INTERVIEW MIT DIE ÄRZTE

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Sie kümmern sich wieder um das "HeyHey!", sorgen für Endorphine und die richtigen Posen. Die "Die Ärzte" haben 16 neue Songs auf dem neuen Album "auch" versammelt. Wir haben Rodrigo González zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Euer neues Album "auch" erscheint am Freitag, 13. April. Habt Ihr bewusst einen Unglückstag gewählt oder ist das Zufall?
Rod: Die Ärzte haben schon immer gerne mit Zahlen herumgespielt. Ein Album heißt z.B."13", die Titelanzahl auf dem Album, das Tempo, etc. Es gibt immer so bestimmte Zahlen, die mit irgendetwas vorbelastet sind. Wir nutzen solche Sachen halt einfach gerne. Wenn die Leute sich Sorgen machen, umso besser. Es hat diesmal keinen besonderen Grund, es hat einfach so gepasst.

hitparade.ch: Ihr macht schon so viele Jahre gemeinsam Musik, habt schon unzählige Alben veröffentlicht… Wenn Du jetzt nochmals 20 Jahre alt wärst und Dir das Album "auch" anhören würdest, würde es Dir gefallen?
Rod: Wenn ich von meinem persönlichen Musikgeschmack ausgehe - und es ist klar, dass mir das neue Album gefällt, glaube ich, dass es mir auch mit 20 sehr gefallen hätte.

hitparade.ch: Was erwartet Eure Fans mit diesem neuen Album?
Rod: Die Ärzte in Reinkultur. Nicht ZU ernsthaft. Es gibt ja so Bands, die ab einem bestimmten Alter anfangen, erwachsen zu werden und die dann nur noch über ernste Themen singen und nur noch ihr Leben reflektieren. Das tun wir natürlich auch, aber ich würde sagen, dass dieses neue Album dennoch diesen gewissen Esprit hat, es klingt jünger, als wir eigentlich sind. Es mag daran liegen, dass wir es einfach immer noch drauf haben, Themen, die eher jüngere Menschen betreffen, als wir es sind, authentisch rüberzubringen und auch selbst zu fühlen. Das Album hätte viel ernsthafter sein können. Es sind natürlich auch ernsthafte Songs dabei, aber es hat auch sehr viele ulkige Songs dabei. Die Waage hält sich.

hitparade.ch: Früher wurden Eure Texte ja oft zensiert. Ist das denn heute kein Thema mehr? Seid ihr zahmer geworden?
Rod: Wir sind nicht zahmer geworden, die Leute sind einfach abgestumpfter geworden. Wenn ich an meine Zeit mit den "Die Ärzte" denke - die Sache mit den zensierten Songs ist in den 80er Jahren passiert. 1993, als wir unsere erste Single mit dem Titel "Schrei nach Liebe" gemacht haben, da hiess der Refrain "Arschloch". Das war damals eine Riesendiskussion. Da kamen die Promoter von der Plattenfirma an und meinten: "Das können wir nicht machen! Das werden die Radios nicht spielen!" Und da mussten sich Redaktoren teilweise richtig durchsetzen, dass diese Single gespielt wird. Viele Sender hatten sich geweigert, diesen Song zu spielen, wegen dieses Wortes. Zwei, drei Jahre später, hörte man dann Texte aus dem Deutschen HipHop, die weitaus "schlimmere" Themen behandeln, wie Ficken, Blasen und so weiter. Die Ausdrucksweise wurde immer härter, die Kids wurden immer früher mit solchen Ausdrücken konfrontiert. Sie sind also entsprechend abgestumpfter. Und da kannst Du nicht noch einen draufsetzen, da würden wir verlieren. Das wollen wir auch gar nicht. Der Clou liegt ja darin, Dinge anders auszudrücken, es aber trotzdem so zu meinen. Manchmal halt auch mit harten Themen, aber man kann es auch schön verpacken, es muss nicht immer alles so plakativ sein. Daher wurden in erster Linie in den 80er Jahren Texte von uns zensiert. Zum Teil auch zurecht. Wenn man sich den Songtext von "Geschwisterliebe" ansieht, ist es für Jugendliche und Kinder schon extrem. Das gehört auf den Index. Ein Song wie "Claudia hat 'nen Schäferhund" würde ich jetzt nicht auf den Index setzen, weil ich glaube, dass da jedes Kind weiss, dass das totaler Blödsinn ist (lacht). Und dass Sex mit einem Schäferhund durch die Gefahr der Verharzung nicht unbedingt von Vorteil wäre.

