INTERVIEW MIT REDWOOD

Seit dem letzten Hit im 2010 'Who We Are' ist die Zürcher Band Redwood zurück mit ihrer aktuellen Single 'Oh Yeah?' und mit dem neuen Album 'A 1000 Punches'. Das zweite Album mit Nicole Kammermann wurde erstmals komplett live aufgenommen, was den Hörer auch auf CD noch näher an die Live Shows der Schweizer Band bringt. Was das neue Album alles zu bieten hat und wie sich die Band weiterentwickelt hat, erfahrt ihr hier.

hitparade.ch: 'Oh Yeah?' ist ein poppig frischer Song, geht sofort ins Ohr und ist die aktuelle Single. Der Song ist momentan einer der 30 meistgespielten Songs. Warum habt ihr genau diesen Song als Single ausgewählt?
Mark Lim: Wir hatten schon viele Songs fertig und schauten uns mit dem Management an, welcher als Single geeignet ist, der dann auch im Radio gespielt wird. 'Oh Yeah?' und 'Elevator Girl' waren die Wahl für die Single. Der Song sollte leicht und flockig klingen, mit einem Vibe, der gerade im Ohr bleibt.

hitparade.ch: Nicole, wie ist es für dich, die alten Songs, die von Jemand anderem geschrieben wurden, zu singen? Hast du einen anderen Bezug zu den selbst produzierten Songs?
Nicole Kamermann: Ich habe zu allen Songs einen Bezug, egal ob ich sie selber geschrieben habe oder ob es die älteren Songs von Lesley sind. Bei den Songs, die wir jetzt zusammen machen, ist es natürlich schon anders, weil man beim Entstehungsprozess dabei ist.
Mark Lim: Das ist wie bei Angelina Jolie, die eigene und adoptierte Kinder hat…
Nicole Kamermann: …und die Liebe ist die gleiche.
Mark Lim: Darum ist es auch so, dass wir Nicole zuerst alle alten Songs zum Auswählen gegeben haben. Die Lieder, die man spürt, die kann man auch singen. Wenn man keinen Bezug zu einem Lied aufbauen kann, dann kommt das auch gar nicht gut 'rüber. Es gibt manchmal auch Lieder, bei denen wir als Band denken, das wäre wieder einmal geil, sie zu spielen, doch wie gesagt, Nicole muss den Songs, die für sie wichtig sind, ein Gesicht und eine Stimme geben.

hitparade.ch: Dies ist nun das zweite Album mit Nicole. 'A 1000 Punches' heisst das gute Stück. Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?
Mark Lim: Es gibt einen Song auf unserem Album, der heisst 'Burnin' Up'. Da kommt die Zeile vor: 'I take a thousand punches, I take a thousand more'. Wir haben diese Zeile als Zielbild genommen, dass man nicht aufgeben soll, egal, wie viele Schläge einem das Leben schickt. Wenn etwas sehr wichtig ist, dann steckst du diese Schläge weg und machst weiter…
Nicole Kammermann: …genau, wenn genug Leidenschaft vorhanden ist!

hitparade.ch: Was hat sich seit dem letzten Album geändert, wenn ihr es mit 'Of Butterflies And Hurricanes' vergleicht?
Mark Lim: Beim letzten Album war alles so 'sauber', die Live Energie kam nicht so 'rüber wie bei diesem. Die ganze Band war dieses Mal in einem Raum und wir haben es live aufgenommen, was vorher nicht der Fall war; da hatten wir alles einzeln aufgenommen. Das Album klingt 'dreckiger' und hat mehr kleine Ecken und Kanten, es klingt nicht alles so 'poliert'.
Nicole Kammermann: Genau, es klingt nicht alles so 'sauber'. Wir haben gute Rückmeldungen erhalten, was das Album angeht, wie auch live, und das letzte Album klingt 'sauberer' als live und das Live-Gefühl wollten wir bei diesem Album einfangen.

