INTERVIEW MIT REA GARVEY



Rea Garvey - Prisma
1. Fisher Song
2. Armour
3. Fire
4. Echo Me
5. Put Your Tools Down Boys
6. Before You Go
7. I'm All About You
8. War
9. Run For The Border
10. Scars
11. Mockingbird
12. Rea Garvey feat. Stefanie Heinzmann & Marlon Roudette - Plain Sailing
13. Way Going On
14. Out On The Western Plain
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"Ich habe viele Fehler gemacht. Und ich habe sie gerne gemacht"

Rea Garvey hat sich mit seinem neuen Album "Prisma" den Themen Hinsehen, Wachwerden und Aufstehen auseinandergesetzt. Analog zum Prisma des Album-Titels wird ein breites Spektrum an musikalischen Schattierungen präsentiert. Als Musiker sei es seine Aufgabe, wichtige Dinge zu sagen, erklärt er im Interview.

Wie lange hast Du an Deinem neuen Album "Prisma" gearbeitet?
Rea: Insgesamt dauerte es ein Jahr, wenn man Songwriting, Aufnahmen und Veröffentlichung mitzählt. Wir kamen damals direkt von der Tour und ich war total motiviert und kreativ. Ich hatte einfach Bock und wollte nicht warten. Ich hatte einfach Lust darauf, gleich wieder etwas zu machen. Ich hatte damals bereits für die neue Staffel von "the Voice" zugesagt. Das passte vorher perfekt. Es war natürlich nicht viel Zeit. Aber auch wenn ich wenig Zeit hatte: Ich hätte nie eine schlechte Platte herausgebracht, nur weil ich es eilig hatte. Es hat sich einfach so ergeben und ich wollte diesen Zeitdruck spüren. Ich finde, die Scheibe ist echt stark geworden. Ich würde sogar sagen, bisher meine beste Arbeit.

Das heisst, Du kannst unter Zeitdruck auch kreativ sein?
Rea: Ich bin ein guter Krisen-Manager und habe die Fähigkeit, auch unter Druck einen klaren Kopf zu bewahren. Ich bin gut darin, immer einen Weg zum Ziel zu finden.

Was steckt hinter dem Album-Namen "Prisma"? Geht es dabei um die verschiedenen Spektren Deiner Musik?
Rea: Die Musik an sich ist das Prisma. Mit einem Gedanken geht man in die Musik hinein, mit vielerlei Gedanken kommt man wieder heraus. Dass man nachdenkt, dass man seine eigene Stimme findet, zu sich selbst steht und für seine Meinung einsteht. Anstatt sich hinter Anderen zu verstecken. Man sollte selbstbewusst sein. Als Musiker sehe ich das als meine Aufgabe an. Man muss dafür kämpfen, gehört zu werden.

Als Musiker hat man diese Möglichkeit ja.
Rea: Absolut. Mann kann sein Haus oder sein gepimptes Auto zeigen, oder aber man kann über wichtige Sachen reden (lacht). Ich glaube, die Musiker, die ich schätze, die reden über wichtige Sachen.

Wie wird Deine neue Musik live 'rüberkommen?
Rea: Ehrlich gesagt war mir von Anfang an bewusst, dass innerhalb des Albums viel kommen würde, das wir auch live gut umsetzen können. Ich denke, dass die kämpferischen Songs besonders gut funktionieren werden. Songs wie "War" oder "Fire" werden wahrscheinlich grosse Live-Kracher. Auch "Armour" habe ich schon live gespielt und der war ebenfalls der Hammer. Ich glaube, es geht vorallem um das Gefühl, das man dem Publikum übermittelt. Im Sinne von: "Hört Ihr das? Hörst Du mich?". Das kann man als Musiker machen. Wir haben schon geprobt für die neue Tour und es wird sicher toll!

