INTERVIEW MIT BO KATZMAN

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Dieses Jahr läutet Bo Katzman die Weihnachtszeit mit dem Thema "Land Of Dreams" ein. Das Album ist bereits in die Schweizer Charts eingestiegen, die Tour fängt am 11. November an. Wir haben Bo zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Pünktlich zur Winterzeit erscheint dein neues Album "Land Of Dreams" - wie seit über 15 Jahren. Gibt es überhaupt Unregelmässigkeit in deinem Leben?
Bo: Unregelmässigkeiten gibt es immer. Wenn wir jetzt über die Musik reden: Als wir die 10. Goldene bekommen haben, dachten wir, es geht jetzt immer so weiter, es kommt eine Goldene nach der anderen, das sei eine sichere Geschichte. Danach hat es aber ein paar Jahre um ein paar hundert Platten nicht gereicht für Gold. Der Aufwand ist extrem gross nun in Sachen Werbung, damit die Leute aufhorchen und wir diese Regelmässigkeiten wieder hinkriegen *lacht*. Aber sonst habe ich ein relativ regelmässiges Leben, ich bin einfach ein Büezer und sitze den ganzen Tag im Studio und arbeite und nehme Ferien, wenn die anderen Leute auch Ferien machen.

hitparade.ch: Diese Woche steigst du mit dem Album auf Platz 23 der Schweizer Hitparade ein. Wie gespannt schaust du noch auf Chartspositionen?
Bo: Wir kommen ja immer ausgerechnet dann mit unserem Produkt auf den Markt, wenn die ganze Welt mit ihren Produkten ebenfalls auf den Markt kommt, vor Weihnachten. Wenn wir im März kommen würden, wären wir sicher viel höher in den Charts mit unseren Verkäufen als jetzt, wo wir mit allen Cracks auf der ganzen Welt in den Ring steigen. Darum bange ich immer darum, ob wir die Top 20 noch schaffen. Das ist ein toller Einstieg. Die Neugierigsten werden die Platte gekauft haben, jetzt werden wir ein wenig nach hinten fallen, und vielleicht kommen wir vielleicht wieder ein wenig nach vorne, wenn die ersten Konzerte steigen. Ich bin immer sehr gespannt, wie es verläuft.

hitparade.ch: Verkauft ihr auch viele Platten an den Konzerten?
Bo: Wir verkaufen einen grossen Anteil an unseren Konzerten, das sind ein paar Tausend. Und die werden dann eben nicht für die Charts gezählt.

hitparade.ch: Nach so vielen Jahren und jährlich einem neuen Album: In welcher Hinsicht kannst du dich musikalisch weiterentwickeln und dazulernen?
Bo: Jede neue Produktion ist eine Herausforderung. Man kann nicht gemütlich und satt in die Routine absumpfen, sondern jedes Album mit neuen Songs fordert auch wieder neue Produktionsmittel. Zum Beispiel alleine dadurch, dass wir nicht mehr so produzieren dürfen wie vor 15 Jahren, als eine Produktion locker 100'000 Franken gekostet hat mit dem ganzen Aufwand wegen des riesigen Chors. Jetzt heisst es, es muss mit der Hälfte gehen. Das heisst, ich muss viel speditiver arbeiten, muss die Vorbereitungen viel genauer machen, bevor wir ins Studio gehen, damit alle Abläufe bei den Aufnahmen schneller gehen. Das fordert mich extrem. Vor allem will ich auch nicht, dass alle Platten gleich klingen. Ich möchte, dass auf jeder Platte der Sound ein wenig anders ist. Auf diesem Album habe ich versucht, einen lockeren Country-Style 'reinzubringen. Wir haben ein paar Songs, die eindeutig aus der Country-Ecke kommen. Ich habe versucht, den Songs ein gleichmässiges Gewand zu geben, dass sie zusammenpassen. Das verbindende Element bei dieser Platte waren die Country-Gitarren.

hitparade.ch: Es ist ja nicht mehr ganz so einfach, Album-Themen zu finden. Wann hattest du die Idee für "Land Of Dreams"?
Bo: Ich habe einen Song im Traum gehört - wie Paul McCartney, der den Song "Yesterday" geträumt und nach dem Erwachen gleich ein Demo aufgenommen hat. In meinem Traum stand ich auf der Bühne und habe den Song auf der Gitarre gespielt und gesungen. Während ich auf der Bühne stand und sang, bin ich erwacht, und das Lied war noch voll in meinem Kopf. Eine innere Stimme sagte mir: Geh den Song sofort aufnehmen, denn sonst geht er verloren, denn es ist ein guter Song. Morgens um halb drei bin ich todmüde ins Studio 'runtergeschlurft und habe bis vier Uhr den Song aufgezeichnet und bin dann wieder schlafen gegangen. Am Tag hab ich dann am Rohmaterial gearbeitet. "Ferry Me Over" ist nun mein Traum-Song. Da überlegte ich mir, ob es noch andere Songs über Träume gibt. Ich bin suchen gegangen und habe viele Songs darüber gefunden, und habe ein paar aufs Album genommen. Darum habe ich das Album auch "Land Of Dreams" genannt, weil offenbar viele Songs in den Träumen entstehen.

