INTERVIEW MIT EISBRECHER

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Die deutsche Rockband Eisbrecher ist zurück mit ihrem neuen Album 'Die Hölle muss warten'. Wir haben das Duo Alexx Wesselsky und Noel Pix bei ihrer Promotour durch die Schweiz zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Alexx, du hattest vorher die Band 'Megaherz' gegründet, mit der du auch viele Alben gemacht hast, nun bist du schon seit langer Zeit mit Eisbrecher unterwegs und auch wieder mal in der Schweiz.
Alexx Wesselsky: Oh ja! Das ist sehr lange her. Vor 20 Jahren ging es mit Megaherz los und vor 10 Jahren mit Eisbrecher. Alle 10 Jahre komme ich auf dumme Gedanken. *lacht*

hitparade.ch: Über die Jahre gab es mehrere Wechsel der Bandmitglieder, auch im Jahre 2011. Hat dies auch Einfluss auf die Musik selber oder wie kommt ihr damit klar?
Alexx Wesselsky: Es tut jedes Mal weh, aber es ist verkraftbar. Sagen wir so: Wir beide, Noel und ich, sind die Zwei, die die Band gegründet haben und wir sind immer noch da. Live hat sich natürlich schon Einiges geändert, leider. Wir hatten unsere Traumbesetzung, aber die Jungs werden Väter, Geschäftsleute…
Noel Pix: …Und deswegen hat dies geändert! Nicht, weil wir uns nicht verstanden haben oder wie auch immer. Das Live spielen selber bringt nicht so viel Geld mit sich und da muss man sich überlegen, wo hingehen oder hinwollen und da hat sich halt der Eine und Andere für etwas Anderes entschieden und deswegen die Wechsel. Family ist ein bisschen blöd, die wird durchbrochen…
Alexx Wesselsky: Leider…
Noel Pix: Aber man wächst auch wieder mit den Neuen zusammen.

hitparade.ch: Habt ihr auch noch Kontakt mit den meisten Ex-Mitgliedern?
Alexx Wesselsky: Ja, natürlich, also vielleicht nicht mit Allen, mit Einem mehr oder weniger.
Noel Pix: Der Kern der Jahre zuvor, mit dem haben wir auf jeden Fall Kontakt.

hitparade.ch: Das neue Album heisst 'Die Hölle muss warten', was wollt ihr mit diesem Titel aussagen?
Alexx Wesselsky: Es gibt einen Song auf dem Album, der so heisst. Auch feiern wir dieses Jahr 10 Jahre Eisbrecher. Und gerade, nachdem so viele Leute spasseshalber oder im Ernst munkeln, dass die Welt dieses Jahr untergehen wird, ist es doch umso schöner, wenn wir quasi positiv ausrufen: "Die Hölle muss warten, es geht weiter!" Also ein positiver Schlachtruf! *lacht*

hitparade.ch: Wie vergleicht ihr das neue Album 'Die Hölle muss warten' mit den restlichen, vergangenen Alben?
Alexx Wesselsky: Gar nicht! *lacht*
Noel Pix: Das machen Andere schon zur Genüge. Man selber versucht ja, das Neue, das entsteht, anders zu gestalten und Sachen auszubessern. Man hat so ein Grundgefühl, zu sagen, ob es geklappt hat oder nicht. Wir sagen: "Ja, es hat geklappt!" Ob es die anderen Leute, die es hören, auch so finden, das werden wir dann sehen.
Alexx Wesselsky: Genau, und wir selber müssen es ja nicht vergleichen. Jede Platte ist wie sie ist, sie entsteht in einem anderen Zeitraum und klingt auch dementsprechend. Das war schon immer so. Songs, die uns nicht gefallen, kommen nicht auf die Platte. Wir können ja niemanden zwingen, Eisbrecher geil zu finden; bis jetzt hat es ganz gut geklappt, dass wir für ein paar Andere auch sprechen.
Noel Pix: Es ist immer lustig, dass Leute dann schreiben: "Ja, bei dieser Platte fehlt jetzt das, was bei der letzen nicht darauf war und das klingt anders als bei der letzten". Darauf antworten wir einfach mit: "Stimmt! Das ist ja auf der letzten Platte! Warum sollte man das noch einmal gleich machen, ist ja völlig schwachsinnig!"
Alexx Wesselsky: Und wenn wir einen ähnlichen Song machen, dann heisst es wieder: "So etwas Ähnliches gibt es ja schon", von daher…
Noel Pix: *lacht* Du kannst es nie Allen recht machen.
Alexx Wesselsky: Die drei Affen, das ist ja so ein negatives Sinnbild: Nichts hören, nichts sagen, nichts sehen. Aber teilweise denke ich, was für ein Wunschbild, dann würde ich gewissen Schwachsinn nicht mitkriegen. Machst du es so, kriegst du Eins auf den Schädel, machst du es anders, kriegst du auch Eins auf den Schädel. Und wenn wir 1.5 Millionen Platten verkaufen würden, dann könnte man den Kritikern wenigstens entgegenhalten: "Wenn du es so siehst, ist das dein gutes Recht, aber wenn es ganz Viele anders sehen als du, dann nervst du mich nur!"

