INTERVIEW MIT GUSTAV

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Spätestens seit seinem Sieg bei "Kampf der Chöre" hat Gustav den Sprung über den Röstigraben geschafft. Wir haben den Freiburger zum Interview getroffen und unter anderem über sein soeben erschienenes Album "Gustav" gesprochen.

hitparade.ch: Im Rahmen deiner Promotour konnte man ein stündiges Konzert von dir in einem Live-Stream auf blick.ch schauen. Eine spezielle Erfahrung, so ganz ohne Publikum vor Ort, oder?
Gustav: Absolut, ja. Es war das erste Konzert, das Blick oder ein anderes vergleichbares Medium in diesem Rahmen durchgeführt hat. Anwesend waren wirklich nur etwa vier oder fünf Leute und zwei Kameramänner. Da spielt man so alleine vor sich hin, und wenn ein Lied zu Ende ist, klatscht praktisch niemand - das ist sehr ungewohnt.
Ich sehe da aber eine gute Möglichkeit für die Zukunft, auch für andere Bands. Technisch hält sich der Aufwand, soviel ich weiss, in Grenzen. Wobei ich nicht beurteilen kann, wie das Konzert bei den Leuten Anklang gefunden hat.

hitparade.ch: An Werbung auf facebook hat es dir jedenfalls bestimmt nicht gefehlt. Du teilst dich regelmässig dort mit und kommunizierst mit deinen Fans.
Gustav: Genau. Auf facebook bin ich seit einem halben Jahr aktiv und bereits ein richtiger Junkie geworden (lacht).

hitparade.ch: Du machst schon seit Jahren Musik. Das erwähnte facebook, oder eben diese Stream-Konzerte sind Entwicklungen, die das digitale Zeitalter mitbringen. Denkst du, die Musiker haben dadurch heutzutage mehr Vorteile?
Gustav: Ja, je länger ich auf facebook bin, desto mehr Fans habe ich dort. Mit einem Klick kann ich ihnen schnell mitteilen, wo mein nächstes Konzert ist. Früher musste ich dazu zum Beispiel Flyer drucken. Das ist definitiv ein Vorteil der digitalen Medien, der Kontakt zu den Fans ist schneller vorhanden. Wenn ein Künstler einen Videoclip dreht, stellt er diesen heute auf YouTube, und die Leute müssen nicht warten, bis der Clip im Roboclip läuft.

hitparade.ch: Deine neue CD "Gustav" sieht sehr dick aus, es ist ein Doppelalbum mit 36 Liedern. Wieso soviele Lieder, konntest du dich nicht entscheiden?
Gustav: Ich hätte noch viel mehr Lieder gehabt (lacht). Die CD A ist eine Art "Best Of", aber nicht im klassischen Sinn, weil die Songs in diesem Kleid bisher noch nirgends aufgenommen sind und ich sie neu arrangiert habe. Bei der Auswahl aus meinen über hundert veröffentlichten Songs entschied ich mich bewusst für jene, die besonders beliebt sind und ich am liebsten spiele.

hitparade.ch: Und auf der zweiten CD sind eher neue Lieder?
Gustav: Auf der zweiten CD sind ganz verschiedene Lieder, einige sind erst wenige Wochen alt, und der älteste Track stammt sogar aus dem Jahre 1996. Jedoch wurden auch hier alle Songs neu aufgenommen und frisch arrangiert, so dass die ganze CD im letzten halben Jahr entstanden ist.
Das Album ist eine Art Sammelwerk. Alle, die mich nicht kennen, können jetzt diese beiden CDs hören und wissen dann, wer "Gustav" ist.