hitparade.ch: Wie hast du die Songs ausgewählt? Durfte der Chor mitbestimmen?
Bo: Ich bekomme jeweils von wildfremden Leuten Tipps. Zum Beispiel der Song "Go Rest High On That Mountain", den ich nicht kannte. Irgendjemand hat mir geschrieben, dass dieser Songs zu uns passen würde und dass ich ihn anhören soll. Ich habe ihn dann angehört, fand ihn klasse und habe ihn aufgenommen. Oder auch Fans weisen mich auf Songs hin, wie zum Beispiel bei "Morning Has Broken". Ich habe immer gedacht, dass dieser ein wenig abgedroschen ist, weil jede Schulklasse ihn singt, habe mich dann aber trotzdem gewagt, mal 'ranzugehen. Ich bekomme Hinweise und gehe auf die ein.

hitparade.ch: Mit jedem Album hast du 15-20 neue Songs im Repertoire. Kannst du alle noch auswendig?
Bo: Nein, wenn ich zum Beispiel irgendwo bin und jemand sagt "Hey Bo, da ist eine Gitarre, sing einen Song!", frage ich mich: "Welchen der 500 Songs soll ich singen und kommt mir der Text noch in den Sinn?" Die wechseln so schnell pro Jahr, ich habe keinen Stock von 30-40 Songs, die ich immer wieder wiederhole, sondern jedes Jahr kommen 15-20 neue Songs hinzu und ich lerne die effektiv, um sie wieder zu vergessen. Ich richte nach der Tournee meinen Focus auf neue Songs und muss diese wieder lernen, und da vergesse ich die alten wieder.

hitparade.ch: Auf dem Cover sieht man Uhren mit Flügel. Was haben die Uhren zu bedeuten?
Bo: Die Uhr ist symbolisch für die Zeit, die davonfliegt. Und zwar kommt immer wieder eine neue Zeit und verschwindet wieder. Zeit ist unendlich, und es kommt immer wieder neue nach. Wenn jemand sagt "Ich habe keine Zeit", finde ich, dass die Zeit unendlich ist und immer wieder kommt, also erneuerbar ist und nie aufhört. Also gibt's "Ich habe keine Zeit" oder "Ich habe zu wenig Zeit" nicht, denn die gibt's in Hülle und Fülle. Im Traum steht die Zeit wie still, und man ist in einer anderen Welt, und doch läuft einem die Zeit irgendwie davon. Und das wollte ich mit den Uhren symbolisieren. Und man sieht auch ein Fenster, vor dem Fenster ist Nacht und hinten ist Tag, und die Tag-Nacht-Geschichte wollte ich mit dem Grafiker bildlich darstellen, dass da zwei Welten gleichzeitig existieren: Der Tag- und der Nacht-Traum.

hitparade.ch: Deine Tochter, die mit dir letztes Jahr mit auf Tour war, hat mit dir auf dem Album das Duett "The Rose" aufgenommen. Ist Ronja von nun an ein fester Bestandteil deiner Alben?
Bo: Nein, gar nicht. Letztes Jahr kam sie einfach als Gast mit. Und den Song "The Rose" hat sie auf der Bühne gesungen. Die Leute waren so begeistert und fragten sich, warum es nicht auf dem Album ist. Da hab ich beschlossen, das aufs nächste Album zu nehmen. Sie hat extrem viele Fans, weil sie auch wunderschön singt. Und so wie sie das Lied interpretiert, rührt's wirklich die Herzen, sie hat ein wunderschönes Vibrato. Sie ist ja nicht die einzige Duettpartnerin von mir. Auch mit Maya Wirz gibt's auf dem Album ein Duett, die ganz eine andere Stimme hat, eine gereifte, warme und grosse Stimme. Und die beiden nebeneinander sind interessant.

hitparade.ch: Es muss schon speziell sein, mit der eigenen Tochter auftreten zu können.
Bo: Es ist sehr speziell für uns beide gewesen. Zuhause waren wir es gewohnt, am Frühstückstisch mit Löffel und Socken zu singen. Die Bühne war etwas Fremdes für uns, aber es hatte seinen Reiz und ich bin stolz auf sie.