hitparade.ch: Waren die Aufnahmen vom Zeit-Management her ungefähr gleich, wie wenn Jeder nacheinander aufnimmt?
Nicole Kammermann: Wir mussten alles umorganisieren, weil Francesco (unser Schlagzeuger) eine Verletzung hatte. Wir hatten die Studio-Aufnahmen für Ostern geplant, das ging deswegen aber nicht. Wir hatten einfach ein gewisses Zeitfenster und das musste reichen.

hitparade.ch: Ihr habt bei der Song-Auswahl nicht gespart. Man findet 16 Titel auf dem Album, inklusive 'Intro' und 'Outro'. Warum so viele?
Nicole Kammermann: Wir konnten keine 'rausschmeissen *lacht*…
Mark Lim: Ja wir waren grosszügig. Es gab vielleicht Songs, die Jemandem nicht so zugesagt haben und das war dann das Lieblingslied von einem Anderen; es war also sehr schwierig, einen Song 'rauszuschmeissen, ausserdem zahlen die Leute gleich viel, ob 11 Lieder oder mehr darauf sind. Also, warum bieten wir den Leuten nicht mehr an?

hitparade.ch: Die Radio Singles sind ja extra viel poppiger als die Album Songs. Hört man genauer in das Album hinein, genau wie bei den letzten vier Alben, dann ist auch Rockigeres zu hören mit genialen Gitarren-Riffs. Kann es sein, dass Leute, die nur die Radio Singles kennen, eine falsche Vorstellung haben?
Mark Lim: Die Leute, die uns nicht kennen, werden uns nie kennenlernen, wenn die Single auch nirgends läuft. Die erste Single sollte die Leute mehr auf das Album lenken. Wenn die Leute dann auch an unsere Show kommen, dann lernen sie uns richtig kennen.

hitparade.ch: Kommen wir zum Album Cover. Dies ist auch das erste Cover, auf dem ihr nicht selber zu sehen seid, dafür sieht man kämpfende Comic Figuren in Superhelden-Kostümen. Was sagt dies über das Album aus?
Mark Lim: Doch, doch, wir sind darauf abgebildet, das mit der Maske, das bin ich *lacht*.
Nicole Kammermann: Ein Song heisst 'One Trick Ponies'. Dieser Song erzählt verschiedene Geschichten von verschiedenen Leuten. Im Endeffekt geht es darum, dass wir alles Individuen sind, Jeder ist etwas Besonderes und früher waren Viele spezielle Leute, witzige Freaks, wie auf dem Cover. Jeder kann etwas Anderes, 'One Trick Ponies'. Es hat mit Road Show, Jahrmarkt, Karneval, usw., zu tun.

hitparade.ch: Was hat sich verändert, was Produktion und Zusammenarbeit innerhalb der Band angeht?
Mark Lim: Früher sind wir viel demokratischer an die Sache herangegangen. Lesley war recht strikt und hatte ihre eigenen Texte und Melodien, das spürt man auch. In diesen 10 Jahren gab es vielleicht 3 Songs, die sie nicht selber geschrieben hat. Wenn sie sie nicht selber gespürt hat und sie hätte die andere Meinung der Anderen angenommen, dann wäre das nicht gut gekommen. Sie hat ein grosses Gespür für Melodien und das merkt man auch.
Nicole Kammermann: Mir kann Jeder hineinreden, ich bin für neue Ideen offen, aber ich muss auch überzeugt sein. Es ist nicht so, dass ich bei jeder Idee einverstanden bin. Ich mache soviel wie möglich. Mein Englisch ist eigentlich gut, doch manchmal fehlt das richtige Wort, da ist Mark schon der Master of English.

hitparade.ch: Auf dem Album ist ein Cover Song zu hören. 'Somebody To Love' heisst der Titel, den ihr für einen Film gecovert habt.
Mark Lim: Ja, mit ein bisschen Glück können wir den Song in einen Film platzieren. Ich habe dem Film-Produzenten diesen Song vorgeschlagen. Wir haben den Song zuerst live gespielt und die Leute haben positiv darauf reagiert; ich finde den Song genial. Früher haben wir 'Rockin' In The Free World' live gecovert, jetzt diesen hier. Der Unterschied ist, dass wir diesen Cover Song jetzt auch auf dem Album haben. Wir schauen, was daraus wird, denn falls der Song im Film vorkommt, werden die Leute sicher auch daran interessiert sein, wer ihn spielt und wo der Song zu hören ist.
Nicole Kammermann: Es ist alles Strategie *lacht*.

