NO MERCY FESTIVAL - Z7

No Mercy Festival - Z7 (Six Feet Under, Nile, Disbelief, Dying Fetus, Cataract, Wycked Wytch) (22.03.2005)

Das alljährliche No Mercy Festival zieht immer wieder viele Leute an und so auch dieses Jahr. Im Z7 angekommen bei schlechtem Wetter war denn auch die richtige Stimmung, und es überrascht immer wieder, dass auch unter der Woche so viele Menschen kommen, um die mehr oder minder bekanntesten Bands des extremen Metals zu besuchen. Doch für mich machte sich gleich zu Anfang ernüchterung breit, denn die einzige wirkliche Black Metal Band Dark Funeral haben abgesagt und es gab keinen Ersatz! Ok, einmal tief durchatmen und es hinnehmen, kann es halt geben...

Den Anfang machten die recht unbekannten Amerikaner Wycked Wytch, stark Keyboard unterstützter Black Metal, der das Publikum gar nicht schlecht zu animieren wusste und doch recht professionel ihre Performance darboten. Und das ist nicht selbstverständlich. Oftmals sind die ersten Bands eines solchen Festivals um einiges laienhafter. Die Band konnte man übrigens vor ca. drei Monaten in der Remise in Wil als Vorgruppe der norwegischen Black Metal Band Carpathian Forest begutachten. Wie es an diesen Festivals üblich ist, war dann nach 30 Minuten auch schon fertig.

Nun war es Zeit für den Stolz der schweizer Nation im Bereich des Hardcores: Cataract, eine aufsteigende Band, die mit ihrem Thrashig/Deathigen HC das vor allem junge Volk zu begeistern weiss. Und obwohl ich persönlich absolut kein Fan von HC bin, muss ich sagen, hat es mir recht gut gefallen. Vor allem weil die nötige Präsenz da war, und sie das Publikum ordentlich einheizten. Sowohl technisch als auch spielerisch machten sie einen ordentlichen Eindruck. Jeder, der auf schwedisch angehauchten Thrash oder HC steht, sollte diese Band einmal anchecken. Auch hier wurde die 40 Minutengrenze nicht überschritten, denn es standen noch vier Bands in den Startlöchern.

Jetzt hiess es die Ohren spitzen bzw. diese gut mit Ohropax zuzustopfen, denn Dying Fetus - ein amerikanisches Brutal Death Urgestein, im Jahre 1991 gegründet - betrat die Bühne. Was diese uns dann darboten war auch brutalen Death Metal der Alten Schule. Hier scheiden sich die Geister. Einerseits technisch sicher hervorragend gespielt auf der anderen Seite einfach irgendwie monoton. Für mich persönlich fehlt hier einfach die Melodie oder auch das Groovige (welches hier einfach viel zu selten vorkam). Die Soli des Frontmanns - quasi das einzig wirklich melodische - waren dann auch im typischen Death Metal Gewand - nämlich wirr und keinesfalls wohl überlegt wie es z.B. im Melodic oder Power Metal der Fall ist. Dennoch, es war Death Metal angesagt und das machten sie ordentlich, und so waren auch ein grosser Teil der Leute begeistert. Nach gut dreiviertel Stunden zogen die Mannen von dannen und liessen nichts anderes als Schutt und Asche zurück.

Für mich kam nun das Highlight des Abends: Disbelief. Sehr grooviger, teils melodischer und abwechslungsreicher Death Metal. Genau so muss Death Metal für mich klingen und nicht anders. Insofern überrascht es auch nicht, dass diese Mannen aus fast hiesigen Gefielden kommen, nämlich Deutschland. Und so kam es auch, dass die Menge in der Halle gen vorne immer dicht gedrängter dastanden. Dennoch war es recht angenehm (lassen wir mal den vorderen Viertel aussen vor, denn dort wurde kräftig gemosht und gepöbelt). Showmässig gab's hier nicht viel, wie auch bei den anderen Bands. Wenn soviel aufeinanderfolgende Gruppen spielen, ist da keine Zeit für ein aufwändiges Bühnenbild, geschweige denn für Showeinlagen. Die Band ist die Show, und Disbelief haben dies auch hervorragend unter Beweis gestellt. Vor allem Sänger Karsten Jäger konnte mich mit seiner Präsenz überzeugen, flankiert von den beiden Gitarristen, welche auch ordentlich abbangten, wenn's zur Sache ging. Doch leider sind die schönsten Momente auch immer wieder schnell vorbei, und so kam es, dass sie nach ca. 40 Minuten das Zepter den Ägyptologen von Nile weiterreichen mussten, da leider Dark Funeral aus - wie es hiess - gesundheitlichen Gründen den Rest der Tour absagen mussten.

Nile, eine sehr spezielle Band, auch wenn schon zig mal gesehen, sind live leider nicht so überzeugend wie auf ihren hervorragend konzipierten und produzierten Alben. Leider. Das wohl grösste Problem liegt auf der Hand: Nile machen grundsätzlich Death Metal und das sehr gut, sowohl technisch als auch songwriterisch wissen sie zu überzeugen. So auch ihr Gesang, der nicht nur von einem, nein gleich von drei Leuten gesungen wird (auch wenn ihre sehr tiefen Death Metal Stimmen voneinander nicht gut zu unterscheiden sind.) Nun wird aber das ganze vom Grundkonzept der ägyptischen Mythologie durchzogen, so hantiert die Band mit vielen solchen Klängen, so weit so gut. Nur wird das live einfach viel zu dünn rübergebracht. Der Klangteppich war einfach nur ein Gitarrengesäge mit einem genialen Drummer. Da können sie noch so gut spielen, das Gesamtbild war live viel zu wenig Nile-typisch.

Zu guter Letzt kamen die wohlbekannten Six Feet Under mit ihrem charismatischen Frontmann Chris Barnes. Obwohl aus Amerika spielen sie inzwischen keinen typischen Death Metal mehr, sondern gehen in eine sehr groovige, ja fast hiphop-artige (vom Gesang her) Richtung, welche durch die tiefer gestimmten fett klingenden Gitarren unterstrichen wird. Dies jedoch nicht immer. Sehr originell sind Barnes' kurzweilige Kreischeinlagen. Ohnehin wirkt die ganze Band als absolute Einheit, welche professionell an ihre Instrumente gehen. Die Setlist war logischerweise auf ihren neuen Release "13" ausgelegt, nichtsdestotrotz spielten sie auch alte Klassiker. Alles in allem also ein anständiger Auftritt. Auch wenn ich nicht der grösste Fan dieser Gruppe bin, konnten sie mich unterhalten und haben mich nicht dazu animiert, irgendwo ein Nickerchen zu machen.

Ein wahres Fest also für einen Death Metaller, und ein recht öder Abend für einen Fan, der Black Metal hört... Eine Frechheit empfand ich die späte Nachricht von den Organisatoren, dass Dark Funeral abgesagt hat. Ich gebe hier nicht den Veranstaltern vom Z7 die Schuld, sie können nichts dafür. Dennoch, ich hätte mir gewünscht, dass hier nicht stillschweigend gehandelt wurde, in der Hoffnung die Fans sind so blöd, und merken das nicht? Also ich fand das schon recht fragwürdig. Ansonsten war aber wie immer im Z7 alles gut organisiert, die Bands traten zur rechten Zeit auf, es gab keine Verzögerungen und im allgemeinen war's auch gut abgemischt. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn sich die Organisatoren vom No Mercy sich was neues überlegen. Es sind einfach immer etwa dieselben Bands die hier spielen, dafür gäbe es noch so viel andere...
Ragnar

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