hitparade.ch: Aber gerade stilmässig ist es nicht einfach, zu sagen, wer du jetzt wirklich bist. Ob Pop, Rock, Dance oder Jazz, da ist für Alle etwas dabei.
Gustav: Ja, und genau das beschreibt Gustav sehr gut. Ich bin kein Hip-Hopper, aber auch kein Rocker oder Jazzer. Ich bin Musiker und versuche, die Musik als Ganzes zu sehen. Immer das Gleiche zu machen langweilte mich schon immer. Ganz früher spielte ich einmal in einer Metalband, aber schon damals musizierte ich gleichzeitig noch in einer kleinen, feinen Band, die sich auf deutsche Musik konzentrierte. Ich bin mir bewusst, dass ich mit meiner Vielseitigkeit die Leute oft überfordere.

hitparade.ch: Was denkst du, sprichst du mit deiner Musik vor allem Leute an, die ebenfalls offen für verschiedene Musikrichtungen sind?
Gustav: Nein, bei mir kann sich jeder das 'rauspicken, was ihm gefällt. Das ist auch ein Vorteil des digitalen Zeitalters. Jeder hat die Musik, die einem gefällt auf dem MP3-Player und stellt eine Playlist zusammen, wie sie eben dem eigenen Geschmack entspricht. Nicht allen Hörern gefallen die gleichen Lieder von mir, was mir ein wenig zum Verhängnis wurde in den letzten Jahren. Die Leute hatten bald ein bestimmtes Bild von mir und waren überrascht, meine anderen Seiten kennenzulernen. Zum Beispiel, dass es neben Mundart-Liedern auch noch französische Gustav-Songs gibt.

hitparade.ch: Dann ist deine eigene Playlist auf dem MP3-Player genau so vielseitig wie das neue Album?
Gustav: Das ist so, ich bin offen für alle Musikrichtungen. So kann ich zum Beispiel nicht sagen: "Ich hasse Ländler!". Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie die Volksmusiker ihre Instrumente beherrschen. Die haben es echt im Griff!

hitparade.ch: Gibt es eine Musikrichtung, die du live am liebsten spielst?
Gustav: Nein, gibt es nicht. Das ist unterschiedlich, je nach Moment. Manchmal habe ich das Bedürfnis, plötzlich eine härtere Schiene zu fahren und dann spiele ich wieder lieber ein wenig jazzig.

hitparade.ch: So vielfältig dein Album musikalisch ist, so unterschiedlich sind auch die Songtexte. Wie wichtig sind dir deine Lyrics?
Gustav: Je länger, je wichtiger!

hitparade.ch: Es ist dir wichtig, dass du deine Texte selbst schreibst?
Gustav: Ja, natürlich! Ein Song entsteht auf zwei Ebenen, die musikalische und die textliche. Ich kann mich hinsetzen und in einem halben Tag entsteht ein neues Lied. Das Textliche ist dann jedoch sehr kopflastig. Ich muss mir überlegen, was ich erzählen will. In den letzten paar Jahren gewannen die Texte für mich an Bedeutung. Am liebsten schreibe ich ein wenig ironisch oder sogar metaphorisch. Sobald ich in einer Sprache schreibe, die meine Fans verstehen, ist es sowieso noch einmal anders. Es gibt nichts Schlimmeres, als gute Musik mit einem gaga Text.

hitparade.ch: Kommen wir zu deiner Teilnahme bei der SF-Show "Kampf der Chöre": Du selbst haltest eigentlich nicht viel von Casting-Shows, oder?
Gustav: So lässt sich das nicht direkt sagen. Zum Teil packten mich die Shows trotzdem. Auch wenn die Sendungen an sich doof waren und ich mich zum Teil fragte, wie die Teilnehmer sich so blossstellen lassen können… Persönlich käme für mich eine Teilnahme bei einer solchen Casting-Show nie in Frage. Das Konzept von "Kampf der Chöre" funktionierte anders, es ging nicht darum, eine einzelne Person bekannt zu machen, sondern die Musik stand im Vordergrund.