hitparade.ch: Hast du mit ihr von früh auf geübt?
Bo: Nicht einmal, sie hat das selbst für sich entdeckt und wollte mich gar nicht dabei haben in der Welt, wo sie jetzt anfängt, zu singen. Ich habe natürlich geschaut, dass sie eine gute, musikalische Ausbildung bekommt. Mit zweieinhalb hat sie schon begonnen, zu musizieren, hat viel getanzt, diverse Schulen besucht, hat dann auch die Musik-Matura in Klavier und Gesang gemacht. Ich habe sie gefördert, soviel ich konnte, aber selbst geholfen habe ich nicht, das haben immer andere Leute gemacht.

hitparade.ch: Peter Reber hat mit seiner Tochter Nina schon einige Alben aufgenommen. Habt ihr schon darüber nachgedacht, ein Duett-Album zu veröffentlichen?
Bo: Wir haben einmal darüber gesprochen, aber ich habe gefunden, ich würde damit mein Flaggschiff, den Chor, konkurrenzieren. Und ich wüsste nicht genau, welches Publikum ich damit bedienen würde. Bei Peter Reber ist es klar, er hat sein Publikum, auch mit seiner Tochter zusammen, die er seit Jahren aufgebaut hat. Und das akzeptiert sein Publikum. Wenn ich jetzt einfach kommen und Duette singen würde, - es wäre sicher schön und toll, wir haben auch schon darüber gesprochen, aber wir haben es auf's Eis gelegt, aber nicht ganz aus der Welt geschaffen, das Thema ist immer noch da.

hitparade.ch: Der letzte Album-Track ist eine Zusammenarbeit mit Maya Wirz. Hast du sie beim "Supertalent" schon verfolgt und wann kam es zum ersten Kontakt?
Bo: Ich habe sie erst beim Finale gesehen, habe nicht die ganzen Staffeln verfolgt. Als sie gewonnen hatte, habe ich nicht im geringsten gedacht, dass ich sie anrufen und fragen werde, ob sie mit uns auf Tournee kommt. Das war mein Manager, der hat mich nach der Show angerufen und gemeint, wir sollen sie mit auf Tournee nehmen. Zuerst dachte ich: "Geht's noch? Die kann weder gospeln noch rocken, die kann nur klassisch singen". Mein Manager dachte, genau diese Diskrepanz zwischen meiner bluesigen Stimme und ihrer klassischen würde hinhauen. Wir haben sie für ein Casting eingeladen und zusammen ein wenig musiziert und gesungen und gefunden, das sei klasse. Es ist super 'rausgekommen, viele Songs auf dem Album machen wir zusammen als Duett auf der Bühne, und ich glaube, das Publikum wird eine riesige Freude haben daran.

hitparade.ch: Deine Facebook-Fans haben sich seit unserem letzten Interview mehr als verdoppelt: Letztes Jahr waren es noch 68, nun sind es 144. Ist dein Publikum eher weniger auf Facebook oder trauen sich die jüngeren Fans nicht, sich zu outen?
Bo: Ich habe ja eigentlich meine Fan-Seite auf meiner Homepage, und dort bediene ich meine Fans voll und ganz. Facebook ist einfach noch zusätzlich. Vielleicht sind die Leute auf beiden Kanälen anzutreffen. Vielleicht ist es nicht die ganze Affinität, die ich zu Facebook habe. Facebook ist für mich ein Selbstdarsteller-Produkt, wo sich alle gerne selbst darstellen, aber niemand sich für den Anderen interessiert. Vielleicht spürt man, dass ich nicht der grösste Facebook-Fan bin (lacht). Aber natürlich pflege ich auch auf Facebook meine Fans, das ist klar.

hitparade.ch: Deine Tournee geht bis Mitte Januar. Nachher geht's wohl wieder an die Arbeit für's nächste Album. Ist das ganze nächste Jahr bereits fest verplant?
Bo: Ja, das nächste Jahr ist eigentlich so gut wie gelaufen. Die Konzerte sind schon gebucht und wir wissen, in welche Richtung das Album gehen soll. Die Songs habe ich bereits beisammen, und es wird auf jeden Fall eine kleine Überraschung geben, die ich dir jetzt aber nicht verraten kann. In der Geheimhaltung liegt der Erfolg - diese Weisheit wollen wir auch einhalten.
Interviewed by: Steffen Hung
Redaktion: Steffen Hung, Nicolas Kesper


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Künstlerportal von Bo Katzman
Tourdaten Bo Katzman Chor

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