FRANZ HOHLER - DIE TORTE




Autor Franz Hohler
Titel Die Torte
Genre Belletristik
Erstausgabe 2004
Belletristik-Charts
Einstieg 18.08.2004
Anzahl Wochen 23
Höchstposition 2
Den Kaffee hat er bezahlt, jetzt steht er vor dem Restaurant auf der Paßhöhe, aber anstatt sich in sein Auto zu setzen und seinen nächsten Termin wahrzunehmen, schlägt er den Weg hinauf zu dem weiter oben gelegenen Denkmal ein. Eine kleine Wanderung wird ihm guttun - doch so beschwingt der Ausflug beginnt, dieser Mann wird nie mehr in seinen Alltag zurückfinden. Mit einem knapp einhundert Jahre alten Mann geht eine ebenso plötzlich einsetzende Veränderung vor, als er von der Bombe hört, die im LagoMaggiore gefunden wurde. Er muß wieder an seine Zeit als junger Mann bei den Kommunisten denken, denn bei dieser Bombe handelt es sich zweifellos um jene, mit der er in den 20er Jahren Europas Außenminister bei ihrem Treffen in Locarno in die Luft sprengen wollte - es bei der Absicht aber beließ. Keineswegs nur mit dem Schrecken kommt die Familie davon, als eines Tages eine asiatisch aussehende Frau in ihrer Waschküche steht und kein Wort redet. Der befreundete Parapsychologe ist ratlos, und auch der Ehemann sucht vergeblich sein Heil in der Philosophie: »Es gebe eine gewisse unmögliche Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen«, liest er kopfschüttelnd, und ihm ergeht es, wenn er an die Fremde denkt, wie den anderen Figuren in Hohlers mit bewundernswerter Lust am Erzählen geschriebenen Geschichten. Er erlebt eine merkwürdige Rückeroberung: Eine unbekannte Welt macht der verbrauchten Rationalität ihren Platz streitig - und von dieser Welt geht ein gefährlich schöner Sog aus.

AUSGABEN

Verlag Luchterhand
Erscheinung 08.2004
ISBN 3630871518
 

BÜCHER VON FRANZ HOHLER


REVIEWS

Average points: 6 (Reviews: 1)

******
Franz Hohler ist hier auf der Höhe seines Könnens angelangt. Der Band erinnert mich an "Die Rückeroberung", allerdings sind die Geschichten hier noch packender und eindringlicher geraten.
Besonders gut gefallen haben mir: «Die Schenkung» (wo ein Minimalstbetrag für maximale Verwirrung und unglaubliche Konsequenzen sorgt), «Der Betrug» (meine Lieblingsgeschichte, in der es um den alltäglichen und versteckten Rassismus in uns allen geht), «Das Denkmal» (ein Mann verirrt und überschätzt sich ausserordentlich), «Der Schimmel» (sehr spannend und gleichzeitig übernatürlich geraten), «Die Rechnung» (eine gefundene Rechnung führt zu historischen Nachforschungen, die packend zu lesen sind) oder aber «Die Überraschung» (die Abschlussgeschichte, gleichzeitig auch die kürzeste Erzählung, mit einer wahrhaftig überraschenden Pointe, mehr darf nicht verraten werden!).
Bei fast jeder Erzählung hätte ich mir gewünscht, dass sie noch länger als die 20-30 Seiten dauert, die ihr Hohler eingesteht. Aber vielleicht liegt darin auch gerade die Stärke. Diese Torte lasse ich mir jedenfalls mehrmals gut schmecken!

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