INTERVIEW MIT KNACKEBOUL

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Knackeboul ist sicher den meisten ein Begriff. Der sympathische Moderator und Freestyle-Rapper hat es mit dem neuen Album 'Moderator' direkt in die Top 10 Alben Charts geschafft. Wir haben ihn bei joiz besucht.

hitparade.ch: Du rappst, schon seit du 14 Jahre alt bist. Wie bist du damals zum Rappen gekommen? Wer hat dich inspiriert?
Knackeboul: Ich bin ja in Portugal aufgewachsen (das erzähle ich immer wieder gerne). Dort habe ich bei einem Hilfswerk gearbeitet und da waren viele Schwarze. Ich war da oft in den Lagern, was ein grosser Spass war. Dort haben wir immer "Police Academy" geschaut. Ein paar von diesen schwarzen Jungs haben es dann immer imitiert und ich auch. Also habe ich schon da angefangen, zu beatboxen, ohne zu wissen, was es wirklich ist. Zurück in der Schweiz, war ich an einem "Sens Unik"-Konzert, da habe ich das auch gesehen und so habe ich es immer mehr angewendet.

hitparade.ch: Dann ging es weiter mit den 'Mundartisten'. Wann habt ihr angefangen, darüber nachzudenken, live zu spielen und eine CD aufzunehmen?
Knackeboul: Das war gar nicht ehrgeizig. Wir haben oft Beats gehört, gefreestylt und Texte geschrieben und es für uns aufgenommen. Später haben wir die "Mundartisten" gegründet. Wir haben dann in unserem Übungsraum, der übrigens riesig war, ein Konzert gemacht und es kamen ungefähr 400 Leute. Dann haben wir gedacht, dass wir noch weiter gehen. Im Jahre 2000/2001 haben wir angefangen, auf die Bühne zu gehen.

hitparade.ch: Du warst schon oft im Ausland unterwegs (nun als 'Knackeboul'), unter anderem mit Bands wie 'Delinquent Habits' und 'Jamiroquai'.
Knackeboul: Ja, mit "Delinquent Habits" war ich vor zwei Jahren auf Europa-Tour, da haben wir etwa 37 Konzerte in 50 Tagen gespielt. Da hat es eigentlich angefangen: Eine Agentur in Deutschland hat mich entdeckt und angefragt, ob sie mir nicht ab und zu ein Konzert einholen sollen.

hitparade.ch: Du bist direkt auf Platz 8 in die offiziellen Alben Charts eingestiegen, etwas, das mit Hip Hop Musik und einem Indie-Label sehr schwierig und nicht selbstverständlich ist.
Knackeboul: Ja, ich habe mich riesig gefreut und diesen Aspekt streiche ich gerne auch nach vorne, dass ich es mit dieser Musikrichtung und einem Indie-Label geschafft habe. Es ist wirklich toll, aber es war nie eines der ersten Ziele. Das Wichtigste war immer, coolen Sound zu machen und mich musikalisch nicht zu verbiegen. Es ist aber so, dass ich mich langsam verbiege: Ich gehe zu "Glanz & Gloria", ich war in der "Schweizer Illustrierten", das ist für einen Rapper eigentlich nicht real. Ich verbiege mich vielleicht als Person, aber nicht als Musiker, es ist nicht produziert, sondern immer noch so, wie es sein sollte.

hitparade.ch: Dein neues Album heisst 'Moderator'. So wie ich die CD beurteilen kann, hat es sehr viele verschiedene Richtungen, man kann es nicht in eine Richtung schieben und hat keinen roten Faden, was für Abwechslung sorgt.
Knackeboul: Ja, es ist auch ein Wortspiel: Mode, Rat, Or. "Mode" sind die Progressiveren, "Rat" sind die Nachdenklichen und "Or" ist dies, was man nicht einordnen kann. Dieses Feedback hatte ich von Vielen, aber Einer schrieb, dass ich der rote Faden bin. Ich habe auch mit "Greis" lange über dieses Thema geredet, da es so viele verschiedene Sachen gibt. Er sagte oft, dass seine CD's eigentlich auch Compilations sind, aus verschiedenen Facetten. Ich verstehe, dass dies für gewisse Leute überfordernd ist, wenn so Vieles, Verschiedenes auf einer CD ist, aber auf der anderen Seite kannst du heutzutage auf iTunes einfach die Songs downloaden, die du cool findest. Von daher, es stimmt mit dem roten Faden, ist für mich aber kein Problem.