hitparade.ch: Pro Song auf dem Album gibt es jeweils zwei Videos. 16 Songs, also 32 Videos. Wo sind die zu sehen?
Rod: Die sind nicht auf der CD. Eine zeitlang war das in Mode, solche Sachen direkt auf die CD zu tun. Die wird's nun aber im Internet geben, umsonst zum Angucken, so oft man will. Und wenn man sich das Album downloadet, kann man auch direkt die Videos herunterladen.

hitparade.ch: In einem Song singt ihr über einen selbstgeschnitzten Gott, der bei Euch im Regal steht. Wie sieht das Thema "Glauben" bei Euch aus?
Rod: Ich glaube, da kann ich für die ganze Band sprechen, wenn ich sage, dass wir alle nicht wirklich christlich eingestellt sind. Wir wollen aber anderen Leuten ihren Glauben nicht absprechen. Der Song ist von Farin Urlaub und ich finde, er hat das darin ziemlich geschickt erklärt, wie die Entstehung eines Götzenbildes ablaufen kann. Auf sehr bildliche Art, die total eingängig ist. Er bringt es da einfach gut auf den Punkt, dass ein solches Bild austauschbar ist. Es spielt keine Rolle, woran man glaubt, sondern wie! "Mein Stück Holz ist wichtiger als Deins" und so, dass das alles Bullshit ist. Trotzdem soll aber Jeder an das glauben, was er will. Der Eine soll an einen Besenstiel glauben, ein Anderer ans Spaghettimonster und wieder Andere ans Kruzifix… Jedem das Seine. Solange man andere Menschen, die das nicht glauben, damit in Ruhe lässt, ist alles gut.

hitparade.ch: Beim ersten Song singt ihr: "Ist das noch Punkrock, wenn Dein Lieblingslied in den Charts ist?" Ist das denn nicht auch ein Widerspruch? Man will alternative Musik machen, möchte sie aber doch so gut wie möglich unter die Leute bringen und verkaufen.
Rod: Dies ist ja auch ein Grund, weshalb man überhaupt auf die Bühne geht, denn sonst könntest Du mit Deiner Band auch im Proberaum bleiben und sich gegenseitig seine Lieder vorspielen. Das wäre auf Dauer langweilig. Und das ist definitiv nicht der Grund, warum so viele junge Menschen anfangen, Musik zu machen. Man will auf die Bühne und viele Leute erreichen. Am Anfang sind es nur wenige, aber es werden immer mehr und mehr. Dies kann die Gefahr bergen, dass Dir damit etwas entgleitet und dass Du Dinge, die Du eigentlich nur für bestimmte Leute machen wolltest, auf einmal auch alle anderen Leute erreicht. Haben wir auch erlebt, beispielsweise mit "Männer sind Schweine" (lacht). Aber ich finde, es ist kein Widerspruch, denn Musik, die viele Leute hören, muss ja nicht zwangsläufig schlecht sein. Es ist aber leider oftmals der Fall, dass Musik, die wahnsinnig oft verkauft wird, nicht immer gut ist (lacht). Es gibt verschiedene Beispiele, aber ich will hier keines explizit nennen. Ich glaube, Ihr wisst selbst, was ich meine.