hitparade.ch: Die Teilnahme an diesem Format veränderte Einiges für dich. Auch musikalisch?
Gustav: Nicht unbedingt. Höchstens, dass mir die Chormusik bisher wenig sagte. Das Arrangieren war für mich darum eine spannende Herausforderung und auch eine Grenzüberschreitung. Als die Anfrage kam, ob ich bei "Kampf der Chöre" mitmachen wolle, war ich anfangs sehr skeptisch. Erst als mir versichert wurde, dass ich mich musikalisch frei bewegen könne, sagte ich zu. Ich entschied mich ganz bewusst für diese Lieder und hatte mein eigenes Konzept. Ehrlich gesagt, rechnete ich, nicht weiter als die zweite Runde zu kommen.

hitparade.ch: Und am Ende hat dein Chor gewonnen…
Gustav: …Was mich enorm freute! Der Sieg brachte mich persönlich sehr weiter, denn er zeigte mir, dass ich den Schweizer Zuhörern sehr wohl etwas zumuten darf. Die Lieder, die ich dort mit dem Chor zum Besten gab, entsprachen meiner gesamten Palette an Musik. Womit wir wieder bei meiner neuen CD wären… Die 36 Lieder schrecken im ersten Moment vielleicht ab, aber ich weiss jetzt, dass es die Leute vertragen, sie müssen dazu nur ein wenig offen sein. Mein Sieg brachte mir die nötige Bestätigung dazu.

hitparade.ch: Du überzeugtest die Zuschauer mit deinen mutigen Klängen. Gerade dein Chor-Cover von DJ Bobos "Somebody Dance With Me" ist bereits legendär. Hast du diesbezüglich eigentlich ein Feedback von DJ Bobo erhalten?
Gustav: Ja, dem hat das sehr gefallen.

hitparade.ch: Auf der "Gustav"-CD ist auch deine aktuelle Single "Ritter". Wie kam es zu der Single-Auswahl?
Gustav: Leider hatte ich nicht viel Zeit, neue Lieder zu schreiben. Obwohl dann am Ende doch 14 neue Songs entstanden sind (lacht). "Ritter" ist einer davon. Eine solche Uptempo-Nummer gab es von Gustav bisher nie, darum passte sie als Single.

hitparade.ch: Bis jetzt gibt es zu deinen Liedern noch keine offiziellen Musikvideos, auch nicht zu "Ritter". Warum nicht?
Gustav: Der offizielle Clip zu "Ritter" wird zusammen mit dem Album veröffentlicht.

hitparade.ch: Lohnt es sich, als Schweizer Musiker noch einen Clip zu drehen? Wird der mehr für die Fans gemacht, die auf YouTube deine Musik hören?
Gustav: Bei meiner letzten Single merkte ich, wie viele Leute meine Musik über YouTube konsumieren oder den Song via YouTube auf einer anderen Seite weiterverbreiten. Den Clip zu dieser Single bastelte ich damals selbst mit einigen Fotos und einem ziemlich miesen Endergebnis. Und wenn ich jetzt sehe, wie viele Klicks das Video hat, bin ich froh, dass wir diesmal gleich von Anfang an etwas Besseres gemacht haben.

hitparade.ch: Der Aufwand für einen guten Clip ist auch ziemlich gross.
Gustav: Natürlich. Wir wählten für die Produktion bewusst einige kreative Köpfe aus und versuchten, den Aufwand möglichst gering zu halten. Dabei bewegten wir uns eher im Low-Budget-Bereich und kamen nicht auf diese hohen Summen, die so ein professionelles Video heute gerne kostet. Aber das Resultat kann sich trotzdem sehen lassen!

hitparade.ch: Noch besser als deine Videoclips zu schauen, ist es, dich live zu erleben. Mit deiner Band spieltest du auf verschiedenen Schweizer Festivals. Gab es ein spezielles Highlight?
(Gustav überlegt lange)

hitparade.ch: Oder eine Panne, die in Erinnerung blieb?
Gustav: Eine Panne gab es zum Glück dieses Jahr nicht.

