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Interview mit Frameless - hitparade.ch

Mehr Dreck, Ecken und Kanten!


Die Band FRAMELESS aus Luzern setzt ihrer Kreativität keine Grenzen. Das zeigen die fünf Musiker mit ihren neuen Songs. Die gewohnt poppigen Stücke klingen jetzt rauer und härter - ohne dabei ihren melodiösen Pop-Charakter zu verlieren. Sängerin Selina Jäger und Drummer Jan Bachmann erklären im Interview mit hitparade.ch, wieso sie keine EP herausgeben, sondern gleich fünf Singles veröffentlichen werden.

Ihr heisst FRAMELESS: Das bedeutet ja, dass es für Euch keine Grenzen gibt. Ist das wirklich so? Gibt es nicht Dinge, die Ihr nie tun würdet?
Jan: Der Bandname zeigt auf, dass wir uns in unseren Tätigkeiten nicht eingrenzen lassen. Wir wollen einfach coole Sachen machen, ohne in irgendeiner Weise eingeschränkt zu sein. Das können Proberaum-Konzerte oder verrückte Bühnenmomente sein. Dass wir diesen Freiheitsdrang verspüren kommt daher, dass wir zu Beginn als Coverband unterwegs waren. Wir wussten damals nicht, wohin uns unsere eigenen Ideen treiben werden. Und genau deswegen waren wir so offen, als es später darum ging, eigene Songs zu schreiben.

Denkt Ihr, wenn man sich musikalisch nicht verändert, verliert man an Qualität?
Jan: Das würde ich so nicht sagen. Ich glaube, es spielt keine Rolle, wie sehr man sich in seiner musikalischen Laufbahn verändert. Wichtig ist, dass man authentisch bleibt und seinen Kern und seinen Wiedererkennungswert nicht verliert. Wenn man das schafft, dann hat man viele Freiheiten.

Wie entstehen Eure Songs? Wer schreibt was, wer redet wie mit?
Selina: Diesbezüglich ist in unserer Band ein Wandel passiert. Am Anfang machten wir das alle gemeinsam. Jeder hat Ideen eingebracht. In letzter Zeit aber hat sich herauskristallisiert, wie wir am besten funktionieren: Nico und Alessandra haben in Sachen Songwriting den Lead übernommen. Manchmal bringen sie Grundgerüste, manchmal fixfertige Songs, die wir dann gemeinsam erarbeiten. Unsere Ideen fliessen noch immer mit ein. Wir ergänzen uns extrem gut in der Band und sind dadurch effizient.

Euer Sound klingt international. Wie sieht es mit Euren Ambitionen bezüglich Ausland aus?
Jan: Ambitionen haben wir auf jeden Fall! Wir haben eine coole Crew beieinander und möchten auf die grossen Bühnen. Auf grossen Festivals zu spielen und international unterwegs zu sein sind grosse Träume von uns. Es ist unser Ziel, möglichst vielen Menschen unsere Musik zu präsentieren und einen bleibenden und hoffentlich positiven Eindruck zu hinterlassen.

Luzern wird immer mehr zum Musiker-Mekka! Wie erlebt Ihr die Musikszene in Luzern?
Jan: In Luzern gibt es jede Menge tolle Musiker und Bands. Da geht definitiv etwas. Durch Social Media nimmt man inzwischen viel mehr Musiker aus der Region wahr als früher. Das bedeutet ja nicht, dass die nicht auch vorher schon da waren. Wir schätzen die lokale Musik- und Kulturszene sehr. Was sich noch ein bisschen verbessern könnte wäre die Vernetzung untereinander: Heraus aus der klassischen "Vetternwirtschaft" - man sollte offen sein für Neues.

Habt Ihr musikalische Vorbilder?
Selina: Bandtechnisch haben wir keine konkreten Vorbilder. Da wir jedoch mit unseren neuen Songs einen ungewohnten Stil umgesetzt haben, wollten wir uns natürlich inspirieren lassen. Wir haben uns viel Musik angehört, um ein Bild davon zu bekommen, was alles möglich ist. Wir waren gemeinsam an einigen Konzerten, was uns allen den Horizont erweitert hat.

Ihr habt bereits eine EP veröffentlicht. Jetzt habt Ihr Euch dazu entschlossen, keine EP zu machen, sondern fünf Songs im Monatstakt zu veröffentlichen. Wie kamt Ihr auf diese Idee und wo liegt der Vorteil?
Jan: Für diese Entscheidung gibt es mehrere Gründe. Fünf Songs innerhalb eines Jahres in einer Regelmässigkeit zu veröffentlichen ist spannender, als alle auf einmal auf einer EP serviert zu bekommen. So bleibt man aktuell. Die Songs gehören trotzdem zusammen, es gibt einen roten Faden. Ein weiterer Grund ist der finanzielle Aspekt - wir nehmen die Songs gestaffelt auf und müssen daher nicht alles auf einmal berappen.