hitparade.ch: Du hast viel um die Ohren, neben so vielen Moderationen und Musikprojekten. Ging es darum länger, bis das Album fertig war?
Knackeboul: Ja, ich bin ein richtiger Workaholic geworden, obwohl ich nicht dachte, dass ich das einmal bin. Ich habe einen Monat gebraucht, um die Beats zu sammeln, auch Texte fertig zu schreiben. Das Aufnehmen und Mischen dauerte etwa einen oder zwei Monate, aber verteilt auf vier Jahre, da ich nie einen ganzen Monat hätte weg sein können.

hitparade.ch: Dies ist dein drittes Solo-Album, welches du als 'Knackeboul' herausgibst. Am 3.2 hattest du deine Plattentaufe im Bierhübeli Bern, da hattest du unter anderem auch das Motto 'Pixelparty', wie bist du darauf gekommen?
Knackeboul: Das ist eine lustige Geschichte, es ist ein Song, der eigentlich gar nicht auf die CD gekommen wäre. Der Teletext hat eine Werbekampagne gemacht und ich den Song dazu. Der Song war aber so geil, noch mit dem Video dazu, dass ich dachte, es passt! So haben wir den Song auf das Album genommen. Mirjam Bühlmann hat die Kostüme gemacht für den Videoclip, sie macht sehr Ausgefallenes und sie haben wir dann auch angefragt für die Plattentaufe und so wurde dies zum Thema.

hitparade.ch: Du hattest eine neue Show, neue Songs und neue Fans dazugewonnen. War es für dich eines der Highlights?
Knackeboul: Ja, es war riesig! Ich komme ja nicht aus der Stadt Bern selber und in Bern ist sehr schwierig, das ist ein geschlossener Kuchen. Es wird gegenseitig gebucht, aber das verstehe ich auch. Darum bin ich sehr froh, dass so viele Leute gekommen sind. Es waren viele verschiedene Leute da, vorne meistens die Teenies, aber auch ganz junge, wahrscheinlich noch von "Zambo". Dann waren noch die Homies und die Freunde von früher, wirklich bunt gemischt und die Stimmung war einfach geil. Es war wie eine Erfüllung eines Traumes, denn die Leute sind wirklich wegen mir gekommen! Ich habe früher oft als Vorband gespielt und es war einfach wirklich geil. Man geht da auf die Bühne, die Leute kennen das Lied schon, eine super Stimmung, was will man mehr? Ich gehe auch schon langsam auf die 30 zu und viele meiner Freunde, die denselben Traum hatten, haben den Traum schon aufgegeben und ich habe es trotzdem weitergezogen.

hitparade.ch: Was ist dein Erfolgstipp für Nachwuchs- Rapper?
Knackeboul: Das klingt voll plump, aber einfach dranbleiben an der Sache. Es ist auch wichtig, dass man sich selber richtig einschätzt. Es klingt vielleicht dumm, aber es gibt ja die gewissen Musikstars, denen gesagt wird, dass sie gut sind und die gehen dem falschen Traum hinterher. Wenn man die eigene Begabung und Berufung wirklich spürt, die Leute zu unterhalten und Musik zu machen, dann muss man einfach dranbleiben. Denn einfach ist es nicht, es werden Einem die ganze Zeit Steine in den Weg gelegt. Zuerst bin ich zu wenig bekannt, und dann werde ich bekannter und es wird dir Kommerz vorgeworfen. Nicht auf die Leute hören, sondern sein eigenes Ding durchziehen!

hitparade.ch: Bei deiner eigenen Sendung 'Knack Attack' auf 'joiz' rappst du mit jedem Gast ein Ständchen und machst auch jedem Zuschauer klar, dass du neben der Moderation eigentlich Musik machst. Eigen-Promo auf 'joiz', wo es nur geht, gibt es da auch gewisse Grenzen und Leute, die denken, das sei zuviel?
Knackeboul: Auf der anderen Seite ist es eine Wechselwirkung. Es gibt viele Leute, die die Sendung schauen, nachdem sie an meinem Konzert gewesen sind, aber auch umgekehrt, vielleicht schauen sie zuerst "joiz" und kommen dann in die Konzerte. Es ist ein Geben und Nehmen und das ist auch noch ein Tipp, wie man es schaffen kann: Man braucht die Medien! Andere haben die Radio-Promo und ich habe Sendungen und Projekte, bei denen ich nicht immer 100% rappen muss, aber man muss promomässig etwas bringen. Viele Leute werfen mir das vor, doch es ist ein Weg, um deinen Bekanntschaftsgrad zu steigern und den Leuten die Musik näherzubringen. Man gibt ja viele Konzerte und hätte gerne, dass auch viele Leute kommen und sich eine Eigendynamik entwickelt; dafür muss man etwas tun, warum sollte man dies nicht nutzen? Diesmal habe ich auch noch die Möglichkeit durch "joiz", doch Eigen-Promo mache ich schon seit 5 Jahren.

