt zu haben, oder die Enttäuschung über den letzten Platz?
Anna: Jetzt überwiegt die Freude!
Georg: Ja, inzwischen ist die Freude grösser. Direkt nach dem Final waren wir schon sehr enttäuscht, aber rückblickend ist es einfach ein tolles Erlebnis, welches uns Freude bereitet hat.

hitparade.ch: Dank euch liess sich die Schweiz endlich wieder vom Eurovisions-Fieber anstecken. Wie habt ihr in Düsseldorf die Stimmung aus der Schweiz mitbekommen?
Anna: Davon haben wir leider nicht viel mitbekommen.
Georg: Wenn, dann meistens nur indirekt.
Anna: Genau, zum Beispiel über Freunde, die uns erzählten, wie wir in der Schweiz in den Medien präsent sind und die Radios unser Lied spielen. In Düsseldorf hatten wir diesbezüglich natürlich keinen grossen Überblick und konnten nicht alles mitverfolgen, was über uns geschrieben wurde.

hitparade.ch: Wie habt ihr die Stimmung und Atmosphäre hinter den Kulissen erlebt? War es ein kollegiales Miteinander?
Manuel: Absolut, es herrschte eine gute Stimmung. So viele Länder treffen sich und verstehen sich miteinander, unabhängig von politischen Spannungen, die es zwischen ihnen normalerweise vielleicht im Alltag gibt.
Georg: Der ESC ist sicherlich vergleichbar mit der Fussball-WM. Viele Leute aus verschiedenen Ländern und immer gute Stimmung! Natürlich gab es auch Delegationen, die eher für sich waren und jene, die sich kommunikativer zeigten.
Anna: Oft wussten wir nicht so recht, was tun, es wurde auch viel gewartet. Aber im Grossen und Ganzen ein sehr gut organisierter Anlass!

hitparade.ch: Sind Kontakte entstanden, die ihr weiterhin pflegen wollt?
Anna: Viele wollten wissen, ob in Düsseldorf Freundschaften entstanden seien. Das finde ich zu extrem formuliert. Klar, man spricht miteinander, wünscht sich viel Glück - und trotzdem steht die Konzentration auf das eigene Tun im Vordergrund.
Georg: Alleine schon die Distanz macht es nicht einfach, solche Kontakte zu pflegen!

hitparade.ch: Was war für euch die grösste Überraschung im Klassierungsfeld?
Manuel: Die Schweden, damit hätte ich nicht gerechnet.
Georg: Mich überraschten die Italiener. Den Song fand ich total spitze, aber ich erwartete von ihm keine derart gute Platzierung.

hitparade.ch: Gab es, neben euch selbst, Teilnehmer, von denen ihr bessere Plätze erwartet hättet?
Anna: Serbien war zum Beispiel nicht so gut platziert, die hätte ich in der Top 5 erwartet.
Manuel: Der war unser Gewinner-Song!

hitparade.ch: Der serbische Titel gefiel euch persönlich also am besten?
Anna: Ja, ein cooler Song, da wippten wir immer sofort mit. Und auch eine lässige Frau, die auf unserer Wellenlänge war.
Georg: Ausserdem Eine der einzigen, die in ihrer Landessprache sang.
Anna: Wobei das nicht einmal gross auffiel, das Lied stimmte in sich und hätte auch genauso gut in Englisch sein können.

hitparade.ch: Habt ihr euch auch schon in früheren Jahren für den Eurovision Song Contest interessiert?
Anna: Ich zappte vielleicht ab und zu einmal 'rein, aber bewusst schaute ich die Veranstaltung nie.

hitparade.ch: Aber das ändert sich jetzt?
Anna: Ja, nächstes Jahr sind wir bestimmt wieder dabei am Fernseher.

hitparade.ch: Während die Kandidaten andere Länder bereits vor der Eurovisions-Woche Erfolge in den Charts feierten, steigt ihr erst diese Woche ein. Warum hat es mit dem früheren Charts-Einstieg nicht geklappt?
Georg: Das weiss ich eigentlich auch nicht genau, da sind wir wohl noch zu wenig vom Fach, das hätte von mir aus gerne schon früher passieren dürfen.
Anna: Vielleicht wurde "In Love For A While" einfach nicht so oft gespielt vor dem Auftritt?

