INTERVIEW MIT SWISS JAZZ ORCHESTRA



Eine Funk-Diva, Berner Barden und die First Lady aus dem Wallis hat sich das Swiss Jazz Orchestra für sein jüngstes Projekt auf die Bühne geholt: In «Buebetröim» spielen hochkarätige Jazzmusiker, singen unvergleichliche Mundart-Cracks und Pop-Sänger. Und sie schreiben die Schweizer Rock- und Popgeschichte neu. Wir haben Johannes Walter, einen der beiden Arrangeure, zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Wie kommt man auf die Idee, eine Big Band zu gründen? Hat das nicht etwas Verstaubtes an sich?
Johannes: Diese Big Band entstand aus einer Idee des damaligen Leiters der Jazz-Schule Bern. Er nahm sehr viele Studenten, welche gerade abgeschlossen hatten in diese Band auf, weil schon die Schulklasse so gut funktioniert hat. Die Big Band ist eine Disziplin beim Jazzmusiker, welche leider sehr schwierig ist aufrecht zu erhalten, weil es meistens aus finanzieller Sicht ein Debakel gibt. So dachten sie sich, man versuche mal auf diese weise ein professionelle Big Band auf die Beine zu stellen, weil es natürlich auch riesen Spass macht. Das war im September 2003 und dieses Projekt lebt zum Glück immernoch.

hitparade.ch: In der Schweiz gibt es zwei grosse Namen in Sachen Big Bands - zum einen Pepe Lienhard, zum anderen Hazy Osterwald, ein gebürtiger Berner. Waren das Inspirationen für euch?
Johannes: Ja, beide sind eng verknüpft mit uns. Mit Pepe Lienhard zusammen haben wir unsere erste Platte rausgebracht und auch Konzerte gegeben. Viele von unseren Musikern haben auch sonst viel mit ihm zusammen gearbeitet. Hazy Osterwald entstammt halt noch einer anderen Generation. Er ist jedoch Mitglied bei unserem Swiss-Jazz-Orchestra-Verein und kommt etwa zweimal im Jahr an unsere Konzerte. In diesem Sinne sind das sicher Vorbilder für uns.

hitparade.ch: Auf wie viele Musiker auf der Bühne muss sich der nichtahnende Konzertbesucher gefasst machen, wenn er sich spontan entschliessen sollte, an einem Montag Abend einmal im Bierhübeli vorbeizuschauen?
Johannes: Wir sind meisten zwischen 16 und 18 Personen. Eine Big Band besteht ja aus einer festen Formation. Je nach dem kommt es darauf an, ob man noch eine Gitarre oder mehr Perkusion hinzunimmt, um das Ganze aufzupeppen. Zusätzlich können noch Gastmusiker hinzukommen.

hitparade.ch: Nun seit ihr ja seit Jahren jeden Montag im Bierhübeli. Wie waren die Reaktionen am Anfang?
Johannes: Ermutigend. Ich muss dazu sagen, dass wir nicht das ganze Jahr hindurch spielen. Wir beginnen im Herbst und spielen bis Ende Mai. Jetzt geht gerade unsere vierte Saison zu Ende. Am Anfang war das natürlich eine sehr gewagte Sache.
Wir begannen ohne Geld jeweils einmal die Woche dort zu spielen. Wir haben das dann allen unseren Freunden erzählt und auch interessierte Jazzmusiker haben davon gehört. Irgendwann haben wir dann diesen Verein gegründet. Das waren Mitglieder aus der Wirtschaft und Politik, die unsere Leidenschaft geteilt haben. Das hat uns natürlich sehr geholfen. Wir haben Sponsoren gefunden, welche geholfen haben, das ganze Projekt beizubehalten. Mittlerweile haben wir steigende Besucherzahlen, das Bierhübeli ist immer gut besetzt. Anfangs waren da jeweils nur ein paar Leute. Jetzt wird es immer besser.

hitparade.ch: In den 80er Jahren waren die Symphonie-Orchester gross angesagt, fast jede grosse Rockband machte eine CD mit einem solchen Orchester. Nun sind die Big Bands wieder am aufkommen, unter anderem auch dank Robbie Williams. Habt ihr keine Angst, dass diese Idee zu einem Massenprodukt oder zu einem schnell verschwindenden Trend verkommt?
Johannes: Ja, diese Angst könnte man schon haben. Bei uns ist das ja keine Zusammenarbeit, welche über 10 Jahre funktionieren muss.
Es ist immernoch ein Projekt, welches im Moment lebt, viel Schwung hat und sicher irgendwann auch mal abgeschlossen wird.
Sicherlich ist es kein PR-Ding, welches nur auf der Welle mitreiten und davon profitieren will. Es ist alles aus einer Idee an einem
Konzert im Bierhübeli zusammen mit Schmidy Schidhauser entstanden. Natürlich hat die ganze Robbie Williams Geschichte uns
geholfen, dass man uns gewisse Aufmerksamkeit schenkt, aber unsere neue Platte hat zum Beispiel gar nichts damit zu tun. Bei
uns präsentieren Sänger ihre eigenen Songs, welche von uns einfach neu bearbeitet werden.