hitparade.ch: Dafür spielte das Wetter nicht besonders mit.
Gustav: Das stimmt. Obwohl so ziemlich jeder Auftritt von uns in strömendem Regen stattfand, liess sich eine Art "Kampf der Chöre"-Schub vernehmen. Vor der Bühne standen sehr viel mehr Leute als früher. Dabei gab es natürlich Jene, die mich bereits länger kennen und Jene, die mich frisch entdeckten. Durch das, dass ich jetzt schon einige Jahre dabei bin, ist es für mich selbstverständlich schon eine Genugtuung, auf grossen Festivals und sogar auf der Hauptbühne auftreten zu dürfen. Gerade, wenn am Abend vorher bekannte Hauptacts auf derselben Bühne standen.

hitparade.ch: Live trittst du entweder im Trio oder mit der grossen Band auf. Wie entscheidest du, wer dich auf der Bühne begleitet?
Gustav: Das kommt normalerweise auf den Veranstalter an. In einem grossen Saal macht ein Trio zum Beispiel weniger Sinn. Meistens trete ich aber sowieso mit der grossen Band auf. Zu dritt spielen wir auch andere Lieder, weniger Party, halt fast schon kleinkunstmässig.

hitparade.ch: Du beherrschst die verschiedensten Instrumente. Gibt es überhaupt eines, dass du nicht spielen kannst?
Gustav: Natürlich, aber das verrate ich hier nicht! (lacht)

hitparade.ch: Vielleicht gibt es ja eines, welches du gerne noch lernen würdest?
Gustav: Ich lerne oder übe nicht mehr wirklich. Viel eher kann ich ein Instrument spielen, weil es sich für mich ableiten lässt zum Beispiel von der Gitarre, da bekommt man ein gewisses Gefühl für die Saiten. Oder wer Klavier spielt, weiss theoretisch auch mit anderen Tasteninstrumenten umzugehen. Manche können in der Mathematik vernetzt denken, und ich sehe diese Zusammenhänge mehr in der Musik. Wenn ich ehrlich bin, gibt es aber viele Instrumente, die ich nicht gut beherrsche. Zum Beispiel hört es sich furchtbar an, wenn ich Violine spiele.

hitparade.ch: Musizierst du nach Noten oder über das Gehör?
Gustav: Meistens nach Gehör.

hitparade.ch: Würdest du für uns zum Schluss noch die aktuelle Top 10 der Schweizer Singles-Charts kommentieren?

10. Brooke Fraser - Something In The Water
Gustav: Der Song ist total super! Aber die Single ist doch schon länger erschienen, oder? Ich kenne ihn jedenfalls schon eine Weile.

7. 77 Bombay Street - Up In the Sky
Gustav: Die Jungs kenne ich natürlich, wir haben uns diesen Sommer einige Male an Festivals getroffen. Für sie bin ich bereits ein alter Sack, und dementsprechend habe ich auch immer das Gefühl, ich müsse diesen jungen Musikern Tipps geben. Ich legte ihnen ans Herz, unbedingt weiter zu machen, denn sie sind echt gut!

5. Adele - Set Fire To The Rain
Gustav: Adele hat eine sehr starke Stimme und tolle Songs. Gefällt mir gut!

Gustav: Den Rest kenne ich nicht. Dieses DJ Antoine-, Pitbull- und Alexandra Stan-Zeug sieht schon so aus, als würde es mir nicht gefallen (lacht). Natürlich sage ich nicht "Nein" dazu, ich kann es auch hören. Aber es ist vielleicht wie beim Ländler, es langweilt mich einfach schnell. Das sind keine Lieder, die auf meinem iPod auf und ab laufen. Da bin ich eher der Brooke Fraser-Typ.

hitparade.ch: Also lieber keine elektronische Musik?
Gustav: Doch, absolut! Aber nicht solche kommerzielle "NzNzNz"-Musik. Bei guter elektronischer Musik ist oft gar kein Beat erkennbar, sondern es ist eher ein "Gefrickel", richtig deftig eben!
Interviewed by: Sonja Eberhard und Yvonne Zgraggen
Redaktion: Yvonne Zgraggen


Linktipps:
Das neue Album "Gustav" anhören und downloaden
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