hitparade.ch: Du hast also die offene Freiheit, bei 'joiz' zu senden, was du möchtest…
Knackeboul: Als ich angefragt wurde für "joiz", habe ich auch klargemacht, dass ich der "Knackeboul" bin, ich käme nicht als Moderator, sondern als Rapper. Ich könnte theoretisch eine ganze Sendung machen, in der ich nur rappe. Es ist meine Sendung, die heisst "Knack Attack" und ich darf machen, was ich will!

hitparade.ch: Die Richtlinien waren also von Anfang an klar…
Knackeboul: Genau, ich habe bei "Virus" gesendet, wo ich dasselbe gemacht habe, ich war beim SF, usw. Ich würde sagen, 80% der Leute finden das auch geil und wenn das nicht so ist, dann können sie eine andere Sendung schauen, sei es "Living Room" oder diverse andere, die wir hier auf "joiz" anbieten.

hitparade.ch: Du machst das aber wirklich vorbildlich! Ich denke, da könnten sich viele Musiker eine Scheibe abschneiden, vielleicht sind sich viele zu gut, um Eigen-Promo zu machen.
Knackeboul: Ja, das stimmt. Ich habe das schnell erkannt, halt immer auf Gefahr von Overkill, aber mit dem muss man rechnen. Es gibt halt Leute, denen passt das nicht so, aber das gibt es immer.

hitparade.ch: Wie vergleichst du das Schweizer Publikum mit dem Rest und wie kommt deine Mundart-Musik da an?
Knackeboul: Ich war erst gerade in Österreich, da mache ich dann auch mehr hochdeutschen Rap, aber es ist natürlich immer eine Mischung. Das coole in Deutschland im Vergleich zur Schweiz ist, dass es mehr geschätzt wird, es ist mehr ein "gut Finden". In der Schweiz ist man kritischer, es gibt immer ein Konkurrenzdenken. In Deutschland ist es mir so vorgekommen, als ob sie offener wären. In Amerika ist es wieder anders: Wenn man etwas gut macht, bekommt man Respekt. In der Schweiz ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass man Leute mit Zweifeln findet.

hitparade.ch: Finden die Ausländer Schweizerdeutsch nicht komisch?
Knackeboul: Es kann sein, das es in Deutschland Einigen komisch vorkommt, da es nahe ist am Hochdeutsch, jedoch in Mazedonien und den anderen Ländern, wo ich schon war, finden sie es sehr cool.

hitparade.ch: Du scheinst die Kritik mit Humor zu nehmen…
Knackeboul: Ja, ich probiere es, aber es ist nicht immer einfach. Es gibt dann wieder das Schubladenphänomen. Es gibt Viele, die sagen, dass ich in keine Schublade passe und dann frage ich mich, welche Schublade? Natürlich gibt es Leute, die das wollen, aber eigentlich gibt es das nicht. Es gibt so viele Rapper, die machen, was sie wollen und Erfolg damit haben, darum freut es mich, dass auch ich mit dieser CD, die in keine Schublade passt, Erfolg habe. Es ist ein schönes Zeichen!

hitparade.ch: Dein Album hat Erfolg und nun bist du auf Schweizer Tour. Was waren bis jetzt so deine Highlights?
Knackeboul: Da gibt es so viele. Sarajevo war sehr cool, man hat so gewisse Klischees. Als ich das erste Mal in Mazedonien war, habe ich mich gefragt, ob sie überhaupt Mikrofone haben *lacht*! Die Location, die Technik und alles war aber perfekt. Die Leute freuen sich da einfach so! Es waren so grosse Künstler da und dann war ich da als "Knackeboul"; sie wussten nicht, was sie erwartet. Ich weiss noch, dass ich CD's dabeihatte und alle verkauft habe; dabei sagte ich, sie sollen dafür einfach geben, was sie haben. Natürlich dachte man da zuerst, dass, wenn man so viele verkauft hat, es einen grossen Batzen gäbe, aber am Schluss hatte ich so 37 Euro *lacht*. Aber sie haben das natürlich nicht böse gemeint, der Eintritt kostete 2 Euro und das war für sie schon sehr hoch. Und momentan ist alles ein Highlight, wirklich mit einer Band unterwegs zu sein und eine kompakte Bühnenshow zu bringen, das ist schon alles sehr geil.

