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Interview mit Vera Kaa



Vera Kaa - Längi Zit
1. So rächt wie Bärge
2. Längi Zit
3. S'Läbe laht eus ned lang allei
4. Ewig wit fort
5. Mir hend e Gschicht
6. Wenn sich d'Nacht absenkt
7. Anneli
8. Alles schnell verbi
9. Gang rüef de Brune
10. 10 Minute
11. Bahnhof SBB
12. Schatten im Glück
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"Eine Portion Rebellion hab ich mir erhalten"


Vera Kaa hat ihr neues Album "Längi Zit" veröffentlicht. Mit diesem Werk gewährt sie uns Zugang zu ihren Wurzeln. Mit Heimatklängen erinnert sie sich an ihre Kindheit und ihre Zeit auf dem Land.

hitparade.ch: "Längi Zit" ist Dein zwölftes Album. In welchen Situationen plagt Dich die Sehnsucht nach Deiner Heimat?
Vera Kaa: Die kann durch vieles ausgelöst werden. Gerade kürzlich hab ich wieder einmal ein ungewaschenes Rüebli geputzt und verspiesen. Der Geschmack war so intensiv, dass ich in meiner Erinnerung in Tante Emmas wundervollem Bauerngarten stand, den ich als Kind so geliebt hatte. Oder wenn ich im Muotatal auf einem Stein sitze und über meine Lieben nachdenke. Vieles macht Längi Zit.

hitparade.ch: Alpenklänge sind ungewohnt, passen aber hervorragend zu Deiner besonderen Stimme. Wann wusstest Du, dass es jetzt Zeit für ein melancholisches Heimat-Album ist?
Vera Kaa: Da waren die Recherchen zweier Filmemacherinnen ausschlaggebend, die meinen musikalischen Wurzeln nachgegangen sind und so auf meinen Urgrossonkel, Egg Basch, gestossen sind. Als Kind bin ich mit meiner Grossmutter, die aus seiner Familie stammt, ab und zu im Tal in die Stube gegangen, wo musiziert wurde. Aber ich habe nie gross darüber nachgedacht, bis ich schliesslich Geschichten von ihm las und mir klar wurde: Ah, da kommt das her! Mit grosser Dankbarkeit bin ich dann ans Werk gegangen.

hitparade.ch: Dein Vater ist vor Kurzem gestorben. Mein herzliches Beileid. Hat er Dich zu diesem Album inspiriert?
Vera Kaa: Mein Vater hat mich fürs ganze Leben inspiriert. Er war so ein Querdenker, ein Eigener, einer, der im Moment lebte. Ich habe viel von ihm. Und ja, nach seinem Tod wusste ich, dass ich das jetzt durchziehen muss.

hitparade.ch: Du befasst Dich mit Deinen neuen Songs mit Deiner Herkunft und Deinem Ursprung. So auch mit Deinen Grosseltern und Deinem Urgrossonkel. Hast Du Dich auf Spurensuche begeben und vielleicht sogar Neues entdeckt?
Vera Kaa: Diese Spurensuche hat mich geprägt. Egg Baschs legendärer Satz: "In der Musik gehts nicht ums Komponieren, sondern ums Kombinieren", ist etwas, was ich schon ganz früh verinnerlichte. Ich habe mich nie an Regeln gehalten in der Musik. Vom Punk zu Brecht und zum Blues - alles wollte ich ausprobieren. Dieses Album ist für mich eine Quintessenz aus vielem, was ich erfahren habe.

hitparade.ch: Du hast als Kind viel Zeit auf dem Bauernhof verbracht. Inwiefern hat Dich als Stadtkind das Leben in der Natur geprägt?
Vera Kaa: Meine innere grüne Haltung, die ich schon immer in mir hatte, wurde ganz sicher vom Land und Tante Emmas Garten, der für mich zugleich Spielparadies war, geprägt.

hitparade.ch: Sehnst Du Dich manchmal zurück in frühere Zeiten?
Vera Kaa: Das ist in meinem Lied "10 Minute" beschrieben und wann immer ich ihn singe, sitze ich auf dem Chriesibaum und die Luft ist voller Heu.

hitparade.ch: Welches sind Deine schönsten Kindheitserinnerungen?
Vera Kaa: Genau das! Da oben auf dem Baum zu sein und keiner konnte mich sehen, aber ich sah die Welt aus der Sicht eines Baums. Bis heute ist diese Kindheitserinnerung immer abrufbar für mich.

