INTERVIEW MIT MARCUS AURELIUS

Get the Flash Player to see this player.

Der Bündner Rapper Marcus Aurelius veröffentlicht sein neues Album 'I los kei Schwizer Rap' gratis im Internet. Wir haben ihn zum Interview getroffen

hitparade.ch: Rappen ist deine grosse Leidenschaft. Wie bist du zum Rappen gekommen und wer hat dich beeinflusst?
Marcus: Ich habe als Kind Schlagzeug gespielt und hatte schon immer ein Favour für Musik. Mit etwa 10 Jahren habe ich angefangen, Rap zu hören, Cypress Hill. Später habe ich einen kurzen Ausflug ins Rockige gemacht, in der Art wie "Rage Against The Machine", und auch eine Band gegründet. Damals war ich 13 Jahre alt.

hitparade.ch: Was ist daraus geworden?
Marcus: Nichts, sie wollten, dass es härter wird, in Richtung New-Metal, doch ich wollte Rap machen. Unsere Wege haben sich dann getrennt, aber die Band. die mittlerweile "Shallow Bloodhood" heisst, gibt es immer noch. Ich habe dann für mich alleine angefangen zu rappen, am Anfang noch auf Englisch, dann Hochdeutsch. Danach ging ich an eine "Swiss HipHop Night" im "Riders Palace" in Laax und fand es sehr interessant, was sie so aus dem Schweizerdeutsch machen. Es ist einfach viel mehr möglich, und seitdem rappe ich auf Schweizerdeutsch.

hitparade.ch: Kannst du dich noch an deinen ersten Auftritt erinnern?
Marcus: Ja, das war im Sportzentrum "Prau la Selva" in Flims an einem Skate Event. Wir waren da noch absolut unprofessionell, aber es hat Spass gemacht.

hitparade.ch: Nun hast du brandneue Songs als Gratis Download zur Verfügung gestellt. Im Oktober 2010 hast du dein letztes Album herausgegeben. War es stressig, in so kurzer Zeit wieder neue Songs herauszubringen und sind auch ältere Songs dabei?
Marcus: Nach der CD-Veröffentlichung im Jahre 2010 habe ich mir ein paar Monate später zum Vorsatz genommen, ein Mix-Tape zu machen. Es ist nicht total etwas Anderes, sondern eine logische Weiterführung von dort, wo das letzte Album aufgehört hat. Im August habe ich angefangen zu schreiben, die Songs sind also innerhalb eines Jahres entstanden. Das war teilweise schon ein bisschen stressig, aber wenn es läuft, dann läuft es.

hitparade.ch: Wie wird Schweizer Rap-Musik in der Schweiz und Umgebung akzeptiert? Ist es schwierig, für Konzerte gebucht zu werden?
Marcus: Wenn man keinen grossen Namen hat wie Eminem oder 50 Cent, dann hat man es extrem schwer, in den Radios gespielt zu werden. Es gibt auch grosse Vorurteile gegenüber vielen Rappern, die live spielen möchten: Falls es an den Konzerten Radau geben sollte, möchte dies niemand riskieren. Durch die harten Texte gibt es viele Vorurteile, und auch wenn wir ab und zu unsere Battles haben, sind wir friedliche Menschen, die den Sound positiv vermitteln möchten.

hitparade.ch: Das Album Cover sieht ähnlich aus wie das letzte, nur düsterer. Ist das Zufall oder wolltest du das bewusst?
Marcus: Beim letzten Album hatte ich noch gute Laune, und später ist unter anderem das passiert mit dem Diss-Zeug wegen Gimma. Das Mix-Tape ist sozusagen die dunkle Seite dazu. Es ist wie ein Jahr Wut verpackt in einer CD. Nein,Spass, die alte Geschichte wird auf dem Mixtape so gut wie gar nicht thematisiert. Der Grundton ist einfach "wütend".

hitparade.ch: Du hast dein neues Album 'I los kai Schwiizer Rap' benannt. Wie ist es dazu gekommen, Ich nehme an, du hörst ja bestimmt andere Schweizer Rapper?
Marcus: Es gibt bestimmt Sachen, die ich mir nicht anhöre! Aber es ist eher ein Anti-Statement. Wenn man draussen auf der Strasse jemanden fragt: "Hörst du Marcus Aurelius?", dann kommt oft die Antwort: "Nein, ich höre keinen Schweizer Rap!" Das Bild, das die Leute von Schweizer Rappern haben, wird ins Lächerliche gezogen. Denn, ich behaupte, so wie ich es mache, ist es ernsthaft betrieben und es sind so viele Leute darin involviert, sei es der Grafiker, die, welche es mastern, oder Andere, die dazugehören: Es sind alles ernsthafte Künstler, die belächelt werden durch das falsche Bild der Schweizer HipHop Kultur.

hitparade.ch: Ich denke immer, dass man als Rapper sich so viele Texte merken muss, mehr als bei einem Pop Song. Wie kannst du sie dir so problemlos merken?
Marcus: Ich bin gut vorbereitet. Bei den Aufnahmen zum Album musste soviel auswendig sein wie nur möglich. So viel Text zu können ist kein Problem, wenn man den Willen und die Motivation dazu hat.

