INTERVIEW MIT TROUBAS KATER



Troubas Kater - Verdammte Novämber
1. Ächti Heude [Tuba Duo]
2. Säg kes Wort
3. Latvia
4. Lieber Fanfare aus nie
5. Wie chöit Dir nume [Guitar Duo]
6. Bi nid so
7. Ei Schritt meh
8. 1984 [Drum Duo]
9. Mach Fähler
10. Ross
11. Auso
12. Ladrina
13. Falter [Akkordeon Duo]
14. Affe
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"Wir zeigen Ecken und Kanten"


Sie singen von in Zwetschgenwasser konservierten Herzen, von hämmernden Katerkopfschmerzen, von Kühen im Garten und davon, was auf der Welt alles falsch läuft. Mit ihren Berner Folk-Klängen treffen Troubas Kater den Nerv der Zeit. Kaum aufgetaucht, sind sie als "Best Talent" für die "Swiss Music Awards" nominiert. Frontmann QC - bekannt als Kopf von "Männer am Meer" - spricht im Interview über den erfolgreichen Start der Berner Mundart-Band.

Du wolltest herausfinden, wie Bern klingt. Weisst Du es jetzt?
Es ging mir nicht darum, eine Antwort darauf zu finden. Ich wollte mich einfach von dieser Fragestellung inspirieren lassen. Die Frage, wie Bern wohl klingen mag, wurde für mich zum Wegweiser. Und ich denke, das ist mir gelungen. Ich habe eine Super-Truppe, die mit mir auf der Bühne steht. Live geht es total ab!

Wo hast Du denn all diese Super-Musiker gefunden?
Bern ist eine Goldgrube, was gute Musiker angeht. Es ist ein riesiger Kuchen, irgendwann kennt jeder jeden. Schlagzeuger Bali beispielsweise, der schon bei Gustav und Plüsch gespielt hat, ist mein WG-Kumpel. Ein anderer ist seit vielen Jahren schon ein guter Freund von mir. So kann's gehen.

Bern ist wirklich eine Goldgrube. Da gibt's ja viele Mundart-Musiker. Inspirieren Dich andere Berner Bands?
Es gibt in der ganzen Schweiz viele tolle Mundart-Musiker. Und ja, interessanterweise kommen sehr viele davon aus Bern und teilweise sind die auch eine Inspiration. Doch der Grund, dass ich berndeutsche Musik mache, ist der, dass dies meine Muttersprache ist. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich mit der Sprache arbeiten möchte, in der ich denke und spreche.

Wie entsteht ein Troubas Kater-Song?
Das ist extrem unterschiedlich. Mal ist es ein Riff, das uns sofort gefällt, oder aber eine Skizze oder ein Text bringen uns dazu, die Musik drumherum aufzubauen. Manchmal steht am Anfang etwas Kleines, Zerbrechliches, das am Ende durch die Musik stark wird. Mir ist es extrem wichtig, die Texte schön in Szene zu setzen.

Bei einem Song wie "Latvia" sieht und spürt man sofort die Natur Lettlands. Du warst aber noch nie in Lettland. Woher kommen diese Bilder?
Ich war tatsächlich nie in Lettland. Der Text zu "Latvia" war eine Art Traumbild. Ich habe ihn so geschrieben, wie ich die Natur in diesem Bild gespürt habe. Eine Frau kam in diesem Bild vor. Doch ich wollte dem Song keinen Frauennamen geben, das wäre zu kitschig gewesen. Latvia ist ein tolles Wort und es hat einfach gepasst.

Gewisse Songs wie beispielsweise "Ladrina" lösen Seefahrer-Feeling aus. Kommt das von Deiner Weltreise? Ist es Fernweh?
Dieses Feeling hat auf jeden Fall mit meiner Reise zu tun. Ich mag diesen Mood, unterwegs zu sein. Das passt auch gut zu unserem Leben als Musiker. Wir sind auch viel unterwegs. Dauernd sind wir in Bewegung, müssen von A nach B und von B wieder zurück nach A mit einem Umweg über C und D.

