INTERVIEW MIT ALT-J



Alt-J - An Awesome Wave
1. Intro [An Awesome Wave]
2. Interlude I [An Awesome Wave]
3. Tessellate
4. Breezeblocks
5. Interlude II [An Awesome Wave]
6. Something Good
7. Dissolve Me
8. Matilda
9. Ms
10. Fitzpleasure
11. Interlude III [An Awesome Wave]
12. Bloodflood
13. Taro
14. Hand-Made [Secret Track]
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Drückt man auf einer englischen Mac-Tastatur die Tasten Alt und J zeitgleich, ergibt das Δ - ein beliebtes Symbol in Hipster-Kreisen. Dies ist der Grund, warum die britische Band Alt-J, oder eben Δ, gerne als Hipster-Band bezeichnet wird. Mathematisch gesehen steht das Δ (Delta) jedoch zudem für "Änderung" und ist somit ein passendes Symbol für die Geschichte der Newcomer-Band. Mit dem Release ihres hochgelobten Debütalbums "An Awesome Wave" ist ihnen ein grosser Schritt in Richtung der internationalen Musikbühnen gelungen.
Wir haben Gus (Keyboard & Gesang) und Thom (Schlagzeug) von Alt-J nach ihrem Auftritt am Zürich Openair getroffen und mit ihnen über Δ gesprochen.


hitparade.ch: Zwölf Uhr ist ziemlich früh für ein Festival-Konzert. Schade, waren nur so wenige Besucher da.
Gus: Stimmt, ziemlich früh, aber für uns war's trotzdem ein gutes, sehr entspanntes Konzert. Zudem gab es Platz genug für alle, manche Besucher tanzten sogar voller Begeisterung und Hingebung!
Thom: Ich fand zudem, dass wir dadurch weniger unter Druck standen.

hitparade.ch: Unter den Anwesenden fanden sich wirklich einige eingefleischte Fans. Ihr seid demnach nicht zum ersten Mal in der Schweiz?
Gus: Letzten Sommer durften wir am Montreux Jazz Festival auftreten und vor einigen Monaten spielten wir in Zürich.

hitparade.ch: Diesen Sommer konnte man euch auf diversen Festivals in Europa erleben. Ist das eine neue Erfahrung für euch?
Thom: Für uns ging es diesen Sommer so richtig los, ja. Zuvor traten wir schon an unterschiedlichen, kleineren Openairs in England auf. Es ist grossartig und aufregend, so vielbeschäftigt und in ganz Europa unterwegs zu sein.
Gus: ...und auch in Japan!

hitparade.ch: Eure CD wurde auch in Japan veröffentlicht?
Gus: Ja, wurde sie.
Thom: ich habe die CD sogar vor Ort im CD-Geschäft gesehen.

hitparade.ch: Stellt euch vor, jemand hat noch nie von Alt-J gehört. Wie würdet ihr dieser Person euch und eure Musik beschreiben?
Gus: Das passiert eigentlich sogar recht häufig. Ich treffe Leute, die mich fragen, was ich tue. Dann erzähle ich ihnen von Alt-J und sie wollen wissen, was für Musik wir machen. Normalerweise sage ich dann etwas von Folk, Indie, Electronica und auch einigen Hip-Hop-Einflüssen, aber unsere Mischung ist natürlich einmalig.
Thom: Für uns ist es schwierig, unsere Musik zu beschreiben, weil wir unsere Lieder beim Schreiben nicht einem bestimmten Genre zuordnen.

hitparade.ch: Wie kommt es, dass eure Musik so viele verschiedene Einflüsse hat? Mag jeder von euch einen anderen Musikstil?
Thom: Ja, so ist es, genau diese Vielfältigkeit macht unsere Musik aus.
Gus: Und wahrscheinlich ist es auch entscheidend, dass wir uns nie zum Ziel gesetzt hatten, einer bestimmten Musikrichtung zu folgen. "Kommt, wir machen jetzt einen rockigen Song!" oder "ein bisschen etwas Folkiges wäre toll!" gab es bei uns nicht. Als wir begannen, zusammen Musik zu machen, brachten wir alle unsere persönlichen Einflüsse mit und mischten diese.