hitparade.ch: Aber man will ja doch möglichst weiter auf dieser alternativen Schiene fahren…
Rod: Das kann man ja auch weiter machen. Gerade im Zeitalter von Internet hat man als Band und Musiker eine direkte Kontrolle darüber, welches Bild man von sich vermittelt. Welche Songs willst Du wie ins Netz stellen, und so weiter. Du kannst die Leute jeden Tag mit neuen Informationen füttern wie "Ich sitze gerade auf der Toilette" oder "Ich höre gerade die CD"…Das hat schon etwas von "Indie-Gedanken", wenn auch etwas langweilig. Man kann es selbst kontrollieren. Dass da nicht ein Ghostwriter sitzt und über Dich schreibt, sondern dass man das selbst macht, gibt Sicherheit darüber, dass man es selbst in der Hand hat, was von Dir gesehen und gehört wird, und was nicht. Das kannst Du genauso gut skalieren auf eine Situation, wenn Du sehr erfolgreich bist. Wenn Du die Kontrolle darüber behältst, was mit Dir geschieht und wie Du Dich selbst darstellst, welchen Sachen gegenüber Du Dich selbst verweigerst, geht auch in dieses "Indie-Gefühl" rein. Das haben "Die Ärzte" immer noch. Wir sind zwar Spassvögel und nehmen uns nicht sehr ernst, aber wir nehmen extrem ernst, wie wir uns nach aussen darstellen. Wir haben z.B. unser eigenes Label, unseren eigenen Verlag.
Wir sind sehr vorsichtig bei den Dingen, die wir tun. Wir gehen nicht in Dschungelcamps, wir gehen nicht in Castingshows und spielen dort die Jury, genau aus dem Grund, weil wir in bestimmten Ecken einfach nicht stattfinden sollen. Wir glauben halt, dass das für uns besser ist und zum Glück sehen unsere Fans das genauso. Und wenn es Leute gibt, die das von uns erwarten, dann kennen sie uns zu wenig. Dann sind das Leute, die wahrscheinlich auch andere schreckliche Sachen ganz toll finden (lacht).

hitparade.ch: Du hast vorhin gesagt, dass nicht alles in den Charts schlecht ist. Was denkst Du denn über die Charts? Wie wichtig sind Dir die?
Rod: Ich weiss ja nicht, wie das in der Schweiz ist, aber in Deutschland ist es so, dass Du bereits mit 200 verkauften Platten pro Woche in der Top 10 landen kannst. In bestimmten Jahreszeiten zumindest. Das ist nicht viel! Theoretisch könntest Du Dich als Band selbst in die Charts kaufen, wenn Du in einer veröffentlichungsarmen Woche 200 Platten kaufst.
Es gibt viele Sachen, die mir auch gefallen, die ab und zu im Radio laufen, es ist unterschiedlich. Es geht ja auch alles so schnell heute. Da kommt man mit einem neuen Album in die Top 10, eine Woche später bist Du eventuell bereits auf Platz 48 oder sogar aus den Top 100 verschwunden. Früher war das richtig zementiert: Wenn Du in den Top 10 warst, konntest Du davon ausgehen, dass Du Dich die nächsten 2 Monate mindestens in der Top 50 aufhalten wirst. Aber heute geht es so schnell, viel Musik, kleine Stückzahlen, da wird mit wenig viel bewegt.

