****** Ich habe das dazugehörige Buch vor Jahren gelesen. Ich hatte die Handlung zwar nur noch in ungefährer Erinnerung, wusste aber noch, dass es eines der Bücher war, die mich am meisten verstört haben.
Nachdem ich jetzt den Film gesehen habe, weiß ich auch wieder warum: die Geschichte um Meg, David, Ruth und den anderen erzählt von den tiefsten menschlichen Abgründen (sorry für diese ausgelutschte Phrase, aber hier trifft es einfach zu).
Die beiden Mädchen Meg und Susan verlieren ihre Eltern bei einem Autounfall, nach dem Susan gehbehindert zurückbleibt und die Mädchen bei ihrer Tante Ruth, welche einige Söhne hat, unterkommen. Es kristalliert sich sehr rasch heraus, dass Ruth eine schwer gestörte Person ist, welche eine erschreckende Einstellung Frauen gegenüber hat. Sie bündelt ihren ganzen Hass auf Meg und darüber, was sie ihr antut, handelt dieser extrem aufwühlende, verstörte und sehr brutale Film (sowohl auf der körperlichen, aber vielmehr noch auf der psychischen Ebene).
Man kann so viele Horrorfilme gesehen haben wie man will (darunter auch die brutalsten dieser Sorte), dieser Film kann den Seher unmöglich kalt lassen. Nicht nur einmal war ich versucht den Ausschaltknopf zu drücken, weil ich es nicht mehr ertragen konnte, was den beiden Mädchen und insbesondere Meg zustößt und wie diese immer mehr zum "Objekt" wird, mit dem jeder machen kann, was er oder sie will. Falls diese Geschichte wirklich auf einer wahren Gegenheit basiert, dann sind hoffentlich 95% der Handlung trotzdem nur ausgedacht. Unvorstellbar, dass so etwas irgendwo auf der Welt passieren könnte.
Was den Film zudem sehr interessant macht ist die Tatsache, dass hier psychologische Fragen (Befriedigung niedriger Bedürfnisse, Machtausübung, psychische Folter bzw. die Gedankenwelt einer Frau, welche von Männern enttäuscht wurde und daraus eben dieses fragwürdige Frauenbild entwickelt u. v. a.) anklingen. Ein besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, wie die anderen Kinder mit dem "Objekt" Meg umgehen und zum Teil eine grausame Faszination an der Situation empfinden. Inwiefern die Handlungweisen der Personen in diesem Film realistisch sind, kann ich als Laie in der Psychologie nicht wirklich einschätzen, halte das Verhalten von Ruths Söhnen in Anbetracht ihrer Erziehung aber als durchaus denkbar.
Das einzige störende Manko des Films ist, dass nebst den guten Darstellern von Ruth, Meg und David die Rolle von Megs Schwester Susan leider nicht optimal besetzt ist. Zwar sieht sie sogar in etwa so aus, wie ich sie mir beim Lesen des Romans vorgestellt habe, aber sie zeigt den ganzen Film über kaum Emotionen. So scheint es sie völlig kalt zu lassen, wenn Meg vor einer ganzen Schar von Kindern auf Gröbste misshandelt wird. Auch ansonsten hat sie keine besonders ausgeprägte Mimik, was sehr schade ist, denn mit einer besseren Besetzung wäre noch mehr Dramatik drinnengewesen. Andererseits ist der Film auch so schon grausam genug.
Fazit: Wer diesen Film sehen möchte (und er ist durchaus empfehlenswert), sollte sich nicht auf einen gemütlichen Fernsehabend einstellen, sondern auf ganz starken Tobak ohne den geringsten Funken Hoffnung und Freude. Mir war während des Films mehr als einmal zum Weinen zumute. |