INTERVIEW MIT TIM & PUMA MIMI



Tim & Puma Mimi
The Stone Collection Of Tim & Puma Mimi

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2. Surrealism
3. Ohayo' Baby
4. High 5 Low 5
5. Spiderweb
6. Tamago
7. Tigerbalm
8. Belleville rendez-vous
9. Shinjuku
10. Green Blood Circulation
11. Q-Cumber
12. Tim & Puma Mimi feat. Zebra Baby - Musik Business
13. Toryanse
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Nachdem die japanische Sängerin Michiko in die Schweiz gezogen ist, ist sie mit Christian Fischer, alias 'Tim & Puma Mimi', überall unterwegs und sie geben Konzerte. Bekannt in den Medien wurde die Band durch ihre legendären Skype-Konzerte. Die Musik scheint ungewöhnlich und interessant zugleich, japanische Musik in der Schweiz ist etwas ganz Neues. Wir haben sie zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Ihr heisst in Wirklichkeit Christian und Michiko. Wie seid ihr auf den Künstlernamen 'Tim & Puma Mimi' gekommen?
Christian: Ich hatte damals die Frisur wie der Typ aus "Tim & Struppi"" und Michiko sagte mir, dass das Kind "Mimi" genannt wurde. Ich fand das aber fast schon zu brav, den es klingt wie ein kleines Mädchen. Sie hatte ein Puma-T-Shirt an und irgendwie fand ich, dass es gut passt. Ein bisschen Raubtier und herziges Mädchen gemischt, sozusagen, und Tim klingt besser als Christian…

hitparade.ch: Als Mimi noch in Japan wohnte, habt ihr Skype-Konzerte durchgeführt. Es war zuerst als Witz gedacht. Wie ging das gut mit der Klang-Qualität und der Reaktionszeit von Skype?
Michiko: Nein, das war nicht schwierig, man lernt, damit umzugehen, am besten erklärt das Christian.
Christian: Es kam immer darauf an: Wenn die Netzverbindung gut war, funktionierte es auch gut, zum Teil hatten wir wirklich das Gefühl, dass sie live im gleichen Raum war. Wenn die Verbindung schlecht war, stoppte das Bild immer oder die Verbindung trennte sich, wie man das so kennt. Das war manchmal schon mühsam! Einmal in New York war es nicht so gut und ich wusste, unter dem Publikum waren Leute aus der Medien-Schule. Da war es mir nach dem Konzert fast schon ein bisschen peinlich. Aber eigentlich fanden sie es trotzdem gut, auch wenn es manchmal Schwierigkeiten gab. Andere Leute machen es mit Effekten und bei uns wurden durch gewisse Bild-Störungen schon selber Effekte erzeugt, so kann man es auch sehen. Die meisten Leute fanden eigentlich immer sehr cool, was wir da gemacht haben. Das Ganze hat sich dann sozusagen charakterisiert. Es gab Leute, die haben mich gefragt, ob ich es nicht schon im Voraus aufgenommen hätte und nur so getan hätte als ob, aber das war natürlich nie der Fall. Es ist aber ein gutes Zeichen. Das teilweise qualikativ Schlechte war sozusagen der Beweis dafür, dass wir kein Playback benutzt hatten. Es ist auch normal, dass nicht alles klappt; bei Tagesschau-Direkt-Schaltungen z.B. ist es ja auch nicht so, dass alles perfekt ist.

hitparade.ch: Wie waren allgemein die Rückmeldungen? Es ist ja etwas ganz Spezielles…
Christian: Sehr gut! Jetzt, da Michiko ja in der Schweiz wohnt, machen wir das nicht mehr und es gibt Leute, die uns fragen, ob wir nicht wieder einmal so ein Skype-Konzert geben könnten; es ist ja so etwas wie unser Markenzeichen.

hitparade.ch: Gibt es Bands, die eure Idee kopieren? Nachahmer?
Christian: Es gibt welche, ja, manche Bands fragen uns per E-Mail wegen der Technik, usw. Es gibt ja immer eine Verzögerung von ca. einer Sekunde. Damit es synchron zusammenkommt, muss man gewisse Techniken anwenden und dafür fragen uns jetzt einige Leute an, wie man das genau umsetzt.

hitparade.ch: Seit März 2011 wohnst du, Michiko, in der Schweiz. War es eine schwierige Entscheidung? Was fehlt dir am meisten?
Michiko: Ja, es war schon eine schwierige Entscheidung, darum hatten wir ja mit den Skype-Shows angefangen. Als wir damit begannen, arbeitete ich in Japan und hatte wenig Zeit. Es kamen mehr Anfragen und wir bekamen auch etwas für die Shows, doch es blieb mir nicht viel Zeit für die Musik. Arbeiten in Japan bedeutet 120%, da bleibt wenig Zeit und ich musste mich entscheiden. Es war ein grosser Kampf: Entweder die Arbeit oder die Musik. Es vergingen ein paar Jahre, bis ich 2009 entschieden hatte, meinen Job zu kündigen und ich bereue es nicht.