hitparade.ch: Bei der EP "zeiDverschwÄndung" spielt Ihr auf's Internet an und dass man doch einmal etwas Anderes tun soll, als "Die Ärzte" zu hören. Was wollt Ihr damit sagen? Ihr seid doch die beste Band der Welt?
Rod: Sind wir auch! Aber das Lied behandelt eine bestimmte Art von Fans, nämlich die Internet-Nerds. Die, die wirklich den ganzen Tag dasitzen in unseren Foren und Gästebüchern und in ihren komischen Social Networks Geschichten und Negatives über uns erfinden und verbreiten. Weisst Du, es gibt einen ganz bestimmten, psychologischen Effekt: Es gibt Fans, die wollen sich als besonders gute Fans darstellen, indem sie Dich besonders kritisch betrachten. Der extrem kritische Fan, der glaubt, dass er der bessere Fan ist, weil er nicht alles blindlings super findet, was wir machen. Er nimmt sich quasi das Recht heraus, alles kritisieren zu können, weil er ja weiss, wovon er spricht. Und alle Fans, die's einfach gut finden, sind ja sowieso keine guten Fans, und so weiter. Wir haben da ganz spezielle Experten, die auch teilweise mit speziellen Fake-Accounts richtig grosse Diskussionen mit sich selbst antreten. Neulich haben wir einen entdeckt, der etwa 6 oder 7 Accounts in unserem Forum gehabt hat, wo er mit sich selbst eine Diskussion angezettelt hat, damit dann auch Andere darauf eingesteigen. Da gibt's unglaubliche Nerds. Genau bei diesen Leuten sind wir der Meinung: "Hey, lies doch mal ein Buch oder geh' mal an die Sonne und geniesse den Tag, anstatt Dich nur um uns zu kümmern!" Das ist eher so gemeint. Wir wollen mit dem Lied nicht sagen: "Haut ab!" (lacht). Wir wollen den Nerds einfach sagen: "Fangt doch mal an zu leben! Es kann ja nicht Euer ganzer Lebensinhalt sein, Euch mit uns zu beschäftigen oder uns beweisen zu wollen, dass Ihr bessere Fans seid als die Anderen! Nein, seid Ihr eben nicht, ihr nervt!"

hitparade.ch: Wenn wir schon beim Thema Internet sind: Was hältst Du von Plattformen wie facebook und twitter? Nutzt Ihr das als Band?
Rod: Überhaupt nicht. Wir als Band haben damit nicht wirklich etwas zu tun. Ich bin, soweit ich weiss, der Einzige in der Band, der überhaupt einen facebook-Account hat. Und das habe ich nur gemacht, weil ich nicht wollte, dass Jemand Anderer mit meinem Namen einen Account einrichtet. Da besteht die Gefahr, dass wildfremde Leute anfangen, in Deinem Namen zu kommunizieren. Das wollte ich verhindern. Ich nutze es aber ehrlicherweise überhaupt nicht, weil es mich halt nicht so interessiert zu wissen, was meine "Freunde" den ganzen Tag treiben. Es ist teilweise so uninteressant, was da für Ergüsse stattfinden. Selbst von Leuten, die ich gut kenne, jedenfalls dachte ich, ich kenne sie. Auf einmal schreiben die so Sachen hin, wo ich sagen muss "Hör mal, mich interessiert nicht, ob Du heute um 9.30 Uhr mit einem Kater aufgewacht bist" (lacht). Die Person hätte mich vor vier Jahren auch nicht angerufen, um mir zu erzählen, dass sie auf dem Klo war. Das ist so uninteressant, echt. Wir nutzen diese Kanäle eigentlich bewusst nicht, weil wir finden, dass eh schon viel über uns steht und die Leute sollen sich da ruhig den Kopf darüber zerbrechen, warum wir da nicht stattfinden und warum wir bestimmte Sachen nicht machen. Wir haben ein gutes Gefühl damit. Wir haben myspace überlebt, daher denke ich, werden wir auch facebook und twitter überleben. (lacht). Facebook wird in 10 Jahren wahrscheinlich dort sein, wo jetzt myspace ist, aber "Die Ärzte" werden immer noch da sein.

hitparade.ch: Zurück zur Musik: Wie entstehen Die Ärzte-Songs eigentlich?
Rod: Unterschiedlich. Jeder hat seine eigene Herangehensweise. Manchmal ist zuerst eine gute Textzeile da, manchmal schlägt man auch die Zeitung auf und sieht ein Wort. Oder versehentlich hat ein Kumpel eine neue Wortschöpfung kreiert, indem er zwei Worte miteinander vermischt hat, die keinen Sinn ergeben, aber lustig sind. Manchmal hat man aber auch zuerst eine Melodie im Kopf. Bei mir ist es oftmals eine Melodie oder die Musik, wie ein Impuls. Dass man sich hinsetzt und anfängt, aus dem Nichts einen neuen Song zu komponieren, das passiert eigentlich höchst selten. Man braucht da schon eine Initialzündung, sei es nun ein Gesangsfetzen oder ein Riff. So fängt das bei uns an. Zumindest, wenn man's nicht klassisch am Notenblatt gelernt hat (grinst).