So eine Produktion ist natürlich teuer. Eure erste EP habt Ihr mit Crowdfunding realisiert - wie ist es diesmal?
Jan: Die EP damals hatte definitiv seinen Preis. Jedoch wurden wir grossartig von allen Spenderinnen und Spendern unterstützt. Auch unsere Partner sind uns mit guten Deals einen Schritt entgegengekommen. Gute Arbeit und Qualität hat seinen Preis, das war uns von Anfang an klar. In Zukunft würden wir gerne alles selbst finanzieren. Für die fünf Singles, die dieses Jahr erscheinen werden, ist das leider noch nicht ganz möglich. Für diese Produktion haben wir Unterstützung von drei Stiftungen erhalten: von der Albert Koechlin Stiftung, dem FUKA-Fonds und von der RKK. Dafür sind wir sehr dankbar. Dass solch renommierte Stiftungen mit im Boot sind und an uns glauben, gibt einem viel Energie und Kraft. Jetzt hoffen wir, dass auch die Zuhörerinnen und Zuhörer sowie die Veranstalter von der neuen Musik begeistert sein werden.

FRAMELESS klingt im Jahr 2020 härter und elektronischer als zuvor. Wieso habt Ihr Eure Pop-Rock-Klänge durch härtere, elektronische Elemente und Synthesizer ersetzt?
Selina: Wir haben lange gebraucht, um herauszufinden, was wir wollen. Wir alle waren zu Beginn in punkto Songwriting nicht so erfahren, deswegen war unsere erste EP ein Experiment. Wir wagten uns damals noch nicht auf die zu experimentelle Schiene. Danach haben wir gemerkt, dass unser Herz in einem ausgefalleneren Takt schlägt. Die Musik hat zwar noch immer poppige Einflüsse, doch hat jetzt einfach mehr Dreck, Ecken und Kanten.

Selina, wie ist es für Dich als Sängerin, von den gewohnten Klängen zu den härteren Tönen überzugehen? Eine Herausforderung? Oder ist das sowieso Deine Schiene?
Selina: Power in der Stimme hatte ich schon immer. Daher fiel mir dieser Übergang nicht allzu schwer. Die Harmonien waren eher eine Herausforderung. Ich dachte manchmal noch zu "balladig" und "zu schön". Da unsere Keyboarderin Alessandra Gesangslehrerin ist, konnte ich in diesem Bereich stark von ihr profitieren und eine neue Welt kennenlernen.

Wie viele Songs hattet Ihr in petto, als Ihr Euch schliesslich auf fünf davon geeinigt habt?
Jan: Es waren etwa zwölf Songideen vorhanden. Wir konnten uns jedoch sehr schnell einigen, welche fünf unsere Singles werden sollten.

Welches ist der persönlichste Song dieser Singles?
Selina: Ich kann in dieser Hinsicht nur von mir selbst sprechen. Für mich ist es der Song "Wrong Way". Der Text kam von mir - und wirklich von tief drin.

Welcher Song machte am meisten Arbeit?
Jan: Das kann man so nicht festlegen. Wir haben an allen Songs sehr lange gearbeitet und viel investiert, da wir wirklich aus jedem das Maximum herausholen wollten. Unser Produzent Marco Jencarelli hat uns bei diesem Prozess tatkräftig unterstützt. So zweifelten wir ehrlich gesagt auch nie an uns.

Welchen Song spielt Ihr zurzeit am liebsten in den Proben?
Selina: Ich habe Spass an allen Songs. Aktuell sind wir dabei, die Songs für die Live-Konzerte vorzubereiten. Dabei feilen wir sehr intensiv an den Arrangements. Das bringt viel Abwechslung mit sich. Die beiden neuen Songs "Wrong Way" und "Mechanical Love" gehen dabei ziemlich ab in den Proben (lacht).

Welcher Song ist live die grösste Herausforderung?
Jan: Alle (lacht) - weil wirklich alle eine Herausforderung darstellen. Wir haben extrem aufwändige Songs mit vielen Elementen und einem breiten Sound Design. Deswegen ist diese penible Vorbereitung nötg. Wir profitieren jedoch alle von diesem Prozess, denn wir sammeln Erfahrungen und trainieren individuell das persönliche Können. Wir werden für die kommenden Konzerte natürlich auch alte Songs in unser neues Gewand verpacken. Es wird definitiv anders und neu - man darf gespannt sein!
Interview durchgeführt: Bettina Wyss Siegwart
Redaktion: Bettina Wyss Siegwart


Linktipps:
Single-Release «Wrong Way» - 3. April 2020