Ist es auch nach so vielen Jahren als erfolgreicher Musiker noch ein merkwürdiges Gefühl, persönliche, neue Songs vor Publikum zu spielen und deren Reaktionen zu erleben?
Rea: Sehr sogar. Ich leide darunter. Ich bin wahnsinnig sensibel, was das angeht. Ich muss auch versuchen, nicht nachzudenken, während ich singe. Sonst vergesse ich den Text oder falle aus dem Konzept. Es ist eine Entwicklung der Beziehung mit diesem Lied. Mit der Zeit kann man sagen: "Wir kennen uns jetzt, lass uns das zusammen schaffen" (lacht). Diese Chemie ist sehr entscheidend. Denn manchmal schreibe ich die Musik, manchmal kommt sie einfach durch mich hindurch. Man sollte sich dafür öffnen und sie einfach fliessen lassen. Manchmal versteht man sie am Anfang nicht. Aber wenn man sich darauf einlässt und weitergeht, kann es zu einem wunderbaren Ergebnis führen. Irgendwann stehst Du auf der Bühne und verstehst alle Einzelheiten der Entwicklung und wo es herkommt. Das ist der Segen, wenn man Musiker ist. Man erlebt die Dinge mehrmals.

Wie schreibst Du Songs? Welche Instrumente spielst Du?
Rea: Ich spiele okay Gitarre, schlecht Klavier und bin auch schlecht am Computer. Beim Songwriting habe ich die Gitarre auch schon oft weggelegt und einfach nur an der Melodie gearbeitet. Ich schreibe sehr gerne gemeinsam mit Anderen Songs. Seit Beginn meiner Solo-Karriere schreibe ich gerne und oft gemeinsam mit Andy Chatterley, meinem Produzenten. Wir haben schon zahlreiche Songs zusammen geschrieben. Er versteht mich! Und wir schreiben und arbeiten gerne zusammen. Wir sind wie zwei alte Männer manchmal. Dann sitzen wir nur da, schauen aus dem Fenster und reden über das Leben. Und wenn Alkohol ins Spiel kommt, dann ist der Tag sowieso gelaufen (lacht). Also für mich. Er trinkt ja gar nichts.

Was ist Deine grösste, musikalische Stärke?
Rea: Ich glaube daran. Und das ist wohl auch meine Stärke. Ich spiele die Musik auch mit diesem Glauben und dieser Überzeugung. Wenn ich nicht überzeugt wäre, würde ich es nicht machen. Ich glaube, dass ein Lied bei mir durchkommt, ist nicht leicht. Da muss alles stimmen. Fürs Live-Spielen muss es sogar noch perfekter sein. Wenn Du vor dem Publikum stehst und es ist nicht echt, dann fällt es auseinander. Man spürt auch, wie das Interesse der Zuhörer nachlässt, wenn man selbst nicht mit vollem Herzen dabei ist. Das ist eine bröselnde Energie, die man nicht greifen kann. Das willst Du ja nicht. Man will ein Publikum, das sich anstecken lässt und mitzieht. Das schafft man nur mit Überzeugung. Ich lebe die Musik.

Gibt es denn auch etwas, das Du gerne besser können wollen würdest?
Rea: Vieles! Ich will immer besser singen, spielen, schreiben können. Man kann sich immer verbessern. Manchmal denke ich zu viel über Sachen nach.

Wann ist denn ein Song für Dich ein guter Song?
Rea: Wenn ich ihn liebe. Wenn ich ihn nicht liebe, dann ist er für mich nun mal nicht gut. Ich kann mich in ein Lied verlieben, aber dennoch enttäuscht sein. Es gibt einen Song von Arcade Fire. Vom Anfang bin ich komplett überzeugt und total begeistert. Und das Ende finde ich total Scheisse. Am liebsten würde ich die Band anrufen und sagen: "Warum habt Ihr den Song nicht richtig zu Ende geschrieben? Der Anfang ist doch so geil!" (lacht). Auch Florence + The Machine finde ich cool, aber ich finde, wenn man zu kreativ ist und zu viel möchte, kann es auch nach hinten losgehen. Ich bin mit Mainstream aufgewachsen. Und wenn jemand die Musik für mich zu kompliziert macht, dann finde ich es oft nicht mehr cool.