hitparade.ch: Dein ganzes Album steht als Gratis Download zur Verfügung. Viele Schweizer Künstler halten nicht viel davon, ein Album gratis bereitzustellen und versuchen, sich zu wehren gegen das Verbreiten von Gratis-Musik. Du scheinst da anders zu denken und siehst eher einen Vorteil.
Marcus: Ich habe mein letztes Album ziemlich gut verkauft. Meine Tausender-Auflage ist weg; es gibt Musiker, die nicht einmal 100 CDs verkaufen. Ich hätte wieder ein Album machen können, das zum Kauf zur Verfügung steht, aber ich wollte (um meinen Namen zu vergrössern) diese Songs gratis abgeben. Klar wird man da ein bisschen Verlust machen, aber es ist wie ein Vorbote für das nächste Album, welches in einem Jahr herauskommt, das dann wieder kosten wird. Wir hoffen, dass wir unsere Fanbase dadurch vergrössern können.

hitparade.ch: Es gibt eine Video-Auskoppelung mit dem Song 'Genau jetzt', den du zusammen mit Börni aufgenommen hast. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
Marcus: Ich habe gedacht, es wäre an der Zeit, einen Song mit einer Sängerin zu machen. Ich war schon immer ein Fan von Rap mit Gesang gemixt. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, welche Sängerin passen könnte, die nicht schon Songs mit andern Rappern gemacht hat. Mir war von früher Börni aus "MusicStar" im Kopf. Ich habe sie angefragt und sie war sofort dabei.

hitparade.ch: Scheuen sich Rapper nicht generell gegen solche Shows und SängerInnen?
Marcus: Doch, aber das macht ja für mich als Stress-Faktor in dieser Szene noch interessanter.

hitparade.ch: Was haben deine Rapper-Kollegen gedacht?
Marcus: Ganz ehrlich, es gibt schon Leute, die lächeln, aber das ist mir so egal. Am Ende des Tages ist es ein sehr schönes Lied geworden, das Video konzeptmässig auch super umgesetzt, und wenn da jemand ernsthaft lachen will, dann lächeln wir zurück!

hitparade.ch: Kommen wir zurück zu dem Song 'Genau jetzt': Wie ist er entstanden und wie habt ihr zusammen gearbeitet?
Marcus: Wir haben das Thema diskutiert, und sie hat ihren Teil selber geschrieben. Sie ist eine eigenständige Künstlerin, ich würde ihr niemals hineinreden, dafür habe ich zuviel Respekt. Ich würde es umgekehrt auch nicht akzeptieren, wenn man mir hineinredet.

hitparade.ch: Das Video gefällt mir sehr gut, es scheint sehr kalt gewesen zu sein. Wo habt ihr den Clip gedreht, und wie war der Tag?
Marcus: Es war im Fürstenwald in Chur. Es war ein eiskalter Drehtag. Wir waren gut vorbereitet und wussten, wie es aussehen soll, darum brauchten wir nicht mehr als einen Tag. Kurz bevor wir fertig waren, hat es angefangen zu regnen.

hitparade.ch: Kannst du uns etwas über die Geschichte des Songs und des Clips erzählen?
Marcus: Am Anfang sieht man uns an der Beerdigung, man sieht, wie sie dem Tod davonspringt. Der Tod fängt sie ein, wir betrauern sie, aber am Ende sieht man, dass sie den Tod überlistet: Sie kommt mit der Sense an das Grab, symbolisch dafür, dass sie den Tod überwunden hat. Im Text geht es auch darum… "Verschwende nicht deine Zeit, mach' genau jetzt etwas daraus und nimm dein Leben wahr!"

hitparade.ch: Wie sieht es mit Konzerten aus, wird man dich live sehen können in nächster Zeit?
Marcus: Momentan ist immer noch Planungs-Phase, weil das alte Management nicht mehr aktuell ist. Sobald es Konzerte geben wird, wird man sie auf meiner Facebook- und offiziellen Seite sehen.

hitparade.ch: Wie sieht es mit deiner Zukunft aus? Was ist dein nächstes Ziel?
Marcus: Ich möchte mit diesem Mix-Tape die nächste Stufe erreichen und mit dem nächsten Album nochmals höher gehen. Eines Tages möchte ich sicher auch am Openair Frauenfeld spielen, eine Top 20-Platzierung wäre auch sehr schön.

hitparade.ch: Kommen wir zu den Top 10 der Schweizer Album Charts. Was hältst du davon?
Marcus: Es gibt ja rapmässig fast nichts, wie ich gerade sehe, das macht mich fast schon traurig!
Xavier Naidoo ist auf Platz 1, das hat er verdient. Das ist Musik mit Herz, das finde ich wirklich besser als alles andere Pop-mässige, das von der Industrie gezüchtet wird. Paul McCartney… finde ich komisch, dass er wieder in den Charts drin ist, er ist irgendwie 40 Jahre zu spät. Klar ist er eine Legende, aber trotzdem. 77 Bombay Street finde ich cool, sind ja auch aus der Nähe. Sie machen sehr viel Wirbel, Hut ab! Amy Winehouse verkauft sich natürlich jetzt noch besser, auch Whitney Houston. Ich finde das alles übertrieben! Backt eurer Grossmutter lieber einen Kuchen, als irgendwelche Leute zu betrauern, die ihr nicht kennt!
Interviewed by: Sonja Eberhard
Redaktion: Sonja Eberhard, Gabi Wegmüller


Linktipps:
Zum Album "I los kai Schwiizer Rap" mit Link zum Gratis-Download
Offizielle Website

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?