hitparade.ch: 10 Punkte aus Grossbritannien habt ihr im Finale bekommen.
Alle: Ja, das hat und sehr gefreut!

hitparade.ch: Damit seid ihr beim Mutterland des Pops auf Platz 2 gelandet, direkt hinter den benachbarten Iren. War ausserhalb des Votings schon ein gewisses Interesse der Engländer an euch zu spüren?
Manuel: Obwohl wir im Vorfeld in England in einem Club ein Konzert gaben, zeigte niemand speziell Interesse an uns. Die Presse war nicht gross anwesend, den Leuten gefiel es aber sehr gut.
Georg: Viel eher zeigten zum Beispiel die Deutschen Interesse an uns.
Anna: Ja, oder Holland. Ich denke, von den Holländern wäre eher zu erwarten gewesen, dass ihnen unser Song gefällt. Vielleicht schauten sie die Sendung gar nicht mehr, weil sie selbst ausgeschieden waren.

hitparade.ch: Holland landete auf dem allerletzten Platz von allen teilnehmenden Nationen.
Manuel: Das überrascht mich jetzt, die fand ich ziemlich cool.
Anna: Ich auch, und sie waren auch sympathisch. Ein guter Song, eine richtige Stadion-Hymne!

hitparade.ch: Das Schweizer Fernsehen wurde im Nachhinein kritisiert, euch zu wenig gepusht zu haben. Wie beurteilt ihr das Engagement des SF, konntet ihr auf genügend Support zählen?
Anna: Während der Veranstaltung auf jeden Fall! Natürlich sind wir nicht die Nation, die am meisten Geld in den Eurovision investiert, aber das ist auch kein Geheimnis.
Georg: Ich finde, wir wurden vom Fernsehen gut unterstützt, die ganze Zeit über. Wie es mit dem Budget aussieht für einen solchen Event, das ist ein anderes Thema.
Manuel: Wir zeigten uns an fast all diesen "Eurovisions"-Parties und spielten soviel wie möglich live. Das ist ja auch Promotion!

hitparade.ch: Wie habt ihr die Fans erlebt?
Georg: Die sind sehr cool. Es gibt viele grosse Eurovision-Fans, die genau genommen fast alles toll finden. Sehr angenehme Fans!
Manuel: Und das Schöne ist, in den zwei Wochen habe ich nicht einmal eine Aggression gesehen. Alle waren gut drauf!

hitparade.ch: Die Stimmung während der Punktevergabe war da ein wenig anders.
Anna: Stimmt, sehr viele "Buuh"-Rufe, wenn sich die Nachbarländer gegenseitig Punkte zu schoben!

hitparade.ch: Ist das Kapitel ESC für euch nach diesem Jahr abgeschlossen oder könnt ihr euch vorstellen, es bei einer nächsten Gelegenheit noch einmal zu versuchen?
Manuel: Nein, das nicht.
Anna: Aber sag' ja niemals nie.
Manuel: Wir wollen uns jetzt auf Anderes fokussieren. Konzerte spielen, Album aufnehmen, und so weiter. Der Contest war eine grossartige Erfahrung, aber einmal reicht.
Anna: Würde ich auch sagen, ja.

hitparade.ch: Seit ihr zurück aus Düsseldorf seid: Was ist nicht mehr so, wie es früher einmal war?
Georg: Wir werden öfter erkannt als vorher.
Anna: So recht beurteilen kann ich das noch nicht. Ich bin der Meinung, dass noch recht viel gleichgeblieben ist! Wir investieren jetzt noch mehr Zeit in die Musik als vorher, aber das schätzen wir Alle sehr.

hitparade.ch: Nun geht ihr mit Roman Camenzind und Fred Hermann ins Studio. Wie kam da der Kontakt zustande?
Anna: Roman und ich kennen uns schon seit etwa vier Jahren. Ich traf ihn dann kürzlich wieder an einer Party, wobei wir wieder in Kontakt kamen. Die Chemie stimmte von Anfang an.