hitparade.ch: Ist es einfach, die unterschiedlichen, musikalischen Interessen in eurer Musik auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen?
Gus: Diesbezüglich haben wir Charlie Andrew, unserem Album-Produzenten, viel zu verdanken. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was er persönlich für Musik hört, aber er schafft es, unsere Songs so klingen zu lassen, dass sie nicht allzu wild zusammengewürfelt erscheinen, sondern aus einem Guss.

hitparade.ch: Das Album "An Awesome Wave" wurde im Juni veröffentlicht. Die Reviews waren unglaublich gut! Manche Kritiker bemängelten sogar, dass die CD "zu perfekt" sei. Wie denkt ihr selbst über euren Erstling?
Thom: Wir sind sehr stolz darauf, ich liebe das Album! Die Reviews schmeicheln sehr und ermutigen uns, nicht alles falsch gemacht zu haben und unserem Weg weiterhin zu folgen.
Gus: Mit dem Album erreichten wir bereits mehr, als wir uns je erträumt hatten! Für manche Musiker ist die erste CD einfach ein Anfang. Wir bekamen bereits viele positive Kritiken und hatten die Möglichkeit, auf einigen grossen Bühnen Konzerte zu geben - dafür sind wir sehr dankbar!

hitparade.ch: Denkt ihr, es ist überhaupt möglich, ein perfektes Album aufzunehmen?
Gus: Nein, ich denke, nicht.
Thom: "An Awesome Wave" ist zum Beispiel für mich persönlich perfekt, trotzdem würde ich es nie allgemein so beschreiben.

hitparade.ch: Wenn ihr zurück schaut, wo seht ihr Verbesserungspotential? Gibt es Dinge, die ihr rückblickend vielleicht lieber anders angegangen wärt?
Thom: Darüber habe ich eigentlich noch gar nie nachgedacht...
Gus: ...aber ich! Zum Beispiel bezüglich des Gesangs wünschte ich mir manchmal, ich hätte gewisse Stellen besser gesungen. Aber es sind wirklich nur kleine Dinge, die mir aufgefallen sind, ich denke, die gibt es immer.

hitparade.ch: Wie lange dauerte der Entstehungsprozess von "An Awesome Wave"?
Thom: Im Jahr 2008 trafen wir uns an der Universität in Leeds und gründeten die Band. Joe, unser Sänger, hatte mit der Akustik-Gitarre schon einige Songs geschrieben. Während drei bis vier Jahren entstanden die Lieder.
Gus: Den Song "Matilda" nahmen wir aber zum Beispiel bereits vor drei Jahren auf und der Song ist heute auf der CD. Die Entstehung des Albums war also eine längerfristige Entwicklung mit Songwriting und Studio-Aufnahmen. Als wir effektiv den Platten-Deal unterschrieben, hatten wir bereits viele Songs für die CD beieinander.

hitparade.ch: Ihr wart bereits gute Freunde, bevor es Alt-J gab. Funktioniert die Mischung aus Freundschaft und gemeinsamer Arbeit gut?
Thom: Zum Glück funktioniert das bei uns wirklich gut, ja. Klar gibt es ab und zu Uneinigkeiten, aber das schwächt unsere Freundschaft nicht - im Gegenteil! Ich glaube, man kann sagen, dass wir gegenseitig unsere Gesellschaft immer noch sehr schätzen.

hitparade.ch: Und wenn ihr Freizeit habt, verbringt ihr die dann auch zusammen, oder geniesst jeder für sich seine Ruhe?
Gus: Das ist unterschiedlich. Wenn wir einen freien Tag miteinander verbringen, fühlt sich das anders an, als wenn wir mit Alt-J unterwegs sind. Obwohl die gleichen Leute dabei sind, es herrscht irgendwie eine andere Dynamik. Momentan kommen wir jedoch sowieso selten in Genuss von Freizeit, darum versuchen wir, wenn es so weit ist, möglichst lange bei unseren Familien und Freundinnen zu sein.