hitparade.ch: Könntest Du Dir vorstellen, später wieder auf dem Land zu leben?
Vera Kaa: Ich habe das grosse Glück, dass wir ein kleines Auszeithaus auf dem Land haben. Da kann ich mich zurückziehen, durch Wiesen und Felder streifen und die Absenz von Hektik geniessen.

hitparade.ch: Hast Du die neuen Songs auf dem Land mitten in der Natur geschrieben? Oder doch eher im bequemen Ledersessel in Zürich?
Vera Kaa: Meine Lieder entstehen in den unterschiedlichsten Situationen. Unterwegs im Tram, auf einer Bank oder zu Hause. Manchmal blitzt ein Wort oder ein Gedanke durch meinen Kopf und dann gehts los. Dann ist da das grosse Privileg, mit Greg Galli und seinem Studio über der Strasse, wo wir wohnen, verbunden zu sein. Mit ihm nimmts dann Form an.

hitparade.ch: "Mir hend e Gschicht" ist eine wunderschöne Liebeserklärung. Ist sie an Deine Kinder gerichtet? Die Sonne, die durch die Läden scheint: In Deinem Fall Dein Vater? Und später wirst Du für Deine Kinder durch die Läden scheinen?
Vera Kaa: Dieses Lied ist meinen besten Freunden gewidmet. Und natürlich meiner Familie, den Kindern und meinem Mann. Und die Sonne durch die Läden möchte ich sein für sie, wenn ich mal nicht mehr bin.

hitparade.ch: Im Song "Bahnhof SBB" nimmst Du Abschied. Ist es eine wahre Geschichte?
Vera Kaa: Dieses Lied hat Corin Curschellas geschrieben und ich denke, ihr sind da so echte, aus dem Leben gegriffene Gedanken durch den Kopf gegangen. Ein wunderschönes Lied!

hitparade.ch: Der Song "Anneli" sticht musikalisch stark heraus! Allgemein sind auf Deinem neuen Album viele verschiedene Instrumente zu hören. Wie werden Deine Live-Konzerte besetzt sein?
Vera Kaa: Live spielen wir die Songs so wie auf der CD, die wir ja zusammen eingespielt haben. Wir werden mit Cello, Cajon, Piano, Gitarre und mehrstimmigem Gesang auf der Bühne stehen.

hitparade.ch: Du hast musikalisch schon vieles ausprobiert. In welcher Richtung fühlst Du Dich am meisten zu Hause?
Vera Kaa: Es geht ums Kombinieren, wie Egg Basch sagte. Das gilt auch für mich. Immer im jeweiligen Projekt bin ich zu Hause. Ich werde nie aufhören den Blues zu besingen, aber er hat für mich die vielfältigsten Formen.

hitparade.ch: Wenn Du Dir Dein erstes Album von 1981 anhörst: Was geht Dir durch den Kopf? Du warst damals ja ein rebellisches Punkmeiteli!
Vera Kaa: Da geht mir eindeutig durch den Kopf, wie weit ich mit dem Kombinieren gekommen bin. Und eine gewisse Portion Rebellion hab ich mir erhalten.

hitparade.ch: Was hat sich in Deinen Augen seit Deinen Anfängen im Musikbusiness am stärksten verändert?
Vera Kaa: Das Business war immer erfolgsorientiert. "Sex sells" war leider immer ein Thema. Jetzt wird es meiner Meinung nach auf die Spitze getrieben. Das Business ist noch viel schnelllebiger geworden. Hie und da sticht sehr Interessantes heraus, auch bei uns in der Schweiz. Faber zum Beispiel oder Sophie Hunger. Leider müssen diese jungen Künstler mit der Tatsache leben, dass über alle digitalen Anbieter nicht mehr genügend Zeit bleibt, den Einzelnen wahrzunehmen. Aber Gott sei Dank müssen Künstlerinnen und Künstler - und zwar heute wie früher - live spielen können. Und da trennt sich der Spreu vom Weizen.
Interview durchgeführt: Bettina Wyss-Siegwart
Redaktion: Bettina Wyss-Siegwart


Linktipps:
Zum Album "Längi Zit"
Künstlerportal von Vera Kaa

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