Der Song "Lieber Fanfare aus nie" ist ein Text, der brutal einfährt. Bist Du ein Therapie-Song-Mensch?
Ich glaube, der Text fährt so ein, weil es hier wohl am schönsten gelungen ist, diesen Text mit der Musik zu inszenieren. Die Bläser verleihen dem Text und der Aussage eine gewisse Intensität, die es bei diesem Thema braucht. An diesem Song haben wir lange gearbeitet, immer wieder herumprobiert. Und ihn dann immer weiter gepusht, bis der Text am Ende wie ein Surfer über die Musik reiten konnte. Es hat einfach gepasst. Und so ist dieser Song zu meinem Lieblings-Song auf der CD geworden. Was die Therapie angeht, so schöpfe ich aus eigenen Erfahrungen, mische diese jedoch mit Erfahrungen aus meinem Umfeld. ich setze die Fetzen zusammen und mache eine Collage aus verschiedenen Emotionen von verschiedenen Menschen. Das finde ich sehr interessant.

Du bist ein talentierter Freestyle-Rapper, was Du zurzeit live unter Beweis stellst. Wie geht das, verdammt?
Ich habe als Rapper angefangen in kaputten Räumchen und daran gearbeitet. Ich glaube, das kann man lernen. Mich haut es auch um, wenn ein Pianist spontan etwas Geiles spielt. Ich habe alle möglichen Genres durchprobiert - von Rock über Reggae bis hin zu Elektro. Und jetzt hat sich meine Mischung aus Rap und Gesang so entwickelt. Ich denke, ich habe mich mit Troubas Kater total gefunden.

Troubas Kater gibt es seit Sommer 2015. Wie kommt es, dass Ihr einen solchen Steilstart hingelegt habt? Habt Ihr diesen Erfolg angepeilt oder wart Ihr komplett überrascht, als der Erfolg kam?
Wir waren definitiv überrascht. Dieses Ausmass hatten wir absolut nicht erwartet. Wir wollten einfach nur Strassenmusik machen und hofften, ein paar coole Konzerte spielen zu können. Auch die CD haben wir ohne Budget selbst produziert. Es ging Schritt für Schritt auf einmal vorwärts. Es kamen immer bessere Chancen, immer grössere Konzerte und auf einmal waren wir für den "Swiss Music Award" nominiert. Richtig erklären kann ich mir das nicht. Klar, ich habe Super-Musiker am Start! Vielleicht liegt der Erfolg darin, dass wir uns von diesen aufpolierten Pop-Produktionen unterscheiden, indem wir bodenständige Musik machen, die voller Leben ist und Ecken und Kanten hat.

Spürt Ihr jetzt einen Erfolgsdruck? Oder bleibt Ihr gelassen?
Klar bringt dieser Erfolg Änderungen mit sich. Wir haben immer grössere Konzerte, die werden auch immer aufwändiger. Der finanzielle Druck steigt dadurch etwas an - darüber hatten wir uns vorher keine Gedanken gemacht. Und auch die Erwartungen an uns steigen natürlich. Aber verbiegen werden wir uns nicht. Wir arbeiten aus dem Bauch heraus und aus der Seele.

Jetzt seid Ihr für den "Swiss Music Award" nominiert. Was bedeutet Euch diese Nomination?
Es ist eine Krönung. Eine Ehre und eine riesige Überraschung. Ich weiss nicht, wieso man nominiert wird. Beim Begriff "Best Talent" fallen mir sicher 50 Bands ein, die diese Nomination verdient hätten. Daher freuen wir uns natürlich alle irrsinnig darüber.

Was passiert dieses Jahr noch mit Troubas Kater?
Wir haben einen tollen Konzert-Frühling und -Sommer vor uns. Es wird einige Super-Auftritte geben. Und wir sind total am "bügle" und arbeiten bereits an neuen Ideen. Es wird auf jeden Fall ein intensives Jahr. Und ich freue mich darauf.
Interviewed by: Stella Nera
Redaktion: Stella Nera


Linktipps:
Zum Album "Verdammte Novämber" von Troubas Kater

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