hitparade.ch: Feiert Ihr dieses Jahr das 30-jährige Jubiläum auf eine spezielle Art und Weise?
Rod: Wir feiern das wohl nicht. Ich muss ehrlich sagen, dass ich auf dieser Promoreise zum ersten Mal gehört habe, dass es diese Band schon 30 Jahre gibt. Es scheint der Presse und den Medien wichtiger zu sein als uns. Wir haben uns da überhaupt keine Gedanken darüber gemacht. Das Einzige, worüber wir geredet haben, war, diese Platte zu machen. Wir wollten auch wieder auf Tour gehen. Das Jubiläum war uns zu dem Zeitpunkt nicht bewusst. Als wir es gehört haben, sagten wir nur: "Ach, uns gibt's schon 30 Jahre? Soso. Schön!" Daher haben wir beschlossen, nichts zu tun. Die Leute erwarten wahrscheinlich, dass wir mit Fahnen und Fernsehwerbung eine Riesengeschichte daraus machen, aber das würde einfach nicht zu uns passen. Wir feiern dann vielleicht den 33. Geburtstag. Mal sehen.

hitparade.ch: In Dortmund habt Ihr vor Kurzem zwei Konzerte gespielt. Eins nur für Männer, eins nur für Frauen. Wie war das? Habt Ihr Euch bei den Konzerten jeweils unterschiedlich verhalten?
Rod: Nee, wir haben eigentlich gespielt wie immer. Der einzige Unterschied waren die Setlisten. Wir haben am Frauentag andere Songs gespielt als am Männertag. Das war ein ziemlicher Aufwand, denn dadurch mussten wir viel mehr proben (lacht). Auf der Bühne war das sehr merkwürdig. Wir haben festgestellt, dass wir wohl eine Band sind, wo gerne Pärchen hingehen. Es müssen Frauen und Männer zur gleichen Zeit dabei sein. Das Frauenkonzert war ein bisschen angenehmer. Man hatte etwas zu gucken (lacht), aber vor allem hielt sich die Stimmung besser oben. Komischerweise gab es Stücke, bei denen wir uns sicher waren, dass die Frauen darauf stehen, die bei den Frauen aber nicht so gut funktionierten. Und bei den Stücken, die wir eher skeptisch in die Frauen-Setlist eingebaut hatten, war die Stimmung teilweise kochend. Wir waren selber ein bisschen verwirrt. Aber im Allgemeinen kann man von beiden Konzerten sagen, dass wir Probleme gehabt haben, die Stimmung 2.5 Stunden lang durchzuziehen. Beim Jungs-Konzert fiel uns auch etwas auf: Wir dachten, wir gehen da jetzt auf die ganz prollige Schiene mit Saufen und schnellen Liedern, was dann zur Folge hatte, dass wir immer schnell mit allem fertig waren, und vor allem ging dieser Spannungsbogen irgendwie verloren. Das kann ich mir nur damit erklären, dass wir halt Stücke für "Sie und Ihn" haben, und da kann es sein, dass SIE die Strophen mag, ER aber beim Refrain total abgeht. Und dann dreht SIE bei einem Lied total durch und beim nächsten wieder ER, so dass es sich für uns anfühlt, als ob die Stimmung durchgehend großartig ist. Die Mischung macht's aus!

hitparade.ch: War sicher interessant, das einmal zu testen!
Rod: Ja, auf jeden Fall! Und es war fast ein wenig enttäuschend. Man hatte sich total viele Gedanken gemacht und dann merkt man, dass es einfach nicht 100% stimmt. Das ist schon komisch. Aber wir haben's gemacht und gut, und wir werden es nicht wiederholen.