hitparade.ch: Was vermisst du am meisten?
Michiko: Freunde, Familie und das Essen!

hitparade.ch: Wie vergleichst du Japaner mit den Schweizern, wenn es auf die Musik ankommt? Zum Beispiel das Publikum?
Michiko: In Japan spielt man eher in Clubs als in Konzert-Sälen. Man fängt also an zu spielen und anschliessend geht die Party im Club weiter. Wenn man aber in einem Konzert-Saal spielt, sind die Leute ganz ruhig, sie stehen da und bewegen sich nicht. Man weiss dann nicht genau, ob sie uns mögen oder nicht, aber wir haben herausgefunden, dass es so normal ist. Sie kommen nach der Show zu dir und machen dir Komplimente.

hitparade.ch: Ist es in der Schweiz nicht auch so? Ich habe schon oft mitbekommen, dass die Schweizer ein bisschen zurückhaltender sind.
Christian: Ja, stimmt, früher war das nicht so!
Michiko: Das kommt schon auch vor, ich denke aber, in Japan sind die Leute viel schüchterner.

hitparade.ch: Wie habt ihr euch kennengelernt? Wann habt ihr gemerkt, dass ihr zusammen Musik machen wollt?
Christian: Ich habe ein Austausch-Semester in Holland gemacht und Michiko hat da studiert. Ein gemeinsamer Kollege hat uns beide eingeladen an ein Samichlaus-Fest (in Holland ist es üblich, dass man sich beschenkt und feiert). Ich habe damals an einer Musikschule studiert und kam dann mit ihr ins Gespräch. Michiko spielte einmal in einer Punk-Band und ich fragte sie, ob sie Lust hätte, musikalisch etwas zu machen. Darauf habe ich ihr meine Musik gezeigt und sie sagte mir, sie möchte die Musik fröhlicher haben. Es vergingen ein paar Wochen, bis wir den Musikstil gefunden hatten.

hitparade.ch: Wie reagieren die Schweizer darauf? Es könnte für manche Leute ein bisschen eigenartig klingen.
Michiko: In der Schweiz sind wir seltsam, weil ich in japanisch singe und in Japan ist es seltsam, dass ein Schweizer es komponiert. Dieser Mix macht uns speziell.

hitparade.ch: Macht es den Leuten scheinbar nichts aus, dass sie nichts verstehen?
Christian: Also, bei mir ist es extrem, dass ich nie auf den Text höre, es geht mir mehr um die Musik, es ist mir nicht so wichtig. Ich denke es gibt viele Leute, die vielleicht auch froh sind, wenn sie mal etwas Anderes hören.

hitparade.ch: Christian, du kannst mit einer Gurke Elektro-Klänge erzeugen, so habt ihr "I Got You (I Feel Good)" gecovert. Wie bist du auf diese verrückte Idee gekommen?
Christian: Ein Kollege hat von mir etwas organisiert, mit dem man selber Instrumente basteln kann. Wir haben eines gebastelt mit einem Licht-Sensor. Wenn man fast kein Licht hat, wird der Ton tief, wenn man viel Licht hat, wird der Ton hoch. Ich dachte, vielleicht geht es auch, wenn man zwei Nadeln in einen Apfel steckt. Darauf habe ich zwei Nadeln angelötet und es hat funktioniert. Es gibt eine Spannung, mit der man mit dem Licht bestimmen kann, wieviel Strom fliesst. Wenn die Nadeln weit auseinanderliegen, gibt es weniger Strom, also einen anderen Ton.

hitparade.ch: Funktioniert es auch an den Konzerten?
Christian: Ja, die Leute finden es super mit der Gurke und schauen manchmal auch recht begeistert.

hitparade.ch: Das Album heisst: "The Stone Collection Of Tim & Puma Mimi". Ihr habt also viele Steine gesammelt. Wie kam es dazu und was macht ihr mit diesen Steinen?
Michiko: Ich habe schon immer viele Steine gesammelt, in den Ferien oder sonst irgendwo; ich stecke sie dann in meine Tasche. Es wurden mehr und mehr. Christian musste dann manchmal meine Tasche tragen. Er sagte dann immer, sie sei schwer. Das ist eigentlich der Hintergrund, warum es so genannt wurde; ich sammle jeden Tag. Als wir entscheiden mussten, welchen Album-Titel wir nehmen sollten, dachten wir, dass "Stone Collection" doch cool wäre. Steine sind überall, genau wie die Musik. Manche unnütz, manche schön, manche klein und wertvoll. Auch bei der Musik kommen aus den kleinsten Ideen die besten Songs.