hitparade.ch: Früher wart ihr auch im Ausland unterwegs. Wie vergleicht ihr das Schweizer Publikum mit dem aus anderen Ländern?
Mark Lim: In der Schweiz ist man zuerst immer ein bisschen auf Abstand, man ist vorsichtig. Das ist bei Konzerten aber auch bei anderen Sachen so. In Amerika wollen die Leute einfach die Musik sehen, sie haben keine Ahnung, wer du bist oder wer spielt; an einem Abend spielen da vielleicht 10 Bands. Die setzen sich einfach mal hin und wenn ihnen die Musik gefällt, dann bleiben sie und sonst sind sie weg. Ich erinnere mich an einen Bar-Auftritt in New York, da gab es einen Bühnen-Meister, der hatte uns zuerst herumgescheucht und hatte reklamiert. Wir haben dann ein Set gespielt und am Schluss des Gigs war er am Mikrofon und sagte: 'That was really…really good!'. Und er hatte uns doch zuerst wie Dreck behandelt! Er hat sich jedoch überzeugen lassen. Ich denke, die Amerikaner sind offener. Jedoch bist du da vielleicht an einem Tag der beste Kollege von ihnen, und hier in der Schweiz hast du Leute, die dich unterstützen, jahrelang, sobald du sie mit der Musik eingefangen hast. Hier ist man weniger oberflächlich, es geht aber länger, bis man einmal den Kontakt hat.

hitparade.ch: Ihr seid schon mehr als 10 Jahre live unterwegs. Wie hat sich das Touren in den letzten Jahren verändert?
Mark Lim: Die Konzert-Mannschaft hat sich in den letzten Jahren verändert. Bands verdienen nicht mehr viel mit Musik verkaufen, darum touren sie öfter. Es hat aber immer noch gleichviel Leute, die an die Konzerte gehen; das heisst, die Gagen sind tiefer. Was die Konzerte angeht, haben wir schon einige geplant für dieses Jahr. Wir werden bestimmt auch wieder bei einigen Festivals im nächsten Jahr zu hören sein.

hitparade.ch: Was war in den letzten zwei Jahren euer Highlight?
Nicole Kammermann: Wir haben schon einige coole Gigs gehabt, egal ob vor wenigen oder vielen Leuten, das spielt keine Rolle, jedoch waren zwei Gigs für mich absolute Highlights: Der eine war Avenches, da waren wir Vorband bei Monster Magnet, da hat einfach alles gestimmt, und der zweite war Gampel, das war auch einfach Hammer.

hitparade.ch: Was könnt ihr über die Top 10 der Schweizer Alben Charts sagen?
Mark Lim: 77 Bombay Street, die machen so organischen Sound, ich finde die toll. BOY finde ich HAMMER! An diesem Album gefällt mir fast alles: Das Design, die Songs sowieso; sie sind wirklich toll. Die neue Lenny Kravitz CD habe ich noch nicht gehört. Falls sie so gut ist wie die letzte, dann kaufe ich sie auf jeden Fall. Mir gefällt die neue Red Hot Chili Peppers CD super, man muss sie vielleicht mehr als einmal anhören, um sie zu bewerten. Den dritten Song des Albums finde ich so geil. Gustav scheint ein lustiger Kerl zu sein, ich habe erst kürzlich ein Interview im Radio gehört. Der Soundtrack von Sucker Punch gefällt mir auch sehr, ist aber nirgends in den Charts.
Nicole Kammermann: Ich mag Adele; die Songs, die ich bis jetzt von ihr kenne, gefallen mir sehr.
Interviewed by: Sonja Eberhard
Redaktion: Sonja Eberhard, Gabi Wegmüller


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