hitparade.ch: Jetzt geht Ihr auf grosse Tour und die meisten Konzerte sind bereits ausverkauft. Das Konzert im Hallenstadion Zürich allerdings nicht. Was ist los mit den Schweizern?
Rod: Ich weiss es nicht. Vielleicht sind die Schweizer so drauf, dass sie lieber erst die neue Platte hören wollen, bevor sie sich Tickets für ein Konzert der neuen Tour besorgen. Die meisten Konzerte haben wir bereits ausverkauft, ohne auch nur einen Ton gespielt zu haben. Die Leute haben sich blind Konzerttickets gekauft, was sehr mutig ist. Teilweise ein Jahr im Voraus. Sie wissen ja nicht, ob wir noch spielen können. Vielleicht sind wir schon so alt, dass wir in einem Jahr nur noch Blockflöten-Konzerte im Sitzen geben (lacht).

hitparade.ch: Ich glaube, selbst dann würdet Ihr die Hallen noch füllen!
Rod: Genau! Die Leute würden kommen. Einmal und nie wieder! Ich denke halt, die Schweizer sind einfach etwas vorsichtiger. Ich glaube aber, wir kriegen's noch voll (grinst).

hitparade.ch: Noch eine Frage: In Fanforen wurde eine Weile über Trennungsgerüchte diskutiert. Ist ja eigentlich Quatsch, Du hast ja vorhin selbst gesagt, dass Ihr auch nach facebook noch da sein werdet. Warum sind solche Trennungsgerüchte entstanden?
Rod: Das war ein riesiges Missverständnis. Es gab damals den offiziellen "Die Ärzte-Fanclub". Der hat immer wieder nach Interviews gefragt, denn die haben da ein Heft, das sie für die Mitglieder herausgeben und vollkriegen müssen. Und wenn bei "Die Ärzte" einmal nichts passiert, dann wissen sie nicht, worüber sie berichten sollen. Dann müssen sie sich irgendwelche Sachen aus den Fingern saugen. Die kamen dann und sagten: "Wir brauchen jetzt ein Interview. Und für den Winter auch noch eins. Und noch eins auf Silvester und noch eins, wenn die neue Platte kommt", oder so ähnlich. Es wären aber langweilige Interviews geworden, da in dieser Zeit einfach nicht viel passiert ist. So spannend ist das Leben eines Rockmusikers auch wieder nicht (lacht). Dann kam halt ein Statement von unserem Büro, also nicht von uns direkt, das hiess: "Die Ärzte machen mit Euch jetzt ein Interview und in einem halben Jahr noch eins, dann wird die Tour gespielt, und da haben sie keine Zeit und danach ist mal eine Pause vorgesehen." Die vom Fanclub hätten halt am liebsten einen Plan gehabt, was die nächsten fünf Jahre genau passiert. Daher kam das Statement so präzise, dass nach der Tour 2012 Pause ist. Das Wort "Pause" hat dann ausgelöst, dass sich Alle total sicher waren, dass wir uns auflösen werden. Es brach eine riesige Diskussion im Internet aus. Wir mussten das dann offiziell dementieren, weil die Presse dann angerufen hat. Aber solche Gerüchte kennen wir schon, die gab's fast bei jeder Platte. Wenn die Fans dann Textzeilen so interpretieren. Nach unserem Konzert in Montreux war es auch so, dass Alle dachten, wir verabschieden uns jetzt. "Wer auf einem Jazzfestival spielt, der kommt nicht mehr" hiess es (lacht). Manchmal legen wir auch bewusst Fährten, aber es kann nervig werden, wenn es dann eine Eigendynamik kriegt. Also daher: Wir lösen uns nicht auf und freuen uns auf die kommende Tour und auf Zürich!
Interviewed by: Bettina Siegwart, Yvonne Zgraggen
Redaktion: Bettina Siegwart


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