hitparade.ch: Dies ist die erste Platte, die beim Major Label 'Sony Music' veröffentlicht wird. Früher wart ihr bei kleineren Labels, was hat sich seitdem verändert, was früher unmöglich war?
Alexx Wesselsky: *lacht und strahlt* Sieh dir hier einmal den Tisch an, alles ist gedeckt, während wir hier ein Interview führen. Also, was hat sich wirklich verändert? Frag mich dann, wenn die Platte zwei Wochen alt ist. Diesen Freitag, dem 3.2.2012 hat sie Geburtstag. *lacht*
Noel Pix: *schmunzelt* Ist das deine Tochter?
Alexx Wesselsky: Ja, "die" Hölle, "die" CD! Also vom Gefühl her habe ich es keine Sekunde bereut, bei der Major Company unterschrieben zu haben. Wir haben auch ein sehr gutes Team, sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz. Wenn es Leute gibt, die auf dich keinen Bock haben, dann gehörst du der Katze, wie man so schön sagt. Aber wir sind aus guten Gründen bei "Sony", sie glauben an uns.
Noel Pix: Da muss man auch ganz klar sagen, so wie sie schon waren, und nicht so wie sie werden sollten. Man wird immer gefragt: "Ja, was machen die denn mit euch, was haben die vor mit euch?" Als ob man zwei 40-Jährige noch so verändern könnte, dass sie in der Muppet Show auftreten. Natürlich nicht!
Alexx Wesselsky: Was bei Lana Del Rey funktioniert, passiert bei Eisbrecher nicht. Wir sind deswegen bei "Sony Music", weil wir sind, wie wir sind. Die Platte klingt genauso wie sie es soll, egal welches Label dahinter steckt.

hitparade.ch: Das aktuelle Album ist bei 'Simfy' gratis vorzuhören, schadet das nicht mehr als es zugute kommt? Was hält ihr allgemein von diesen Gratis Streaming Programmen?
Alexx Wesselsky: Also, ich hätte nicht das ganze Album zum vorhören bereitgestellt. Meistens wissen wir natürlich, was läuft, aber es gibt auch gewisse Dinge, die man nicht sofort weiss. Dann gibt es Leute, die sagen, es sei eine schlaue Idee. Ich bin der Meinung, neugierig machen, so um die 3-4 Lieder würden reichen. Das ist eigentlich ein bisschen, wie man vor Weihnachten in die Päckchen hineinschauen lassen würde. Es ist nun einmal passiert, und dass man Streams hat, ist Fair Play, würde ich sagen. Wenn man in den Laden geht, kann man bei manchen Musikläden auch immer noch probehören.
Noel Pix: Der Versuch von "Simfy", als grundsätzliches Objekt an sich, es zu probieren am Markt, dass ich bezahle, dass die Musik verwaltet wird so als Versuch, ist ja lustig und nett, also schöne Grüsse an "Sony", aber trotzdem wird es nicht funktionieren, denn wenn man ein bisschen umguckt, wird man gleich auch feststellen, dass es viele Programme und einfache Möglichkeiten gibt, "Simfy" so zu streamen, dass es komplett gratis ist und ich gleich das ganze Album downloaden kann. Es geht nach hinten los, netter Versuch, aber wird am Schluss nichts bringen. Aber es ist ja auch toll, dass die Leute uns da anhören, wir sind in den "Simfy" Charts auch in den Top 10.