hitparade.ch: In welche musikalische Richtung möchtet ihr auf dem kommenden Debütalbum gehen?
Anna: Soul-Pop. Akustisch angehaucht, aber sicher auch mit anderen Instrumenten. Mir würde es gefallen, wenn die Lieder weiterhin auch in der Dreier-Formation spielbar wären, dass wir weiterhin auf die Strasse gehen könnten.

hitparade.ch: Das klappt noch, mit auf der Strasse spielen?
Manuel: Versucht haben wir es noch nicht. In Düsseldorf spielten wir zuletzt auf der Strasse, aber das sollte auch hier noch klappen. Diese Woche kommen wir wohl nicht mehr dazu, ausser Ende Woche spielen wir an einer Eröffnung am Rhein.

hitparade.ch: Was würdet ihr mehr vermissen, das Spielen auf der Strasse oder die grossen Bühnen?
Manuel: Es ist Beides toll. Auf der Strasse können wir einfach jederzeit spielen. Aber so eine Bühne wie in Düsseldorf erlebt man schon nicht alle Tage!
Anna: Genau, daraufhin arbeiten wir jetzt, dass wir wieder mal vor so viel Publikum auftreten dürfen.

hitparade.ch: Schreibt ihr auch selbst Lieder?
Anna: Ja, wir sind momentan sehr tüchtig. Ein Teil der CD soll eigene Songs enthalten. Wir sind aber auch offen für Fremdkompositionen und erhielten zum Teil auch schon gute Lieder.

hitparade.ch: Ihr habt gesagt, ihr werdet euch Zeit lassen für das Album. Auf wann ist die CD denn geplant?
Georg: Etwa im Herbst, aber je nachdem, wie lange wir brauchen, nehmen wir uns auch mehr Zeit dafür. Dann wird es vielleicht erst Januar.

hitparade.ch: Wie sieht es aus mit euren Zielen im Ausland, gerade vielleicht in Grossbritannien?
Anna: Zuerst peilen wir sicher die Schweiz an. Aber wenn wir Kapazität haben, wäre es schon toll, zum Beispiel auch einmal in London zu spielen, aber natürlich in Deutschland und Italien. Es ist nicht so, dass wir diese Länder jetzt meiden würden. Ich mag Italien sehr gerne, und auch in anderen Ländern, die uns keine Punkte gaben, war ich als Kind oft. Wir nehmen die Punktevergabe nicht persönlich.

hitparade.ch: Was sind eure musikalischen Ziele für die nahe Zukunft?
Anna: Momentan vor Allem das Album und viele Live-Auftritte.

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Könnt Ihr sie kommentieren?

10. Britney Spears - Till The World Ends
Georg: Jeder kennt doch Britney Spears.
Anna: Ja, aber das Lied kenne ich nicht.
Georg: Ich auch nicht, obwohl ich finde, dass es von ihr durchaus auch gute Lieder gibt.

8. Anna Rossinelli - In Love For A While
Anna: Diese junge Dame ist mir auch bekannt.
Georg: Sehr vielversprechend!

6. Snoop Dogg vs. David Guetta - Sweat
Anna: Coole Frisur!
Georg: Mit David Guetta?
Anna: Der ist ja sogar zwei Mal vertreten, ungaublich!

3. Jennifer Lopez feat. Pitbull - On The Floor
Anna: Ah, der neue Song, ja den kenne ich. Ist so mittelmässig.

2. Sarah Engels - Call My Name
Georg: Ah, Deutschland sucht den Superstar. Ich finde sie cooler als ihn.
Anna: Ich finde auch, sie hätte gewinnen müssen.

1. Pietro Lombardi - Call My Name
Georg: Und das Lied ist auch noch auf Platz 1, was es nicht alles gibt.
Anna: Sind die Beiden eigentlich immer noch zusammen?
Manuel: Ach, zusammen sind die auch noch?
Interviewed by: Steffen Hung
Redaktion: Yvonne Zgraggen


Linktipps:
Zum Schweizer Eurovision Song 2011: In Love For A While
Übersicht über alle Song des Eurovision Song Contest 2011
Offizielle Website

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