Was denkst Du über das Supergirl-Cover, das zurzeit in den Charts ist?
Rea: Ich find's gut. Ich finde, Anna Naklab hat eine Super-Version daraus gemacht. Es war auch die einzige Version, bei der ich gefragt wurde, was ich davon halte. Und ob das Okay sei. Das war das erste Mal, wo ich Ja gesagt habe. Zu Recht. Es ist anders als unsere Version, was auch gut ist. Eine Kopie hätte ich blöd gefunden. Ich habe schon beim Original nicht damit gerechnet, dass es einen solch grossen Erfolg haben würde. Nun freue ich mich, dass auch das Cover so gut ankommt.

Gibt es einen Song, den Du gerne mal covern würdest?
Rea: Das ist eine gute Frage. Es gibt einige Lieder, die ich am liebsten umschreiben würde, wenn ich die Zit dafür hätte. Gerade bei "the Voice" beschäftige ich mich oft mit Musik von anderen Menschen. Ich glaube, da sollte man sich monatelang dafür Zeit nehmen. Denn einfach eine Akustik-Gitarre zu nehmen und das Lied zu spielen, das ist irgendwann langweilig. Innovativ ist es jedenfalls nicht. Deswegen gefällt mir auch das Supergirl-Cover sehr gut. Es ist komplett etwas Anderes. Und das ist die Aufgabe, wenn man ein Cover macht.

Was gefällt Dir denn sonst noch an der Arbeit bei "the Voice"?
Rea: Ich habe bei der letzten Staffel sehr viel Spass gehabt. Und solange es mir Spass macht, mache ich weiter. Sobald der Spass-Faktor bei mir aufhört, steige ich aus. Das wäre sonst auch nicht fair, denn es gibt sicher viele gute Musiker da draussen, die total Bock darauf hätten und das gut machen würden. Es ist wichtig, dass man authentisch bleibt und seine eigene Meinung vertritt. Und das kann man bei "the Voice". Man will sich sicher nicht immer wiederholen.

Hättest Du früher selbst auch bei einer solchen Sendung mitgemacht?
Rea: Weiss ich nicht. Ich bin als 17-Jähriger mit der Gitarre auf die Strasse gegangen und habe viel Spass gehabt. Ich konnte in Kneipen gehen und mit dem Trinkgeld Runden bezahlen. Und das war auch mein Ziel. Da denkt man nicht mehr darüber nach. Wenn Du aber als junger Mensch auf einmal in einer solchen Casting-Show stehst, trägst Du plötzlich eine sehr grosse Verantwortung. Ich weiss nicht, ob ich damals diese Verantwortung hätte tragen wollen. Ich habe viele Fehler gemacht und habe sie auch gerne gemacht. Ich bin froh, stand da damals nicht ein Kamera-Mann und sagte: "Rea Garvey macht wieder einen Fehler." Jedem, der dabei Spass hat, gönne ich es total, wenn es funktioniert. Ich achte darauf, dass in meinem Team Menschen sind, die mit diesem Druck der TV-Sendung umgehen können. Die Show darf Dich nicht zerstören. Das ist mir wichtig. Ich bin für manche dort eine Vaterfigur, da ich seit so langer Zeit dabei bin. Andererseits ist man mit 18 auch erwachsen.

Du lebst in Berlin. Sehnst Du Dich manchmal nach Deiner Heimat Irland?
Rea: Sehr. Ich war gerade kürzlich da. Und ich habe nie das Gefühl, dass Irland mir davonläuft. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich dahin muss. Es ist einfach meine Heimat. So wie die, die vom Land kommen, und in Zürich wohnen. Als ich noch zuhause bei meinen Eltern im Süden - in Kerry - gewohnt habe, war ich trotzdem nur selten zu Hause. Ich telefoniere jeden Tag mit meinen Eltern.

Interviewed by: Stella Nera
Redaktion: Stella Nera


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