hitparade.ch: Ihr habt schon an vielen Orten und in vielen Ländern gespielt. Welches war bis jetzt euer Favorit-Konzert?
Michiko: Ich fand "Stadtsommer 2009" sehr cool. "Paléo Festival" war auch grossartig, das war das grösste Festival, an welchem wir gespielt haben. Wir waren da auch sehr nervös, ich hatte Bauchschmerzen, doch es war eine gute Erfahrung. Es war wirklich super, weil wir ja auch in Zürich wohnen. Es gab da eine Brücke, von welcher aus die Leute auch noch zuschauten, das war auch sehr cool!

hitparade.ch: Seid ihr immer noch nervös oder gewöhnt man sich mit der Zeit daran?
Michiko: Ja, ich werde schon nervös, aber nicht so sehr wie beim Paléo Festival.
Christian: Ich bin eher nervös, wenn noch spontan etwas hereinkommt, auf das ich nicht gut vorbereitet bin, aber sonst geht es eigentlich gut. Bei den grossen Festivals ist man nervöser.

hitparade.ch: Ihr seid mit dem Album auf Platz 55 in die Schweizer Hitparade eingestiegen. Ändert das etwas? Bedeutet euch das etwas oder ist das euch nicht so wichtig?
Michiko: Bis jetzt merkt man keinen grossen Unterschied, ob man nun in die Charts eingestiegen ist oder nicht.
Christian: Wir haben keine Zahlen vom Label aber die freuen sich, wir natürlich auch! Platz 55 ist wahrscheinlich auch nicht so hoch, aber wir freuen uns natürlich, dass wir in die Charts eingestiegen sind.

hitparade.ch: Wie hört ihr heute Musik? Kauft ihr noch CD's oder hört ihr auch Vieles im Internet, wie zum Beispiel auf Spotify?
Michiko: Christian hört Vieles auf Spotify!
Christian: Ja, ich denke, es ist die Zukunft, es könnte wahrscheinlich auch die Lösung sein, aber im Moment kann man von der Flatrate her nicht viel profitieren. Man kann kontrollieren, wie viele Leute deine Musik hören und für uns Indie-Bands ist es perfekt.
Michiko: Es zeigt dir auch ähnliche Musiker an, es ist gut, um Neues kennenzulernen.
Christian: Ich muss aber auch sagen, wenn ich weiss, dass die Band auf Spotify ist, dann kaufe ich die CD nicht. Ich muss auch sagen, ich brauche nicht von jedem Künstler die CD zu Hause, da ist Spotify perfekt.
Michiko: Wenn man die Musik wirklich mag, sollte man den Künstler aber unterstützen und die CD kaufen.
Christian: Ja, aber momentan ändert sich so viel. Das Internet ist für die meisten Leute viel bequemer.

hitparade.ch: Ihr habt auf der Page vor dem Release auch geschrieben, wer die CD vorbestellt, kommt mit Namen in das Booklet…
Michiko: Ja, ich war mir zuerst nicht sicher, ob diese Taktik gut ist, aber die Leute, die nun im Booklet aufgeführt sind, sind auch wirklich glücklich darüber.

hitparade.ch: Zu guter Letzt könnt ihr die Top 10 der Schweizer Alben-Charts bewerten.
Michiko: Oh, ob ich ein paar erkennen werde?!

hitparade.ch: Das macht nichts, einfach das kommentieren, was euch auffällt.

Jack White - Blunderbuss
Christian: Ich würde gerne hineinhören, aber ich habe es noch nicht geschafft.

Bastian Baker - Tomorrow May Not Be Better
Christian: Das ist dieser "süsse" Schweizer Sänger, der Schweizer Justin Bieber.

Santana - Shape Shifter
Michiko: Die haben wirklich ein neues Album? Wow… Respekt, dass sie schon so lange spielen!

Norah Jones - …Little Broken Hearts
Michiko: Die kenne ich am besten aus dieser Top 10! Cool!
Christian: Als ich Michiko kennengelernt habe, wurde sie berühmt und damals habe ich oft Norah Jones gehört.
Michiko: Aber ich habe einmal ihre Musik gehört und du hast gesagt, sie wäre zu süss und brav. *lacht*
Christian: Sie ist ganz okay, mir gefallen ein paar Songs.

Die Toten Hosen - Ballast der Republik
Christian: Die kennt Jeder, ein Freund von mir hat sie auch ständig gehört.
Michiko: Die sind auch schon älter?
Christian: Ja!
Michiko: Aha, also so "Punk is still alive!" Stuff? *lacht* Mir fällt auf, es gibt gar keine Elektronische Musik in den Top 10!
Interviewed by: Sonja Eberhard
Redaktion: Sonja Eberhard, Gabi Wegmüller


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