hitparade.ch: Wie bereits erwähnt, habt ihr euch beim Kunstwissenschaft-Studium an der Universität kennengelernt. Denkt ihr, der akademische Hintergrund von Alt-J zeigt sich auch in euren Songs, zum Beispiel in den Texten?
Thom: Definitiv, ja. Durch das Kunst-Studium lernten wir eine gewisse kreative Herangehensweise an die Sache. Das ständige Sein in einem künstlerischen Umfeld beeinflusst deine Arbeit, das unkonventionelle Denken fällt einem leichter.
Gus: Es macht dich aber auch sehr kritisch. Das zeigt sich vor allem beim Songwriting, wo wir ziemlich perfektionistisch darauf achten, wer was tut, und nicht einfach drauflos probieren. Ich denke, dieser starke Fokus kommt vom Lesen vieler kritischer Texte und auch vom Selbst-kritisiert-und-beurteilt-Werden.

hitparade.ch: Dann ist Songwriting für euch nicht einfach nur Spass, sondern harte Arbeit?
Thom: Es ist Arbeit, das stimmt. Und die Arbeit kann hart sein. Wir nehmen das Songwriting ernst, Kompromisse gibt es bei uns nicht. Wenn ein Song nicht den Vorstellungen entsprechend funktioniert, lassen wir ihn weg. Aber für uns ist das Schreiben trotzdem ein natürlicher Vorgang, wir müssen uns nicht dazu überwinden oder anstrengen.
Gus: Normalerweise wenden wir für die Songs aber viel Zeit auf, durchschnittlich drei bis sechs Monate, würde ich sagen. Ein Lied, das während eines einzigen Nachmittages entsteht, gibt es bei Alt-J nicht.
Thom: Und selbst wenn es jemals passieren würde, irgendwann kämen wir bestimmt noch einmal auf den Song zurück…
Gus: Genau.

hitparade.ch: Wie sieht es eigentlich mit Feedback von eurer Universität aus? Gab es nach dem CD-Release Reaktionen aus diesem Umfeld?
Thom: Wir bekommen oft Nachrichten von Leuten aus dem Studium, die uns jetzt irgendwo im TV oder auf Plakaten sahen und sich bei uns melden. Von Dozenten weiss ich aber nichts.
Gus: In der Universitäts-Zeitschrift von Leeds konnte man einen Bericht über Alt-J lesen. Da schreiben sie normalerweise über Leute, die in Verbindung mit der Universität stehen und zum Beispiel einen Nobelpreis gewinnen oder wichtige Forschungen betreiben. Oder eben über Alt-J, die damals gerade ihre erste Single veröffentlicht hatten.

hitparade.ch: Wie sieht es aus mit euren Zukunftsplänen? Arbeitet ihr bereits an neuen Songs?
Thom: Nicht aktiv, nein. Ideen haben wir, aber wir konzentrieren uns noch nicht auf ein neues Album.

hitparade.ch: Auf eurer Website sind einige Konzertdaten zu finden. Geht ihr bald auf eine Club-Tour?
Gus: Genau, wir sind unterwegs während den nächsten… Ach, was weiss ich wie lange… Wenn wir jemals mit der Tour zu diesem Album fertig werden, beschäftigen wir uns mit einem neuen.

hitparade.ch: Wie unterscheiden sich Alt-J an einem Festival von Alt-J in einem Club?
Gus: Bei Konzerten in Clubs herrscht eine andere Stimmung und du behandelst auch das Publikum anders. Zurzeit experimentieren wir mit zusätzlichen Musikern, wie Streicher, die uns live unterstützen und auch mit Chören haben wir schon zusammengearbeitet. Man darf also gespannt sein…
Interviewed by: Yvonne Zgraggen
Redaktion: Yvonne Zgraggen


Linktipps:
Das Album "An Awesome Wave" anhören und downloaden

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