hitparade.ch: Offenbar habt ihr bereits früh versucht, mit dem Swiss Jazz Orchestra Neues auszuprobieren und habt eine CD gemacht, wo ihr Bilder des Malers "Paul Klee" musikalisch interpretiert habt. Habt ihr da bewusst versucht, einen eigenen, speziellen Weg zu gehen oder war das eine spontane Idee?
Johannes: Das war schon so unsere Idee. Neben dem regelmässigen Konzertbetrieb im Bierhübeli haben wir uns bewusst entschieden, andere Sachen zu machen, welche sich klar davon abgrenzen. Diese Klee-CD war definitiv ein künstlerisch anspruchsvolles Projekt.

hitparade.ch: Nun gibt es von euch eine neue CD, welche bald erscheint - "Buebetröim" - eine CD mit bekannten Stücken von bekannten Schweizer Bands, gesungen von den Originalsängern. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?
Johannes: Im Bierhübeli findet einmal im Monat die sogenannte "Gala Night" statt, bei welcher wir jeweils mit Gastmusikern auftreten. Unserem Produzenten gefiel das sehr gut. Viele unserer Musiker haben dann Interpreten, mit welchen sie schonmal gearbeitet haben, angefragt. Diese haben dann glücklicherweise auch zugesagt und grosses Engagement gezeigt.

hitparade.ch: War es schwierig, die verschiedenen Künstler zum Mitmachen zu bewegen?
Johannes: Nein, im Gegenteil. Sie fanden die Idee super und es war für sie eine willkommene Abwechslung. Wir waren teilweise schon erstaunt, wieviele bereit sind mit uns zu arbeiten. Aber wenn erst einmal einige zugesagt haben, kommt der Stein ins Rollen.

hitparade.ch: "Buebetröim" - Wenn man mit Musiker/innen diskutiert scheint es wirklich der Traum eines jeden Artisten zu sein, einmal mit einer Big Band auftrumpfen zu können. Hast du da ähnliche Erfahrungen gemacht?
Johannes: Ja, daraus ist auch der Albumtitel entstanden. Für uns selbst ist es ja zum Teil auch ein Traum mit Musikern aus unserer Jugend zu arbeiten. Die Künstler selbst haben auch immer wieder erwähnt, wie toll es für sie sei mit einem so grossen Orchester aufzutreten.

hitparade.ch: Gab es Reaktionen von Musikern, die nicht auf der CD vertreten sind, welche gefunden haben, dass sie da auch gerne mitgemacht hätten?
Johannes: Nein, eigentlich nicht. Es gibt auch niemanden, den wir angefragt haben und der abgesagt hätte. Natürlich hätten noch weitere Musiker mitmachen können. Es ist möglich, dass wir in Zukunft wieder einmal ein ähnliches Projekt auf die Beine stellen werden.

hitparade.ch: Jetzt sind noch diverse Konzerte geplant, u.a. in Schaffhausen und sogar am Gurtenfestival. Sind da alle Sänger und Sängerinnen auch dabei?
Johannes: In der Regel sind nicht ganz alle dabei. Das ist planerisch schlichtweg unmöglich. Natürlich haben wir nur für Konzerte zugesagt, bei welchen wir einen grossen Teil der Sänger dabei haben können. Man sieht dann jeweils im Festival-Planer, welche Musiker mit uns dabei sein werden.

hitparade.ch: Plant man jetzt mit diesem Programm eine weitläufigere Tour?
Johannes: Wir beginnen im Mai und der letzte Gig findet irgendwann im Oktober statt. Es kann sein, dass sich unterdessen noch weitere Konzerte - auch für das nächste Jahr - ergeben werden. Für eine weitläufigere Tour ist das Ganze nun zu kurzfristig, da so viele Leute involviert sind.

hitparade.ch: Wie sieht die Zukunft des SJO aus? Seid ihr bereits neue Ideen und Pläne am Schmieden?
Johannes: Erste Priorität haben unsere Konzerte im Bierhübeli. Dabei gilt es jedes Jahr einen neuen Kampf um Sponsorengelder zu bestreiten, so dass wir gewährleisten können, dass das Ganze auch nächstes Jahr wieder durchgeführt werden kann. Finanziell sind uns für weitergehende Projekte einfach zu sehr die Hände gebunden um weiter voraus planen zu können. Aber wird sind immer sehr zuversichtlich, denn bis anhin hat es immer irgendwie geklappt.

hitparade.ch: Traditionsgemäss zeigen wir dir noch die aktuelle Top 10 der Schweizer Single Charts, die du nun Kommentieren sollst.

10. Nelly Furtado - All Good Things (Come To An End)
Johannes: Der Song hat was. Ist sicher einer, der mir am ehesten zusagt.

8. Justin Timberlake - What Goes Around... Comes Around
Johannes: Den finde ich einen "geilen Siech". Auch tänzerisch beeindruckt er mich immer wieder.

6. Avril Lavigne - Girlfriend
Johannes: Den Song kenne ich nicht, aber ihre Songs bleiben einem. Dennoch werde ich nicht wirklich warm mit dem Musikstil.

4. DJ Bobo - Vampires Are Alive
Johannes: Den Song kenne ich natürlich, da kommt man leider nicht drum rum. Er gefällt mir gar nicht. Der Song hat für mich einfach zu wenig Substanz.

3. Jennifer Lopez - Qué hiciste
Johannes: Der Song ist ok. Er hat einen gewissen Retro-Touch und ist sicher mehr Latino-angehaucht als ihre alten Sachen. Das finde ich eigentlich cool.


Linktipps:
Zum aktuellen Album "Buebetröim" - 5 Alben zu gewinnen
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