hitparade.ch: Also seht ihr im Grossen und Ganzen keine Vorteile?
Noel Pix: Es wäre ein Vorteil, aber es wird nicht klappen mit den Streaming Programmen, um es fair anzubieten, denn der Mensch ist erfinderisch. Wenn Jemand nicht zahlen muss, wird er es nicht machen.
Alexx Wesselsky: Also, man darf die Selbstbedienungsmentalität der Menschen heutzutage nicht unterschätzen. Jahrelang haben Medien auch nichts Besseres zu tun gehabt, als permanent den Leuten zu erzählen, dass A: Musik gefälligst umsonst zur Verfügung zu stehen hat, wie auch jede andere Art von medialem Inhalt. Die Preispolitik der Plattenfirmen hat übrigens dazu beigetragen, am Schluss steht man da und heute muss man der nächsten und übernächsten Generation schon erklären, ob sie nicht so nett sein könnten und wieder bezahlen sollten, obwohl sie schon aufgewachsen sind mit dieser Nicht-Bezahl-Mentalität. Es wird mit Sicherheit nicht besser, das Tragische ist halt nur, wenn man keine Kohle verdient (und da erzähle ich jetzt nichts Neues): Wer soll denn da eine gute Produktion stemmen? In Wahrheit müssten Alle da draussen mit Platten bedient werden, die klingen wie Scheisse, weil es irgendwann einfach kein Geld mehr geben wird für gute Musik.
Noel Pix: Ja, und es gibt ein Loch zwischen den ganz grossen Bands und dazwischen gibt's nichts mehr und dann gibt es noch die, die einen Scheiss ins Netz stellen. Es explodiert in der Zwischenzeit, weil es so einfach ist, etwas hochzuladen.
Alexx Wesselsky: Ja, schönes Abbild unserer Gesellschaft!

hitparade.ch: Eure Single 'Verrückt' steigt diese Woche in Deutschland auf Platz 43 in die Charts ein, eure bisher höchste Klassifizierung in den Singles-Charts.
Noel Pix: Ja, und gleichzeitig in derselben Woche bei Saturn auf Platz 4.
Alexx Wesselsky: Ja, was schreiben wir denn da, natürlich nehmen wir die 4! Man nimmt immer die bessere Zahl. Wenn ich fünf Etiketten kriege und Stiftung Warentest sagt: "Super!" und der Typ sagt: "Scheisse!", dann klebe ich mir natürlich den Stiftung Warentest Sticker vorne hin.
Noel Pix: Man kann sagen, Platz 43 ist relevant, Top 50 ist für uns total okay, weil wir sind keine Singles-Band, wir sind eine Rock Band und verkaufen Longplayers.
Alexx Wesselsky: Ja, wir sind zufrieden, das ist auch nicht schlecht, wir laufen schliesslich auch nicht im Radio, wie es bei den meisten Mainstream Stationen so üblich ist.

hitparade.ch: Am 3.3.2012 seid ihr auch wieder in der Schweiz live zu sehen, und zwar in Pratteln.
Alexx Wesselsky: Ja, genau, da freuen wir uns! Zuletzt waren wir hier im X-Tra, als wir auf Tour waren und das ist auch schon wieder wie Jahre her.

hitparade.ch: Ihr wart schon in vielen Ländern unterwegs. Wie vergleicht ihr das Schweizer Publikum mit dem aus anderen Ländern? Gibt es da Unterschiede, die euch auffallen?
Alexx Wesselsky: Ich würde gar nicht das Publikum vergleichen. Es kommt darauf an, wo es stattfindet. Wenn man auf der grünen Wiese, auf dem Acker auftritt, sprich Schlammpfütze à la Openair, dann kann die Wahrscheinlichkeit gross sein, dass wir zur falschen Zeit am falschen Ort bei den falschen Leuten stehen, ob in der Schweiz, in Österreich oder sonst irgendwo. Wir haben schon an einem Musiklandsgmeindefestival gespielt, das war okay, aber wir hätten es uns auch sparen können. Die Menschen wollten sich schlussendlich nur besaufen…
Noel Pix: Es wäre denen eigentlich egal gewesen, wer da spielt.
Alexx Wesselsky: Clubszene unterscheidet sich, die Leute kommen wegen dir!

hitparade.ch: Also bevorzugt ihr generell Clubs statt Festivals?
Alexx Wesselsky: Es kommt auf das Festival an. Man muss die richtigen Szenen zusammenpacken. Wenn es ein Classic Rock Festival ist, umso besser. Wir können uns gerne einreihen zwischen Linkin' Park, Faith No More und Nine Inch Nails, da trauen wir uns schon, mitspielen, da werden auch nicht die falschen Leute stehen. Zusammengefasst zu deiner Frage: Es gibt keinen pazifischen Länderunterschied, was das Publikum angeht, aber unter Umständen das falsche Festival zur falschen Zeit.

hitparade.ch: Gibt es ein gewisses Highlight, das euch in den Köpfen geblieben ist, als ihr in der Schweiz wart?
Alexx Wesselsky: Also, was ich sehr beachtlich fand, war dieses Konzert im Bergwerk. Das war schon eine unglaubliche Location, ganz etwas Anderes. Unheilig waren da noch nicht so bekannt wie jetzt, spielten aber auch und ich denke, es war von den Bands und der Location her eine gute Mischung. Das werde ich nicht so schnell vergessen, das war das absolute Schweiz Highlight.
Interviewed by: Sonja Eberhard
Redaktion: Sonja Eberhard, Gabi Wegmüller


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