hitparade.ch: Nach wenigen Tagen war dein Album 'Moderator' schon im Netz zu finden. Was hältst du von den Programmen wie 'Spotify', wo das gratis Anhören und das Nicht-Kaufen von CD's gefördert wird?
Knackeboul: Ich habe es eigentlich immer cool gefunden, dass überhaupt Jemand meine Musik hört. Es gab immer die Möglichkeit, die Songs im Internet anzuhören oder sogar zu downloaden. Auf der einen Seite ist es ja wirklich cool, wenn viele Leute deine Musik hören und dafür an deine Konzerte kommen, auf der anderen Seite habe ich jetzt auch gemerkt durch den Charts-Einstieg, dass man auf einmal ein Thema für Sendungen und Magazine ist, die sich sonst nicht für dich interessiert hätten oder wo es vorher schwierig war, da heranzukommen. Ich denke, die Musik sollte ein Allgemeingut sein, aber dann sollten die Leute wenigstens auch einmal ein Konzert besuchen. Das gibt ein bisschen Respekt vor dem Künstler.

hitparade.ch: Nachdem du so viel erreicht hast: Gibt es noch weitere, grosse Zukunftswünsche oder bist du zufrieden?
Knackeboul: Ich bin die Raupe Nimmersatt, ich möchte immer mehr. Nein, ich möchte einfach, dass es ein bisschen einfacher wird. Dass ich nicht drei Stunden lang "bibbern" muss und Werbung machen, damit genug Besucher ans Konzert kommen. Wenn ich ein Album mache, möchte ich mich voll und ganz auf das Album konzentrieren, ohne nachzudenken, ob es auch genug Leute kaufen werden und ob der Club voll sein wird. Wenn ich weiss, dass ich eine ausreichende Fanbase habe, die auch an die Konzerte kommt und mich unterstützt, so, dass ich meine Produktionskosten wieder drin habe. Es sieht zwar jetzt auch schon ziemlich gut aus, aber es wäre angenehm, wenn ich ein bisschen weniger machen könnte, eine CD, eine Tour und eine Sendung. Momentan mache ich einfach so viele verschiedene Sachen. Es ist mein Ziel, die Fanbase noch ein bisschen mehr aufzubauen und dass mindestens die Hälfte der Fans auch aktiv bleibt. Einfach gesagt, es wäre cool, wenn ich mich weniger auf die Promo konzentrieren könnte und es trotzdem in diesem Bereich bleiben würde, in dem es momentan ist.

hitparade.ch: Kannst du uns sagen, was du über die Top 10 der Schweizer Alben Hitparade denkst?

Bastian Baker - Tomorrow May Not Be Better
Knackeboul: Herzig, jung, ja finde ich gut.

Nickelback - Here And Now
Knackeboul: Ja, wer es mag, warum nicht? Das eine Lied erinnert mich immer an eine Jugendliebe, aber das ist schon 10 Jahre her. Dass sie immer noch Musik machen, ja, krass!

Knackeboul - Moderator
Knackeboul: Bin gespannt, wie er sich hält! *schmunzelt*

David Guetta - Nothing But The Beat
Knackeboul: Ja, das ist mein Namensvetter. Er scheint erfolgreich zu sein mit dem, was er macht, hat diese Euro Dance-Welle aufgeschnappt, die Leute stehen darauf, aber ich nicht so.

Chris De Burg - Footsteps 2
Knackeboul: Kenne den Namen, aber mehr nicht.

77 Bombay Street - Up In The Sky
Knackeboul: Ich denke, die gewinnen den "Swiss Music Award". Ich finde gut, was sie machen.

Amy Winehouse - Lioness: Hidden Treasures
Knackeboul: Es ist immer so, die Toten leben am längsten. Ich habe noch nicht viel gefunden, bei dem ich kotzen müsste, von daher geiler Sound, kann ich hören.

Ed Sheeran - +
Knackeboul: Das ist der mit den roten Haaren. Es gibt so eine Sendung auf BBC, in der 7 Bands in einer Live Show spielen. Ich fand das aber nicht so spektakulär, er wird sehr gehypt.

Fox - 2012
Knackeboul: Konnte schon Shakra nicht hören. Habe die CD nicht gehört, bin mir nicht sicher, ob das solo besser ist, aber ich mag's ihm gönnen.

Adele - 21
Knackeboul: Sehr geil, kenne zwar nicht alle Songs, aber das, was ich bis jetzt gehört habe, klingt ehrlich, authentisch, Klavier und Stimme kommt immer gut an, bei mir jedenfalls, darum darf sie von mir aus noch weitere 52 Wochen auf Platz 1 bleiben, wenn ich dafür auf Platz 2 darf! *lacht*.
Interviewed by: Sonja Eberhard
Redaktion: Sonja Eberhard, Gabi Wegmüller


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